KlimaschutzWie grüne Investments zum Klimaschutz beitragen können

Greta Thunberg bei ihrer Rede in Davos
Greta Thunberg bei ihrer Rede in Davosdpa

Seit ihrem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im vergangenen Jahr ist Greta Thunbergs Wut auf die Staatenlenker und Wirtschaftsbosse dieser Welt nicht kleiner geworden. Im laufenden Jahr wandte sie sich erneut mit scharfen Worten an die versammelte Elite aus Wirtschaft und Politik. „Leere Worte und Versprechen“ bescheinigte die 17-jährige Schwedin ihren Zuhörern am Dienstag bei ihrer Rede in Davos. Und klagte: „Ob links, rechts oder Mitte – alle haben versagt.“

Auch wenn der Kampf gegen die Klimakatastrophe in Thunbergs Augen nicht entschlossen genug geführt wird, kann sie sich doch einen Erfolg auf die Fahne schreiben: Das Bewusstsein für die Bedeutung des Klimaschutzes ist in den vergangenen zwölf Monaten rasant gewachsen. Wohl nie zuvor haben sich so große Teile der Bevölkerung wie heute dafür interessiert, wie sich die Erderwärmung womöglich noch begrenzen lässt. Glaubt man einem interdisziplinären Forscherteam unter Federführung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), könnte die große öffentliche Aufmerksamkeit für den Klimawandel zentral sein bei dessen Bekämpfung – und Anlegern dabei eine wichtige Rolle zukommen.

Investoren wenden sich gegen Kohle und Öl

Die Forscher haben gesellschaftliche Kipppunkte identifiziert, mit deren Erreichen sich Technologien und Verhaltensweisen, die das Klima schützen, deutlich rascher verbreiten könnten. Auf kurze Sicht sehen sie das größte Potenzial für klimafreundliche Veränderungen an den Finanzmärkten: Wenn weniger Kapital in schmutzige Unternehmen fließt und Anleger stattdessen mehr Geld in nachhaltige Firmen investieren, könnte schon bald der Zeitpunkt gekommen sein, an dem ein Dominoeffekt einsetzt, sagt PIK-Forscher Jonathan Donges. „Unsere Expertengruppe denkt, dass der kritische Moment des sozialen Kippens erreicht würde, wenn die klimaneutrale Stromerzeugung höhere finanzielle Erträge erzielt als die Stromerzeugung durch fossile Energieträger“, erklärt er.

Infografik: Der Klimawandel ist das größte Problem unserer Zeit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Investoren können also daran mitwirken, die Klimakatastrophe aufzuhalten. Viele tun das bereits: Immer mehr institutionelle Anleger wie Versicherer, Stiftungen und Pensionsfonds investieren nicht mehr in Unternehmen, die Geld mit fossilen Energieträgern wie Öl oder Kohle verdienen. Mitte Januar kündigte der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock an, sich zumindest teilweise aus dem Kohlegeschäft zurückzuziehen. Bis zum Jahr 2025 will das Unternehmen sukzessive Anteile an Firmen abstoßen, die mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit Kohleproduktion erzielen. „Ich glaube, wir befinden uns am Rande eines fundamentalen Wandels“, schreibt Vorstandschef Larry Fink in einem Brief an Unternehmenslenker.

Die Masse macht’s

Großinvestoren können auf den ersten Blick mehr zum Klimaschutz beitragen als Kleinanleger, weil sie durch ihre Marktmacht einen größeren Hebel in den Händen halten. Auch Letztere können aber mit nachhaltigen Investments die Welt ein bisschen grüner machen. Richard Schmidt hat beispielhaft ausgerechnet, wie hoch die CO2-Einsparungen durch nachhaltige Investments in kleinerem Maßstab ausfallen: Wer 25.000 Euro in den von ihm verwalteten Fonds „DWS Concept DJE Responsible Invest“ steckt statt in einen herkömmlichen Mischfonds, spart 750 Kilogramm CO2. „Das entspricht dem Verbrauch von 250 Litern Benzin oder der Fahrt von 5000 Kilometern mit einem Mittelklasse-Diesel-PKW“, sagt der Fondsmanager der Investmentboutique DJE Kapital. Für seine Berechnung hat er den CO2-Fußabdruck der Unternehmen in seinem Fonds mit jenem der Firmen in einem nicht-nachhaltigen Standardindex verglichen. Die Differenz im CO2-Ausstoß hat er dann auf den Fondsanteil eines fiktiven Muster-Investors heruntergebrochen.

Für Kleinanleger gilt: Die Masse macht’s. Je mehr Anleger ihr Geld in saubere statt in schmutzige Firmen investieren, desto größer fällt der Effekt aufs Klima aus. Die EU will deshalb grünen Investments Vorschub leisten. Unter anderem sollen Finanzberater ihre Kunden in Zukunft verpflichtend nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen fragen und geeignete Produkte anbieten. Sollten sich dadurch die vom PIK prognostizierten Dominoeffekte einstellen, könnte Greta Thunberg nächstes Jahr in Davos vielleicht eine etwas versöhnlichere Rede halten.