VersicherungenWie sich die Axa bei der Unfall-Kombirente verrechnet hat

Mit ihrer Kalkulation für die Unfall-Kombirente lag die Axa 2006 daneben
Mit ihrer Kalkulation für die Unfall-Kombirente lag die Axa 2006 danebendpa

Das Anschreiben der Dortmunder Versicherungsagentur kam im Mai lapidar daher. Betreff: Umwandlung Ihrer Unfall-Kombirente. Der Kunde möge die beiliegende Umstellungsmöglichkeit prüfen und den Antrag per Post zurücksenden – vielen Dank und einen schönen Tag noch.

Das eigentliche Anliegen der Axa fand sich erst auf Seite zwei. Weil die Kosten im besagten Tarif Jahr für Jahr stiegen, könne man das „Leistungsversprechen nicht mehr aufrechterhalten“. Es gebe zwei Möglichkeiten: Entweder der Kunde stelle seinen Schutz auf die hauseigene Existenzschutzpolice um – oder ihm werde gekündigt. Anders formuliert: Die Axa hat sich verkalkuliert, und ihre Kunden sollen nun sehen, wo sie bleiben. Und tschüss.

Für die 17.500 Versicherten, die von der Kündigung bedroht sind, ist die Abwicklung der Unfall-Kombirente bitter. Mit den Verträgen, die von 2006 bis 2010 verkauft wurden, sicherten sie sich für den Fall der Invalidität eine lebenslange Rente – also einen auf Jahrzehnte angelegten Existenzschutz, den sie anderswo nun womöglich nicht mehr bekommen. Das Umstellungsangebot der Axa bietet keine lebenslange Zahlung und auch insgesamt ein schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein ernstes Problem

Der Sanierungskurs des Kölner Versicherungsriesen wirft ein Schlaglicht auf eine ganze Produktgruppe – und auf ein ernstes Problem. Auch andere Anbieter verkaufen seit zehn Jahren sogenannte funktionelle Invaliditätspolicen, die oft als Absicherung angeboten werden, wenn Kunden keine Berufsunfähigkeitspolice bekommen oder bezahlen können. Sie bieten allerdings nur einen reduzierten Schutz, zum Beispiel nach einem Unfall, bei dauerhaften Organschäden oder Krankheiten wie Krebs. Die Krux: Ein großer Teil der Tarife ist als Unfallversicherung konzipiert und kann deshalb vom Anbieter gekündigt werden. „Das ist ein reales Risiko für Kunden – und alles andere als verbraucherfreundlich“, urteilt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Ein Rauswurf ist in Fällen wie bei Axa zwar formal rechtens. Doch der Kunde muss laut Grieble zumindest von Anfang an darüber aufgeklärt werden, worauf er sich da einlässt. Nach seiner Erfahrung fällt das Thema im Verkaufsgespräch aber regelmäßig unter den Tisch – zu schlecht fürs Geschäft.

Die Axa versucht sich nun erst einmal in Schadensbegrenzung. Man argumentiert, dass manche Versicherte nicht von der Kündigungsaktion betroffen seien – darunter knapp 1500 ältere Kunden ab 58 Jahren sowie alle, die bereits Leistungen beziehen. „Vollständig ausgenommen“ seien zudem 2000 Unfallrenten mit Beitragsrückgewähr – bei denen der Kölner Versicherer allerdings auch gar kein Kündigungsrecht hat.

Die Mehrheit der Kunden wird jedoch hinauskomplimentiert oder in die hauseigene Existenzschutzpolice umgebettet – laut Axa zu vergünstigten Konditionen und ohne Gesundheitsprüfung. „Das ist ja wohl auch das Mindeste“, urteilt Verbraucherschützer Grieble.

Wer sich zu einem hausinternen Umstieg entschließt, verliert einiges. Versprach die Axa ursprünglich, ihr innovatives Konzept biete „beruhigende Sicherheit“, so sollen die Versicherten nun auf wichtige Leistungen verzichten – vor allem auf die lebenslange Rente. Denn beim neuen Existenzschutz wird nur bis zum Alter von 67 Jahren gezahlt, im häufigen Fall einer Krebserkrankung maximal noch fünf Jahre lang. Zugleich steigt der Beitrag bei einer Monatsrente von 1000 Euro deutlich, teils von 20 auf 30 Euro im Monat – ein Prämienplus von 50 Prozent.