Vorsorge Berufsunfähigkeitsversicherung: Am besten in jungen Jahren abschließen

Eine deprimierte Frau hält ihren Kopf, während sie zu Hause sitzt
Psychische Erkrankungen sind eine häufige Ursache für Berufsunfähigkeit
Berufsunfähigkeit kann jeden treffen, unabhängig von Beruf und Alter. Für die Absicherung gilt das Credo: Je früher, desto besser. Denn grade junge Menschen bekommen in der Regel gute und günstige Policen

Berufsunfähigkeit (kurz: BU) kann für Betroffene gravierende finanzielle Folgen mit sich bringen. Wer sich gegen den finanziellen Engpass absichern möchte, schließt deshalb eine BU-Versicherung ab. Sollte der Versicherte aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr in der Lage sein, in seinem zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent tätig zu sein, gilt er als berufsunfähig. Der Versicherer zahlt in diesem Fall eine zuvor festgelegte Rente. Einen Schüler gegen BU abzusichern, klingt erst einmal unsinnig. Doch eine möglichst frühzeitige Absicherung kann sich lohnen.

Laut einer Analyse der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) wird jeder vierte Deutsche in seinem Arbeitsleben einmal berufsunfähig. Das betrifft sämtliche Berufsgruppen, ganz egal, ob Monteur oder Jurist. Die häufigsten Gründe sind psychische Erkrankungen (29 Prozent), gefolgt von Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates (jeweils rund 19 Prozent). „Die Zahlen verdeutlichen, wie wichtig eine BU-Police ist“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Am besten schließen junge Menschen schon zu Beginn eines Studiums, einer Ausbildung oder sogar als Schüler eine BU-Versicherung ab.“ 

Das gilt für junge Menschen umso mehr, da sie in der Regel kaum über nennenswerte finanzielle Mittel verfügen. Staatliche Hilfen wie eine Erwerbsminderungsrente erhalten Berufstätige erst dann, wenn sie zumindest drei Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Junge Erwachsene tun dies aber häufig erst im Anschluss an ihr Studium oder ihre Ausbildung. „Das macht die private Absicherung über eine BU-Police noch wichtiger“, sagt die Expertin.

Beitragshöhe richtet sich nach dem Alter des Versicherten

Darüber hinaus fällt die durchschnittliche BU-Rente mit nur 400 Euro pro Monat äußerst mager aus. Das reicht in der Regel nicht, um den Versicherten finanziell abzusichern. Weidenbach empfiehlt mindestens 1000 bis 1500 Euro monatlich. Und wer seinen Schutz aufgrund von veränderten Lebensbedingungen später einmal verbessern möchte, achtet im Vertrag auf sogenannte Nachversicherungsgarantien. Sie bieten die Möglichkeit, bei besonderen Ereignissen wie Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf die Rentenhöhe ohne erneute Gesundheits- und Risikoprüfung aufzubessern.

Je früher eine BU abgeschlossen wird, desto geringer fallen die dafür notwendigen Beitragszahlungen aus. Die monatliche Beitragshöhe richtet sich bei Neuabschluss nach dem Alter des Versicherungsnehmers, dessen Gesundheitszustand und weiteren Risikofaktoren wie etwa Beruf oder Hobbys. Je risikoreicher der Versicherer den Kunden einstuft, desto teurer wird es. Der Vorteil für junge Menschen: Sie haben vergleichsweise wenig Risikofaktoren. „Grade junge Menschen bekommen deshalb häufig sehr gute und günstige Tarife“, sagt Weidenbach.  

Ein früher Gesundheits-Check durch einen BU-Versicherer hat noch weitere Vorteile: Verändert sich der gesundheitliche Zustand über das weitere Arbeitsleben, ist der BU-Schutz bereits aktiv. Wer hingegen mit einer bestehenden Krankheit um eine Police ansucht, geht im schlimmsten Fall leer aus. Das gilt auch für risikoreiche Hobbys: Wer erst nach Vertragsabschluss mit dem Motorradfahren beginnt, muss das seinem BU-Versicherer nicht nachmelden. „Obwohl sich also die individuellen Risikofaktoren für eine Berufsunfähigkeit erhöhen, bleibt der Schutz zu den gleichen Konditionen bestehen“, erklärt Weidenbach.

Tarife mit Beitrags- und Leistungsdynamiken

Die Versicherer definieren für nahezu alle Berufe Risikogruppen. Dabei gilt: Je körperlich anstrengender die Tätigkeit, etwa im Handwerk oder in der Kranken- und Altenpflege, umso riskanter und teurer. Wer bereits im Schulalter eine entsprechende Police abschließt, achtet darauf, dass der Versicherer keine weitere Risiko- oder Gesundheitsprüfung mit dem Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums durchführt. So profitiert der Versicherte über die gesamte Vertragsdauer hinweg von deutlich günstigeren Beitragszahlungen. Ab wann ein Schüler als berufsunfähig gilt, darüber sollten sich Eltern bei ihrem jeweiligen Versicherer informieren.

Was aber, wenn man die Schule bereits verlassen hat und der Traumberuf noch nicht feststeht? Das gilt beispielsweise für Studierende, die oftmals eine breite Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Berufen haben. Hier ist es empfehlenswert, dennoch einen konkreten Zielberuf auszuwählen und in den BU-Vertrag mit aufzunehmen. Dieser ist für den Versicherer im BU-Fall noch während des Studiums ausschlaggebend.

Zu guter Letzt sollten alle BU-Versicherte bei Vertragsabschluss auf zwei wichtige Punkte achten: Erstens, dass die Police bis zum Altersruhestand läuft, also bis zum 67. Lebensjahr. Und zweitens sind Tarife mit Beitrags- und Leistungsdynamiken empfehlenswert. Damit erhöhen sich Beiträge und Leistungen um jährlich rund zwei Prozent und wirken so der Inflation entgegen.


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