KolumneWas deutsche Sparer und Jogi Löw gemeinsam haben

Bundestrainer Joachim Löw während des verlorenen Achtelfinalspiels gegen EnglandIMAGO / Sven Simon

Die deutsche Nationalmannschaft und der deutsche Sparer haben etwas gemeinsam. Wer immer mutlos und defensiv agiert, kann nichts holen und fällt international zurück. Weil man Veränderungen nicht wahrhaben will. Der Moment des deutschen Sparers beim Achtelfinale gegen England war die Einwechslung von Emre Can. Hoffte Joachim Löw auf ein Fernschusstor Cans oder wollte er lieber knapp verlieren, statt am Ende volles Risiko zu gehen? Es darf spekuliert werden.

Sinnvoll jedenfalls erschien in den letzten Jahren so manches nicht mehr, mutlos dagegen schon. Wie mancher Sparer agierte der gealterte Bundestrainer mit Alibis, warum sonst wechselte er Offensivkraft Musiala in der 90. Minute beim Stand von 0:2 ein?

Analogien einer Ära

Wo liegen nun die Parallelen zwischen Nationalelf und Geldanlage? Im Fußball hat sich in den letzten sieben Jahren die Taktik geändert, vor allem aber auch die Einstellungen der Mannschaften. Mit Ballgeschiebe und Ballbesitzfußball nach spanischer Art ist heute wenig zu holen. Mut, Engagement und Risikobereitschaft sind gefragt.

Passend dazu hat sich spätestens seit 2014 auch das Spielfeld für Sparer verändert. Früher konnte man mit wenigen Prozenten an Zinsen und Stabilität im Depot sein Vermögen konservieren. Nicht mehr, aber die Inflation war gering und deutsche Sparer konnten sich damit trösten, dass schon ein oder zwei Prozent Rendite auf dem Sparbuch das Vermögen zumindest wahrten. Wie der Bundestrainer haben aber auch viele Deutsche den Absprung verpasst, zu lange an der alten Taktik des „Sparens“ festgehalten.

Fußball und Finanzen – alles verändert seit 2004

Diese Defensivhaltung wird schon seit Jahren bestraft, 2021 jedoch kumuliert es sich. Die Inflation rennt, Banken erheben negative Zinsen wie zuletzt ING Diba ab 50.000 Euro und Gebühren tun ihr Übriges, dass Sparer jedes Jahr drei bis fünf Prozent ihres Vermögens verlieren. Aus 100.000 Euro werden in zehn Jahren dann kaufkraftbereinigt schnell mal 70.000 Euro. Ein hoher Preis für eine alte Taktik, denn die Konten deutscher Sparer sind randvoll mit Bargeld wie jüngste Erhebungen zeigen.

Angela Merkel stand ebenso wie Olaf Scholz für die schwarze Null, beiden Akteuren wohnt so viel Kreativität und Veränderungsgeist inne wie Joachim Löw. Sparer sollten endlich ihren Fehler beheben und anerkennen, dass die US-Notenbank und die EZB die Taktik verändert haben. Offensive lautet spätestens seit der Corona-Krise die Devise. Heißt – Inflation wird nicht nur geduldet, sie wird sogar erwünscht. Bargeld auf der Bank ist unerwünscht, es wird bestraft. Wer aktuell sein Geld noch bei Volksbanken oder Sparkassen auf dem Konto hat, verpasst die Änderung der Spielregeln und der Akteure.

Anleger müssen daher die Gemütlichkeit der Ära Merkel und Löw ablegen. Merkel trat ihr Amt 2005 an, Löw im Grunde schon 2004 unter Kurzzeit-Chef Jürgen Klinsmann. In den letzten 17 Jahren hat sich die Finanzwelt so verändert, dass man sein Depot intelligent und bezogen auf Nullzinsen aufstellen muss. 2004 gab es für die zehnjährige Bundesanleihe noch vier Prozent Rendite, gegenwärtig sind es exakt 0,00 Prozent. Anleger sollten schlau und mit guter Taktik in die Anlageoffensive gehen und ihre Finanzen in die eigene Hand nehmen. Damit dem Depot verlorene Jahre erspart bleiben.

 


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