NiedrigzinsenWege aus der Zinsfalle

EZB-Präsident Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi: Wann wird er die Zinsen erhöhen?Getty Images

EZB-Chef Mario Draghi steht nach der Bundestagswahl und der Ankündigung der US-Notenbank Fed noch stärker unter Druck als ohnehin schon. Sollte es tatsächlich zu einer „Jamaika“-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen kommen, wäre eine weitere europäische Integration schwierig, weil es unterschiedliche Meinungen zur Europapolitik gibt. Vor allem die FDP tritt auf die Bremse. So wird Draghi auch weiterhin verstärkt europäische (Geld-)Politik betreiben und sein vergleichsweise expansives Vorgehen nicht so schnell aufgeben wollen. Die Zinsen in Europa dürften daher weniger stark zulegen als in den USA, wo die Fed für Dezember bereits einen weiteren Zinsschritt angekündigt hat.

Zinsalternativen gesucht: Nachranganleihen

Zins- oder Geldmarktpapiere werfen kaum Erträge ab und sollte die EZB tatsächlich keine bedeutend restriktivere Geldpolitik betreiben, ist ein deutlicher Zins- und Renditeanstieg nicht zu erwarten. Höhere Renditen sind auch im europäischen Umfeld kaum zu erzielen, obwohl sie für Anleihen aus der Euro-Peripherie nach der Bundestagswahl angestiegen sind. In Italien sind derzeit 2,15 und in Spanien gar nur 1,66 Prozent drin.

Deutlich attraktiver sind im niedrigen Zinsumfeld etwa Nachranganleihen. Sie bieten höhere Zinsen, weil sie ähnlich wie Eigenkapital im Falle einer Insolvenz in Anspruch genommen werden. Es besteht also im Vergleich zu herkömmlichen Unternehmensanleihen ein höheres Risiko, dass entsprechend besser verzinst wird. Für Zinsanleger, die etwas mehr Risiko eingehen wollen als bei herkömmlichen Anleihen, um auch mehr Rendite zu erzielen, sind diese Papiere interessant. Eine frische Nachranganleihe hat die IKB emittiert (WKN: A2E4Q8) mit einer Laufzeit bis zum 20. September 2027. Sie hat einen Festzinssatz von 4,0 Prozent pro Jahr.

Alternative: Income Fonds

Wer dagegen im aktuell volatilen Zinsumfeld lieber regelmäßige, attraktive Zins- oder Einkommensströme bekommen möchte, findet eine Alternative in sogenannten Income Fonds. Eine Möglichkeit ist der Listen Income Fonds der Partners Group mit der WKN A1W0LE, der aus Aktien mit attraktiven Dividendenrenditen besteht. Sie setzen sich aus den Sektoren Immobilien, Private Equity und Infrastruktur zusammen. Dabei werden Unternehmen ausgewählt, die anhand ihrer Geschäftsmodelle überdurchschnittliche Cashflows erzielen und die Grundlage von attraktiven Dividendenausschüttungen sind. Seit Auflegung im Jahr 2013 hat der Fonds eine Dividendenrendite von 5,5 bis 6,5 Prozent erzielt. Die Ausschüttungen finden halbjährlich statt.

Das aktuelle Zinsumfeld bleibt trotz der zuletzt gestiegenen Renditen weiterhin schwierig. Dennoch finden zins- und einkommensorientierte Anleger attraktive Möglichkeiten, um der Niedrigzinsfalle zu entkommen.


Daniel SaurenzDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben