MarktturbulenzenWas steckt hinter dem Ausverkauf italienischer Anleihen?

Symbolbild Italien
Symbolbild ItalienGetty Images

Die Marktberichterstattung ist anfällig für Übertreibungen, aber der Ausverkauf der italienischen Anleihen am Dienstag war wirklich dramatisch. Anleihen mit kurzer Laufzeit waren plötzlich Gift, und die Anleihegläubiger zeigten Anzeichen einer ernsthaften Panik. Die Kurse fielen und die Renditen für kurzlaufende Anleihen stiegen ebenso stark oder stärker als zu Zeiten des Euro-Existenzkampfes in den Jahren 2011 und 2012.

Die Reaktion auf anderen Märkten war vergleichsweise verhalten. Sicher, Aktien und Staatsanleihen schwächerer europäischer Länder wurden verkauft, und es gab eine Flucht in die Sicherheit der US-Treasurys. Aber es war nicht viel mehr als ein normaler schlechter Tag. Portugals zweijährige Anleiherendite stieg um 0,23 Prozentpunkte und die Spaniens um 0,12 Prozentpunkte – in beiden Fällen war es der schlechteste Tag seit Anfang letzten Jahres. Zehnjährige US-Bonds hatten dagegen ihren besten Tag seit fast zwei Jahren, weil Investoren auf Sicherheit setzten.

Dagegen verzeichneten italienische zweijährige Anleihen ihren mit Abstand schlechtesten Tag seit mindestens 1989, als Thomson Reuters begann, die Statistik zu führen. Die Rendite stieg um mehr als 1,5 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent zum Handelsschluss in Europa.

Drei Erklärungsversuche

Es gibt drei mögliche Interpretationen, warum die Märkte außerhalb Italiens nicht stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die erste Erklärung ist grundlegender Natur: Die schwachen Volkswirtschaften Europas haben sich gewandelt, seit sie während der Euro-Krise von einer Ansteckung durch Griechenland bedroht waren. Irland gilt heute als sicheres „Kernland“, Spanien wächst schnell und selbst Portugal hat seine Medizin geschluckt. Vielleicht kann dieses Mal der Ärger eingedämmt werden.

Die zweite Interpretation ist technischer Natur: Demnach ist eine Ansteckung ausgeblieben, weil Investoren das Beben in Italien übertrieben fanden. Hedgefonds und andere Investoren hätten sich plötzlich in einem illiquiden Markt wiedergefunden und ihre Anleihen abgestoßen. Die Käufer blieben an der Seitenlinie, weil ein überschießender Markt kurzfristig immer noch weiter überschießen kann, wobei die Anleiherenditen nicht die tatsächlichen Risiken für Italien widerspiegelten.

Die dritte Variante ist die beunruhigendste Erklärung. Möglicherweise sind Investoren zu gelassen, was von Italien ausgehenden Gefahren anbelangt. Sie verlassen sich auf die europäischen Eliten, die wieder einmal einen Weg finden sollen, um populistische Politiker unter Kontrolle zu halten – wie so oft in den letzten zehn Jahren.