HeimarbeitVersicherungsschutz im Homeoffice: Das muss man jetzt wissen

Symbolbild Homeoffice
Symbolbild HomeofficeGetty Images

Wegen der Corona-Krise wurde Homeoffice für viele Beschäftigte und Unternehmen schlagartig von der Ausnahme zur Regel. Da war der Versicherungsschutz für Firmen und Beschäftigte das kleinste ihrer Probleme. Doch Arbeitnehmer, die jetzt von zu Hause aus arbeiten, sollten sich gut mit ihrer rechtlichen Situation auseinandersetzen. Denn das Homeoffice ist in rechtlicher Sicht immer noch ein Ausnahmefall.

Grundsätzlich gilt eigentlich die Maxime: Arbeitnehmer sind auf dem Weg zur und von der Arbeit sowie bei der Ausübung ihres Berufs gesetzlich unfallversichert. Im Homeoffice aber verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Privatleben. Betroffene mögen keinen Unterschied darin sehen, ob sie sich im Büro oder daheim einen Kaffee holen. Für Juristen aber kann das im Falle eines Unfalls den Ausschlag geben, ob der Betroffene versichert war oder nicht.

Arbeitsunfall im Homeoffice

Die entscheidende Frage lautet im Homeoffice immer: War die Tätigkeit, bei der sich der Unfall ereignet hat, unmittelbar mit der Berufsausübung verbunden? Das führt dazu, dass Beschäftigte in der Heimarbeit ständig unbemerkt zwischen dem Zustand „privat“ und „beruflich“ wechseln. „Wer sich im Homeoffice etwas zu essen oder zu trinken holt und dabei stürzt, ist nicht versichert“, informiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Er verweist auf ein Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2016 (Aktenzeichen B 2 U 5/15 R). Das habe das Holen eines Getränks als „eigenwirtschaftliche Tätigkeit“ eingestuft, für die kein Versicherungsschutz bestehe. Laut Bundessozialgericht könne man den Arbeitgeber nicht für die Risiken in der privaten Wohnung des Arbeitnehmers verantwortlich machen, erklärte der GDV das Urteil.

Schlecht sieht es auch bei anderen grundlegenden Bedürfnissen aus. „Im Büro ist der Weg zur Toilette gesetzlich unfallversichert. Im Homeoffice gilt diese Regel nicht. So sieht es jedenfalls das Sozialgericht München“, berichtete der GDV (Az: S 40 U 227/18). Auch der Sturz auf dem Weg von der Kita zum Homeoffice sei im Gegensatz zum Weg von der Kita ins Büro laut Bundessozialgericht nicht versichert. Die Versicherer fassen es so zusammen: „Wer im Homeoffice etwas tut, was nicht in direktem Zusammenhang zu seiner Arbeit steht, ist nicht gesetzlich unfallversichert.“

Sturz im Homeoffice selten versichert

Beschäftigte müssen also fast schon „Glück“ haben, wenn sie bei einem Unfall einen unmittelbaren Arbeitsauftrag nachweisen können. Auf einen solchen Fall weist der DGB Rechtsschutz hin. Eine Angestellte war auf der Treppe zu ihrem Homeoffice im Keller gestürzt und hatte sich Verletzungen im Wirbelsäulenbereich zugezogen. Das Bundessozialgericht entschied, dass es sich hierbei um einen Arbeitsunfall handelte. Denn das Homeoffice war im Arbeitsvertrag vereinbart und die Klägerin war auf dem Weg zu einem weisungsgemäßen Telefonat mit ihrem Geschäftsführer gestürzt.

„Der Weg zum Homeoffice, von wo aus das Telefongespräch geführt werden sollte, fällt somit unter den gesetzlichen Versicherungsschutz“, informierte der DGB Rechtsschutz. Er begrüßte das Urteil (Az: B 2 U 28/17 R) und wertete es als Zeichen, dass die bisher recht restriktive Rechtsprechung zum Unfallschutz im Homeoffice gelockert werden könnte.

 


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