AktienWas Abspaltungen für Aktionäre bedeuten

Beim Börsengang hatte der damalige Osram-Chef Wolfgang Dehen noch gut lachen: 24 Euro lautete die Erstnotiz. Viel mehr ist die Aktie der Siemens-Abspaltung heute auch nicht wert
Beim Börsengang hatte der damalige Osram-Chef Wolfgang Dehen noch gut lachen: 24 Euro lautete die Erstnotiz. Viel mehr ist die Aktie der Siemens-Abspaltung heute auch nicht wertdpa

Siemens war einmal ein bunt gemischter Konzern. Von Mobiltelefonen über Glühbirnen bis hin zu Halbleitern war alles einmal Teil des Unternehmens. Vieles davon gehört inzwischen nicht mehr dazu – und nun will Siemens auch noch die Energiesparte loswerden. Zusammen mit dem Mehrheitsanteil an dem Windradhersteller Siemens Gamesa soll die Energiesparte in eine neue Gesellschaft übergehen. Unter dem Arbeitstitel „Powerhouse“ fasst der Technikkonzern die geplante Abspaltung zusammen. Bis zum September 2020 soll die neue Siemens-Tochter an die Börse gehen.

Die Langzeit-Anleger von Siemens sind bereits einiges gewohnt. Bei jeder Abspaltung hat Siemens ihnen durch die Umstrukturierung ungefragt neue Anteilsscheine ins Depot gespült. In der Regel bekommen langjährige Aktionäre als Ausgleich Gratisanteile am neuen abgespalteten Unternehmen oder zumindest das Recht, diese zu kaufen. Möchte ein Aktionär sein Kaufrecht nicht nutzen, kann er es alternativ an der Börse verkaufen.

Thyssenkrupp: missglückte Aufspaltung

Auch der Essener Stahlkonzern Thyssenkrupp will sich neu ausrichten. Im vergangenen Jahr hatte der Vorstand eine Aufspaltung in zwei Teile anvisiert – einen technologisierten und einen werkstoffnahen. Der Plan kam bei den Anlegern jedoch nicht gut an. Der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie ist innerhalb eines Jahres um rund 40 Prozent gesunken. Dieses Chaos war auch Aufsichtsratsmitglied Hans-Peter Keitel zu viel, wie er nach seinem Rücktritt im Januar sagte. Sein Nachfolger kennt sich mit Abspaltungen aus: Siegfried Russwurm war neun Jahre lang im Siemens-Vorstand und soll nun zu Thyssenkrupp wechseln, wie der Stahlkonzern im April mitteilte.

Im Mai folgte die nächste Meldung: Die Aufspaltung in zwei Unternehmen ist vom Tisch. Stattdessen soll lediglich die Aufzugssparte vom Konzern getrennt werden – sehr zur Freude der Aktionäre. Denn mit den Aufzügen fährt Thyssenkrupp Gewinne ein. Analysten schätzen den Wert der Sparte auf bis zu 15 Mrd. Euro. Der gesamte Konzern ist an der Börse lediglich mit 7,48 Mrd. Euro bewertet. Der Börsengang der Aufzugssparte könnte sich für alte Aktionäre somit auszahlen. Was die Abspaltung einer gewinnträchtigen Sparte allerdings für den Wert des Konzerns bedeutet, bleibt ungewiss.

Infineon und Osram: herbe Verluste für Aktionäre

Aktionäre des Halbleiterherstellers Infineon hatten durch die Abspaltung weniger zu lachen. Nach der Trennung von Siemens vor rund 20 Jahren wurden die Aktien des Unternehmens per Losverfahren verteilt, so groß war die Nachfrage. Zwölf Jahre später rutschte die Infineon-Aktie unter die Marke von einem Euro – für Langzeitaktionäre ein herber Verlust. Ähnlich lief es bei der Abspaltung der Lampensparte des Glühbirnenherstellers Osram. Wer an den hinzugewonnenen Anteilen festgehalten hat, konnte bis zum Jahr 2018 zwar eine lukrative Rendite erwirtschaften. Der Aktienpreis hat sich in den viereinhalb Jahren fast verdreifacht. Mittlerweile ist die Aktie jedoch nur noch rund 28 Euro wert – fast so viel beim Börsenstart im Jahr 2013.

Osram Licht Aktie

Osram Licht Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Rund um einen Abspaltungsprozess müssen sich Anleger also in der Regel auf starke Schwankungen einstellen. Aktionäre sollten sich klar machen, warum ein Teil des Unternehmens abgestoßen wird. Oft nutzen Unternehmen Abspaltungen, um sich von wenig lukrativen Sparten zu trennen, in anderen Fällen passt die Ausrichtung des Konzerns einfach nicht mehr zu spezifischen Produkten.