GeldanlageWas die Iran-Krise für Anleger bedeutet

Die Kontrahenten: US-Präsident Trump und Irans geistlicher Führer Chamenei sind in Tokio auf einem riesigen Bildschirm zu sehen
Die Kontrahenten: US-Präsident Trump und Irans geistlicher Führer Chamenei sind in Tokio auf einem riesigen Bildschirm zu sehendpa

Die Krise im Nahen Osten lässt die Märkte beben, Anleger reagieren verschreckt. Seit die USA in der vergangenen Woche den iranischen General Qasem Soleimani getötet haben, ist der Ölpreis deutlich gestiegen, auch der Goldpreis hat zugelegt. Der globale Aktienindex MSCI World sowie der US-Leitindex S&P 500 haben dagegen leicht nachgegeben. Wie es in dem Konflikt und damit auch an den Kapitalmärkten weitergeht, ist völlig offen. „Geopolitik bedeutet immer Unsicherheit – wir können schlicht nicht wissen, was als nächstes passieren wird“, sagt Neil Wilson, Marktanalyst beim Londoner Handelshaus Markets.com.

Goldpreis in Dollar


source: tradingeconomics.com

Eskaliert die Iran-Krise?

In der Nacht von Montag auf Dienstag dieser Woche hat Teheran als Vergeltung für die Tötung Soleimanis Raketen auf US-Stützpunkte im Irak abgefeuert. Über mögliche Opfer gibt es noch keine gesicherten Angaben. US-Präsident Donald Trump twitterte am Dienstagmorgen: „Alles ist gut!“ und kündigte ein ausführliches Statement für Mittwoch an. Das iranische Staatsfernsehen spricht wiederum von 80 getöteten Amerikanern. Irans geistlicher Führer Ajatollah Ali Chamenei fordert, dass die Vereinigten Staaten ihre Truppen aus der Region abziehen.

Die Frage ist, ob die USA nun zum Gegenschlag ausholen und damit einen größeren militärischen Konflikt riskieren. Trump hatte die iranische Führung vor Angriffen auf US-Bürger oder amerikanische Einrichtungen gewarnt und erklärt, auf solche Attacken mit Härte zu reagieren. Die iranischen Revolutionsgarden haben ihrerseits angekündigt, jede US-Reaktion hart zu kontern. Beide Parteien wollen die Lage zwar nach eigenen Angaben nicht weiter eskalieren, Aggressionen des Gegners aber auch nicht unerwidert lassen.

Nervosität am Ölmarkt

Am gestiegenen Goldpreis und den gesunkenen Aktienkursen lässt sich ablesen, dass Investoren nervös sind und eine weitere Eskalation erwarten. Blackrock-Kapitalmarktstratege Felix Herrmann dagegen hält eine solche Entwicklung für eher unwahrscheinlich. Er verweist auf die US-Präsidentschaftswahlen im September: „Militärische Konflikte kommen bei der Mehrheit des US-Wahlvolks überhaupt nicht gut an“, sagt er. Letztlich bleibe Anlegern aber nichts anderes übrig, als abzuwarten. „Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen kühlen Kopf auf beiden Seiten“, sagt Herrmann.

Auch der sprunghafte Anstieg des Ölpreises dürfte eher der kurzfristigen Nervosität am Markt geschuldet sein als konkreten Vorstellungen davon, wie sich der Konflikt zwischen Washington und Teheran entwickeln wird. Am vergangenen Freitag sprang der Ölpreis vier Prozent in die Höhe, momentan kostet ein Fass der Sorte Brent knapp 70 US-Dollar. Der Grund für die Preisturbulenzen: Iran ist ein wichtiger Öl-Exporteur, auch wenn Sanktionen durch die Vereinigten Staaten die Ölexporte des Landes zuletzt deutlich gebremst haben.

Ölpreis pro Barrel in Dollar für die Nordseesorte Brent


source: tradingeconomics.com

Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten ausländische Ölförderanlagen und Tanker angegriffen. Experten vermuten dahinter den Versuch durch iranische Kräfte, den globalen Ölhandel zu stören und so die Preise in die Höhe zu treiben. Im Zuge des aktuellen Konfliktes könnte es weitere Attacken geben, sagt Saurabh Lele, Rohstoffanalyst bei der Fondsgesellschaft Loomis Sayles. „Wir erwarten einen moderaten Anstieg der Ölpreise, da Investoren eine höhere Risikoprämie verlangen“, erklärt er. Lele geht indes nicht davon aus, dass Iran so drastische Schritte unternehmen wird wie die Straße von Hormus zu schließen, einen der wichtigsten Wasserwege für den Öltransport.

Insgesamt zeigen sich Anlageprofis optimistisch, dass sowohl in Washington als auch in Teheran die Vernunft siegt und der Konflikt nicht weiter eskaliert. Zugleich mahnen sie jedoch zur Vorsicht, weil jeder Tag eine neue Wendung bringen kann. So rät die französische Großbank Société Générale, Öl im Portfolio neutral zu gewichten, um gegen mögliche weitere Turbulenzen abgesichert zu sein.