VorsorgeBerufsunfähigkeit: Worauf es bei der Versicherung ankommt

Berufsunfähigkeit: So können Sie sich mit einer Versicherung für den Ernstfall absichern
Jeder vierte Deutsche setzt auf eine BerufsunfähigkeitsversicherungPixabay

Ein Arbeitsunfall in der Fabrik, ein Hexenschuss oder ein Burnout: Es gibt viele Fälle, die ein Weiterarbeiten im Job unmöglich machen. Jeder vierte Deutsche baut deshalb auf den Schutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung, zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem vergangenen Jahr. Doch in welchen Fällen lohnt sich der Abschluss – und wann zahlt der Arbeitnehmer drauf?

Regelung der Erwerbsminderungsrente

Jeder gesetzlich rentenversicherte Arbeitnehmer hat Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Dafür muss der Beschäftigte ein ärztliches Gutachten vorlegen. Kann ein Arbeitnehmer nur noch drei bis sechs Stunden am Tag arbeiten, gilt er als teilweise erwerbsgemindert und erhält die halbe Rente. Kann er nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten, hat der Beschäftigte Anspruch auf die volle Rente.

Jemand, der zuvor unter 2.000 Euro brutto verdient hat, hätte in diesem Fall Anspruch auf circa 700 Euro Rente, rechnet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vor. Gilt der Arbeitnehmer als „teilweise erwerbsgemindert“ wären es entsprechend nur die Hälfte, also 350 Euro.

„Die Höhe der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente reicht oft nicht zum Leben“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW. Zudem müssen Arbeitnehmer bereits fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Und: Die Erwerbsminderungsrente sichert Arbeitnehmer nur dann ab, wenn sie gar nicht mehr arbeiten können. Ein Fliesenleger, der seinem Beruf nicht mehr nachgehen, aber noch als Nachtwächter arbeiten könnte, geht leer aus.

Versicherung als Zusatzschutz bei Berufsunfähigkeit

Das ist bei der Berufsunfähigkeitsversicherung anders. Sie versichert den Beruf, dem der Arbeitnehmer zuletzt nachgegangen ist, bevor er erkrankte. Wer seinen Beruf nur noch zu 50 Prozent oder weniger ausüben kann, gilt bei der Versicherung als berufsunfähig. Die Höhe der Rente kann der Versicherte bis zu einer Obergrenze individuell festlegen.

„Die meisten Versicherer erlauben nicht mehr als zwei Drittel oder drei Viertel des Nettoverdienstes“, sagt Weidenbach. Was viele nicht wissen: Arbeitnehmer können die Leistungen aus der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung und die gesetzliche Erwerbsminderungsrente gleichzeitig erhalten – ohne Kürzungen.

So schließen Sie die Versicherung richtig ab

Dennoch müssen Berufstätige beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung einiges beachten. Zum Beispiel ist es wichtig, beim Gesundheitscheck vorab keine Krankheiten zu verheimlichen. „Vielen passiert das unbewusst“, erklärt Weidenbach. Darum sollten Arbeitnehmer die Krankenkasse oder den Hausarzt um ihre Krankenakte bitten oder sich ausführlich von einem Arzt beraten lassen.

Denn: Wird der Versicherte wegen einer Vorerkrankung berufsunfähig, die er verheimlicht hat, zahlt die Versicherung nicht. Manche Erkrankungen schließen Versicherer ganz aus. So zum Beispiel Allergien oder einen Tinnitus. Rheumatiker oder Menschen mit einer depressiven Störung werden in der Regel ganz abgelehnt.

Raucher oder Antragsteller, die in ihrer Freizeit Eishockey spielen oder Gewichte heben, müssen einen Zuschlag zahlen. Als gefährlich eingestufte Berufsgruppen wie Briefträger, Altenpfleger oder LKW-Fahrer müssen ebenfalls mit Nachteilen rechnen: Häufig zahlen sie hohe Aufschläge oder werden nur bis zum 55. Lebensjahr versichert. Für Berufstätige in Schreibtischjobs sind die Beiträge dagegen deutlich geringer.

Umso jünger man in die Berufsunfähigkeitsversicherung einsteigt, desto günstiger ist der monatliche Beitrag. Darum rät Expertin Weidenbach, sich möglichst früh darum zu bemühen und Versicherungen möglichst gründlich zu vergleichen. „Die Konditionen können stark variieren. Lassen Sie sich viele verschiedene Angebote zeigen.“

Noch ein Tipp: Stellen Sie die Anträge an mehrere Versicherungen gleichzeitig. Denn wer bereits von einem Anbieter abgelehnt wurde, hat kaum eine Chance woanders noch genommen zu werden.