GeldanlageBörsen-Unruhe: die italienische Angst

Giuseppe Conte ist als neuer Regierungschef vorgesehen
Giuseppe Conte ist als neuer Regierungschef vorgesehen dpa

Versprechen sind ja ganz schön. Vor allem, wenn sehr vielen Menschen viel Geld versprochen wird. So geschehen in Italien, dort haben die wahlkämpfenden Parteien, die nun die künftige Regierung stellen werden, der Bevölkerung einige finanzielle Wohltaten zugesagt. Sie reichten von Steuererleichterungen bis zu Einkommensanhebungen, und sie gingen sogar so weit, dass die Wahlkämpfer offen über den Austritt aus der Eurozone sprachen. Das Problem an solchen Versprechen ist jedoch: Entweder sie werden nicht eingehalten und entpuppen sich damit im Nachhinein als heiße Luft – manchmal ist das ein Segen. Oder sie werden umgesetzt, doch dann zeigen sich erst die wahren Effekte großer Worte. Dann können vollmundige Ankündigungen auch schnell zum großen Fluch werden. Welches Szenario demnächst auf Italien zutreffen wird, bleibt abzuwarten. Doch erste Effekte auf viele Nicht-Italiener haben die großen Wahlversprechen bereits gezeigt.

Weil es in Italien um viel Geld geht, es ist schließlich die drittgrößte Volkswirtschaft Europas, ging zunächst ein mächtiger Ruck durch die Börsen und Finanzmärkte. Man merkte das vor allem an den Kursen und Renditen der Staatsanleihen, die in dieser Woche so heftig in Bewegung waren wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Die Reaktion der Anleger war: Sie flohen aus italienischen Papieren, was deren Renditen in die Höhe schnellen ließ und investierten in sichere Papiere, allen voran deutsche Bundesanleihen. Dadurch vergrößerte sich der Zinsaufschlag, den Italien nun gegenüber Deutschland zahlt, auf rund 1,8 Prozentpunkte bei den zehnjährigen Papieren und auf einen Prozentpunkt bei den zweijährigen Anleihen. Insgesamt rentieren zehnjährige italienische Papiere nun mit rund 2,4 Prozent, das sind rund 0,6 Prozentpunkte mehr als noch eine Woche zuvor. In Anleihedimensionen sind das Welten.

Teure Ankündigungen

Aber auch die Aktienbörsen gerieten mächtig in Bewegung. Viele Anleger zogen ihr Geld aus den Märkten ab, aus Unsicherheit und aus Angst vor größeren Verwerfungen in der Eurozone. Der deutsche Leitindex Dax verlor zwischenzeitlich rund 400 Punkte und notiert inzwischen satt unter der 13.000-Punkte-Marke, die er zuvor noch tapfer übersprungen und lange verteidigt hatte. Für den italienischen Index ging es sogar noch strammer abwärts, er fiel innerhalb einer Woche von 23.800 Punkten auf 22.400, das war ein Minus von immerhin 600 Punkten. Auch der Eurostoxx schloss die Woche nicht positiv ab und knickte um 80 Punkte ein von 3580 auf 3500 Punkte.


source: tradingeconomics.com

Was macht die Märkte nun so misstrauisch? Zum einen natürlich das laute Nachdenken des Populistenbündnisses aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung darüber, ob Italien im Euro bleiben solle oder nicht. Dazu ist das letzte Wort noch längst nicht gesprochen, auch wenn derzeit wenige vom Ernstfall ausgehen. Zum anderen aber auch die teuren Ankündigungen der künftigen Regierung, die sie dem Volk macht, obwohl das Land schon jetzt unter seiner Schuldenlast massiv ächzt: Das Bündnis verspricht den Italienern neben Steuererleichterungen, höheren Sozialausgaben und der Rücknahme der Rentenreform, die wieder frühere Renteneintritte möglich machen wird, auch ein Grundeinkommen von 780 Euro monatlich. Allein das soll in Summe rund 17 Mrd. Euro zusätzlich kosten, haben Experten errechnet. Wie stark alle Maßnahmen zusammen den Haushalt belasten werden, hängt von den genaueren Plänen ab. Fest steht aber schon jetzt: Italien kann sich das gar nicht leisten.

Die Umsetzung der Wahlversprechen würde nämlich bedeuten, so haben Ökonomen errechnet, dass die jährliche Neuverschuldung des Landes von 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) auf rund 7 Prozent ansteigt. Und das, obwohl die Republik schon jetzt mit gigantischen 2300 Mrd. Euro insgesamt verschuldet ist. Zwar kommen Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf ähnlich hohe Summen – über 2000 Milliarden. Doch hierzulande beträgt die Schuldenquote bezogen auf die Wirtschaftskraft immerhin „nur“ 63 Prozent. In Italien ist sie doppelt so hoch, es sind 131 Prozent. Im EU-Durchschnitt liegt die Quote derzeit bei 83 Prozent. Und neben Italien stehen sonst nur Portugal (125 Prozent) und Spanien ähnlich hoch im Kredit.