AnalyseDas bedeutet der Iran-Konflikt für die Wirtschaft

In Teheran kam es zu anti-amerikanischen Demonstrationen nach der Tötung des Generals
In Teheran kam es zu anti-amerikanischen Demonstrationen nach der Tötung des Generalsdpa

Die Spannungen im Iran-Konflikt nehmen weiter zu – und halten damit auch die Wirtschaftswelt in Atem. Während Iran den USA nach der Tötung von Qasem Soleimani, einem der ranghöchsten iranischen Generäle, mit Vergeltung droht, wächst auch die Unsicherheit an den Aktienmärkten.

Zuerst machte sich die neue Eskalation beim Ölpreis bemerkbar: Am Freitagmittag stieg  der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent auf 69,37 US-Dollar. Das ist ein Anstieg um 3 Dollar im Vergleich zum Handelsschluss am Donnerstagabend. Auch der Preis für die US-Sorte WTI kletterte am Vormittag um 3 Dollar auf 63,97 US-Dollar. Die Preise erreichten damit einen neuen Höchststand seit Mai 2019. Den Dax zog die unsichere Konfliktlage zwischenzeitlich um 1,7 Prozent nach unten.

Die Unsicherheit vieler Anleger und Experten sitzt tief, denn noch ist unklar, wie weit die beiden Konfliktparteien bereit sind zu gehen. Capital beantwortet fünf wichtige Fragen zu den wirtschaftlichen Folgen des Konflikts:

Welche Rolle spielt der Iran noch als Öl-Exporteur?

Öl gilt als Irans Haupteinnahmequelle. Rund 4,7 Millionen Barrel pro Tag förderte das Land in 2018. Durch die US-Sanktionen ist allerdings der Verkauf und Transport erschwert. Erst im Mai hatten die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen auf alle Abnehmer iranischen Öls ausgeweitet. Das erklärte Ziel: Alle Ölexporte „auf Null“ bringen. Noch verdient Iran am Öl-Export, allerdings sind die Liefereinschnitte deutlich spürbar. Lag die Öl-Ausfuhr vor den US-Sanktionen im April 2018 noch bei rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag, belief sich der Lieferumfang im Mai 2019 auf 400.000 Barrel pro Tag. Zu den Abnehmern des iranischen Öls gehören China, Indien, die Türkei, Japan und Südkorea.

Welche Folgen kann die Eskalation für die Weltwirtschaft haben?

Genau das hängt stark davon ab, wie sich die USA und Iran jetzt verhalten. Beide Seiten haben bereits gezeigt, dass sie mit harten Bandagen kämpfen können: Der Iran hatte in 2019 mehrfach ausländische Öltanker festgesetzt. Auch bei den Angriffen auf Tanker im Golf von Oman im Mai und auf saudi-arabische Ölanlagen im September halten sich die Vorwürfe einer iranischen Einmischung. Konkrete Beweise fehlen bislang. Dennoch wächst die Sorge, der Iran könnte mit gezielten Aktionen den weltweiten Öl-Transport oder die Ölförderung in Nachbarländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Irak beeinträchtigen. Eine solche Einmischung würde den Ölpreis nach oben treiben und könnte sich auf abhängige Branchen wie Transport und Energieversorgung auswirken.

Welchen Einfluss haben dagegen die USA?

Die Vereinigten Staaten könnten ihre Sanktionen auf weitere Branchen und Sektoren ausweiten. Erst im November hatten die USA die Strafmaßnahmen auf das iranische Baugewerbe und den Handel mit wichtigen Rohstoffen für die Branche ausgeweitet.  Die damit verbundenen Handelsverbote für den amerikanischen Markt sind vielen Firmen zu riskant. Neue Sanktionen könnten daher auch die letzten bestehenden Handelsbeziehungen zum Iran nochmals erschweren und zugunsten internationaler Konkurrenten verschieben. In der Ölbranche haben sich ehemalige Kunden bereits nach Alternativen zu iranischem Öl umgesehen, darunter Italien und Griechenland. Und auch China, das mit 360.000 Barrel pro Tag als Hauptkunde des iranischen Öls gilt, ist durch seinen eigenen Handelsstreits mit den USA bereits angeschlagen. Eine Verschärfung der Sanktionen dürfte angesichts der Aussicht auf Entspannung im amerikanisch-chinesischen Verhältnis kaum in Pekings Interesse sein.

Wie stark ist Iran angesichts der Wirtschaftskrise überhaupt?

Zwar zeigt sich die Regierung in Teheran gern unbeeindruckt von den amerikanischen Sanktionen. Der Wirtschaft haben die Strafmaßnahmen allerdings erheblich zugesetzt. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die iranische Wirtschaft in 2019 um 9,5 Prozent schrumpfen wird. Der iranische Rial ist mittlerweile nur noch die Hälfte wert, die Lebensmittelpreise haben sich dagegen spürbar erhöht. Die schrumpfenden Einnahmen aus dem Ölverkauf treffen auch den iranischen Staatshaushalt empfindlich. Zuletzt musste die Regierung in Teheran die staatlichen Subventionen auf Benzin erheblich kürzen und den Treibstoff rationieren. Die darauffolgenden Massenproteste schlug das Regime gewaltsam nieder.

Seitdem brodelt es unter der Oberfläche. Mit weiteren Sparmaßnahmen und den Einnahmen aus den erhöhten Benzinpreisen will Teheran schließlich die öffentlichen Ausgaben für 2020 finanzieren. Außerdem soll ein russischer Kredit von umgerechnet 4,5 Mrd. Euro Abhilfe schaffen. Eine militärische Eskalation des Konflikts könnte allerdings erneut ein Loch in den ohnehin schon angespannten Staatshaushalt reißen – und die Wut der eigenen Bevölkerung auf das Regime erneut anfachen.

Was bedeutet eine Eskalation für die iranischen Handelsbeziehungen?

Allein die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen haben sich unter den US-Sanktionen spürbar verändert. So ging das Handelsvolumen im ersten Quartal von 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 529 Mio. Euro und damit um knapp die Hälfte zurück. Auch die deutschen Exporte nach Iran fielen um 49 Prozent auf einen Gesamtwert von 450 Mio. Euro zurück. Die Importe nach Deutschland sind dagegen um 39 Prozent auf 80 Mio. Euro gesunken. Und auch die Anzahl deutscher Firmen, die im Iran aktiv sind, habe sich von 120 auf 60 halbiert.

Zwar sollte die im Januar 2019 gegründete europäische Gesellschaft Instex den Handel mit dem Iran trotz US-Sanktionen stärken. Bislang bleibt Instex aber ohne großen Erfolg. Auch die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten sind seit der Verschärfung der US-Sanktionen spürbar abgekühlt. Gleichzeitig erhöhen innenpolitische Unruhen und militärische Gefechte in der Region das Risiko für ausländische Firmen. Die Handelsbeziehungen mit dem Iran dürften bei einer Eskalation des Konflikts daher noch stärker in Mitleidenschaft gezogen werden.