Versicherung Warum Unfallversicherungen meist überflüssig sind

Unfälle passieren schneller als gedacht. Eine Unfallversicherung hilft im Ernstfall aber trotzdem nicht immer
Unfälle passieren schneller als gedacht. Eine Unfallversicherung hilft im Ernstfall aber trotzdem nicht immer
© rawpixel bei Unsplash
Ständig passieren Unfälle – gut, dass es Unfallversicherungen gibt. Das scheinen sich viele Deutsche zu denken. Oft würden die Policen aber im Ernstfall gar nicht greifen.

Ein Unfall kann innerhalb von Sekunden alles ändern. Die Angst davor scheint viele Deutsche zu beschäftigen. Immerhin haben über 40 Prozent der Haushalte in Deutschland eine private Unfallversicherung abgeschlossen. Das zeigt eine Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) .

Tatsächlich verletzen sich jährlich rund sieben Mio. Deutsche bei Unfällen im Haushalt oder in der Freizeit, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erhoben. Die wenigsten Unfälle enden aber in einer schweren Behinderung – und genau diesen Fall deckt eine Unfallversicherung ab.

Der Versicherer zahlt nicht bei einem gebrochenen Bein oder einem verstauchten Handgelenk, sondern nur bei bleibenden Schäden. Je nach Grad der Behinderung bekommen Versicherungsnehmer dann die gesamte Versicherungssumme ausbezahlt oder nur einen Teil. Der Ernstfall kommt nur selten vor: Gerade einmal 1,1 Prozent der als schwerbehindert anerkannten Menschen in Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt durch einen Unfall in Freizeit oder Haushalt in diese Lage gekommen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Unfallversicherung lohnt, ist also verschwindend gering. Überdies sind Arbeitsunfälle, also Unfälle bei der Arbeit und auf dem Weg dorthin, bereits durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt.

Eine Unfallversicherung lohnt sich nur für Menschen, die in ihrer Freizeit einem besonders hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt sind –zum Beispiel Sportvernarrte und Adrenalinjunkies. Doch Vorsicht: Je nachdem, wie gefährlich das Hobby ist, schließen Unfallversicherer dieses von der Police aus. Wer sich also absichern möchte, sollte in den Vertragsbedingungen nachschauen, ob beziehungsweise unter welchen Umständen er im Ernstfall tatsächlich Versicherungsschutz genießt.

Ob der Versicherer zahlt, hängt zudem stark von den Umständen des Unfalls ab. Geld gibt es nur, wenn Versicherte durch ein plötzlich von außen einwirkendes Ereignis einen dauerhaften Gesundheitsschaden erleiden. Diese bürokratische Formulierung bedeutet:

Gesundheitsschäden aufgrund von Krankheit sind nicht versichert

Damit die Unfallversicherung zahlt, muss auch ein Unfall passiert sein. Das heißt im Klartext: Der körperliche Schaden muss auf ein konkretes Ereignis, den Unfall, zurückzuführen sein. Schleichende Verschlechterungen in Folge einer Krankheit sind durch eine Unfallpolice nicht versichert.

Sie sind aber in 92 Prozent der Fälle schuld an einer Berufsunfähigkeit . Nur rund acht Prozent der Berufsunfähigen sind durch einen Unfall in diese Lage geraten, wie die Ratingagentur Morgen & Morgen ausgewertet hat. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für diesen Fall die schlauere Variante. Der Versicherer zahlt dann nämlich eine monatliche Rente. Eine Unfallversicherung hingegen zahlt einmalig nach dem Unfall. Versicherte können das Geld zum Beispiel für teure Therapien oder behindertengerechte Umbauten nutzen, nicht aber langfristig davon leben.

Unfälle müssen eine externe Ursache haben

Wer stolpert oder auf einer Treppe stürzt, bekommt kein Geld von der Unfallversicherung. Denn laut Definition der Versicherer muss eine Kraft von außen einwirken, damit der Vorfall als Unfall zählt. Stolpert der Versicherte über eine lose Bodenplatte oder rutscht auf einer nassen Treppe aus, gilt dies als Unfall. War er dabei betrunken, zahlt die Versicherung wiederum in der Regel nicht. Je nach Versicherer sind auch Unfallursachen wie Schlaganfälle oder Krampfanfälle nicht abgedeckt.

Geld gibt es nur, wenn der Gesundheitsschaden dauerhaft ist

Der Unfall ist nochmal glimpflich ausgegangen und der Versicherte hat sich nur das Bein gebrochen. Nach ein paar Wochen ist alles wieder beim Alten – und damit hat die Versicherung keinen Grund, zu zahlen. Viele Versicherungen zahlen erst, wenn ein Arzt bescheinigt, dass der körperliche Schaden mindestens drei Jahre lang anhält und keine Besserung in Sicht ist.

Wer zum Beispiel ein Jahr ausfällt, weil nach dem Beinbruch noch eine Reha notwendig ist, wäre mit einer Krankentagegeldversicherung bessergestellt. Diese gleicht den Verdienstausfall in der Zeit aus. Wer nicht gerade einem sehr riskanten Hobby mit hohem Verletzungsrisiko nachgeht, kann also getrost auf eine private Unfallversicherung verzichten.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel