GastbeitragWas Unternehmen von Greta Thunberg lernen können

Teilnehmer auf einer Fridays-for-Future-Demonstration
Teilnehmer auf einer Fridays-for-Future-DemonstrationJasmin Sessler on Unsplash

Schweden ist seit geraumer Zeit Teil der Hauptnachrichten in Deutschland. Angefangen hat es im vergangenen Sommer, einem der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Greta Thunberg startete ihren Klimaprotest, die öffentliche Wirkung und ihr Aufstieg zur Ikone der Klimabewegung ist bekannt. Ein Jahr ist vergangen und wir sind an einem Punkt angelangt, an dem das Klimathema von einer Stimmung und einer gesellschaftlichen Strömung hin zu einer konkret spürbaren Entwicklung wird. Bei Fridays for Future demonstrieren Schülerinnen und Schüler während der Schulzeit für mehr Bewusstsein im Kampf gegen den Klimawandel und die letzten Wahlergebnisse zeigen, dass die Grünen sich zur Volkspartei entwickeln. Auch das Reiseverhalten scheint sich zu ändern. So ist vom „Greta-Effekt“ die Rede, wenn Menschen auf das Flugzeug verzichten und Strecken lieber mit dem Zug absolvieren. Selbst das schlechte Gewissen bei der Wahl des Flugzeugs ist nach einem schwedischen Begriff benannt und nennt sich „Flygskam“ – zu deutsch “Flugscham”.

In sämtlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens scheint sich das Bewusstsein für mehr Klimaschutz bereits in konkreten Handlungen zu manifestieren, die medienwirksam die Dringlichkeit des Problems zeigen. Hier führen echte Debatten zu mehr Veränderungen.

Visionen für 2050 reichen nicht

In der Wirtschaft sieht das bisher ganz anders aus. Zwar bekennen und verpflichten sich viele Unternehmen dazu, Klimaziele zu erreichen und ab einem bestimmten Zeitpunkt auch klimaneutral zu operieren, doch bleiben diese Ankündigung relativ abstrakt. In Pressemitteilungen und Interviews geht es darum, welche Kennzahlen erreicht werden sollen, welche Kosten dabei entstehen und wie das operative Geschäft davon betroffen wird. Unternehmen umgehen es dabei bisher gekonnt, die Debatte um Klimaschutz mutig und kontrovers zu führen. Stattdessen versuchen Unternehmen, mit visionär formulierten Pressemitteilungen und Bekenntnissen für das Jahr 2050 auf der Welle des Klimaschutzes mitzuschwimmen und tauchen in der öffentlichen Debatte danach gleich wieder ab.

Dabei haben gerade Unternehmen die Mittel und die Wirksamkeit, auch ihren Beitrag zum Klimaschutz in die öffentlichen Debatten zu tragen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Unternehmen eine Pflicht zukommt, die Debatten um Klimaschutz öffentlichkeitswirksam zu führen und auch Stakeholdern wie Mitarbeitern, Kunden oder Partnern dabei etwas zuzumuten.

Unternehmen müssen Position beziehen und klar bekennen, wie sie dem Klimaschutz heute begegnen und unter welchen Bedingungen. Gleichzeitig müssen Unternehmen damit auch das Risiko eingehen, in gewissen Prozessen noch nicht klimafreundlich zu agieren und mit gewissen Maßnahmen einzelnen Stakeholdern vor den Kopf zu stoßen. Diese Gefahr ist da, doch genau diese Debatten aus pro und contra brauchen wir jetzt, um Klimawandel weiter voranzukommen.

Wollen wir komplett auf Papier im Büro verzichten? Fördern wir als Unternehmen, wenn sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen? Wollen wir Dienstreisen mit dem Flugzeug noch tolerieren? Führen wir in unseren Kantinen Veggie-Wochen ein oder fördern die Mittagspause in vegetarischen Restaurants?

Unangenehme Fragen stellen

All das sind konkrete Fragen, zu denen wir uns jetzt positionieren können. Aktuell scheint die Angst zu dominieren, konkret Stellung zu beziehen und sich in polarisierenden Diskussionen zu begeben, die man als Verlierer verlassen könnte.

Wenn wir von Greta Thunberg und den Aktivisten bei Fridays for Future eines lernen können, dann ist es der Mut, sich für ein gesellschaftliches Ziel auch möglicher Kritik auszusetzen. Unternehmen können sich nicht erst in die Debatte begeben, wenn sie Klimaneutralität erreicht haben und keine Angriffsfläche mehr bieten. Wir müssen Flagge zeigen bei den kleinen Schritten, die wir nach vorne gehen und transparenten Umgang mit den Punkten finden, die es noch zu verbessern gilt. Das Klima-Thema ist zu groß, um nach dem Gebot „Safety First“ klassischer Unternehmenskommunikation zu handeln. Vielmehr geht es darum, unsere öffentliche Aufmerksamkeit zu nutzen und uns mitten in die Debatte zu begeben. Wie klimafreundlich ist der weltweite E-Commerce aktuell? Auch in dieser Frage müssen wir uns in die Arena begeben – mit ehrlichen Argumenten für pro und contra. Wir müssen bereit sein, auch Schwächen zuzugeben, und Baustellen benennen, an denen gearbeitet werden muss.

Um einen Anfang zu machen: In Deutschland wurden laut Angaben des Verbands Deutsches Reisemanagement im Jahr 2017 rund 52 Mrd. Euro für Dienstreisen ausgegeben. Für das Jahr 2018 hat der Flughafen Frankfurt ausgewiesen, dass etwa 36 Prozent der Passagiere geschäftlich unterwegs waren. Wir bei Klarna bekennen uns dazu, bei nationalen Dienstreisen auf das Flugzeug so gut es geht zu verzichten. Gerne lassen wir uns daran messen, wie uns das bis Ende des Jahres gelungen ist.