AltersvorsorgeEin Plan für die Rente, der jedem hilft

Rentner in Deutschland
Rentner in Deutschlanddpa

Gute Nachrichten scheinen allgemein recht rar zu sein, oder sehr schwierig zu produzieren. Jedenfalls liest man sie selten. Und noch seltener kommen sie aus einem Bereich: aus dem Bereich der Altersvorsorge. Die Rente ist eines dieser Themen, das bei rund Zweidrittel der Bevölkerung große Angst verbreiten – die Angst nämlich, dass die eigene Rente nicht reicht. Deshalb ist sie auch etwas, vor dem viele Bürger regelmäßig zurückschrecken – dann nämlich, wenn sie hören, wie viel Geld sie eigentlich sparen müssten, damit ihnen genau diese Altersarmut nicht passiert. Und wer sich trotz solcher Meldungen bisher nicht hat entmutigen lassen, dem wird spätestens Angst und Bange, wenn die Politiker wieder neue Rentenideen entwickeln – wie Jens Spahn, der alle Kinderlosen zu höheren Beiträgen verdonnern will. Vermutlich, damit sie sich das Zusatzsparen, um der drohenden Altersarmut zu entkommen, bald nicht mehr leisten können. Und jetzt das: Die Rente steigt. Und die Planung für den Ruhestand ist eigentlich ganz leicht. Man muss dabei nur drei Faustformeln beachten. Das waren zwei Meldungen der vergangenen Tage, die aufhorchen ließen. Endlich einmal gute Nachrichten also?

Für manche schon. Für die jetzigen Rentner nämlich, ihre Rentenbezüge werden ab dem kommenden Jahr um drei Prozent angehoben, so hat es die Bundesregierung beschlossen. Aus einer bundesdeutschen Durchschnittsrente von 1000 Euro werden also ab 2019 rund 1030 Euro. Das ist keine üppige Verbesserung, aber immerhin genug, um die monatlichen Stromkosten eines Einpersonenhaushalts von den Mehreinnahmen zu decken. Woher das Geld kommt? Die Einnahmen der gesetzlichen Rentenkasse sind angesichts der guten Beschäftigungs- und Wirtschaftslage besser als gedacht, deshalb wird nun großzügiger an alle verteilt. Das ist schön für die Jetztrentner.

Es wäre allerdings auch ein gutes Signal, den Rentnern von morgen dieser Tage irgendeine Form von guter Nachricht oder kleiner Anerkennung zukommen zu lassen. Damit sie nämlich weiter unverdrossen in die gesetzliche Kasse einzahlen und darüber dennoch das private Sparen nicht vergessen. Und damit sie vor allem solche Nachrichten verkraften: Weil bis zu ihrem Renteneintritt das jetzige Rentenniveau höchstwahrscheinlich weiter abgesenkt wird – da es aus Demographiegründen bald immer weniger Einzahler auf immer mehr Ruheständler geben wird – müssen sie mit Ende des 67. Lebensjahrs rund zehn Jahresbruttoeinkommen privat zusammengespart haben, um ungefähr den Lebensstandard zu halten, den sie beim Renteneintritt haben, so hat die Investmentgesellschaft Fidelity in einer Studie errechnet. Das bedeutet für einen Durchschnittsverdiener mit einem Jahresbrutto von zirka 48.000 Euro immerhin satte 480.000 Euro Ersparnisse, um die spätere Rentenlücke zu füllen. Eine halbe Million Euro. Da kommt sicherlich vielen die Zuversicht abhanden, bis 67 eine solche Summe aufbringen zu können.

Zehn Jahreseinkommen für die Rente?

Doch bevor Sie sich entmutigen lassen: Es gibt auch Daten, die Hoffnung machen in dieser Studie. Und man sollte nicht jede Zahl zu wörtlich nehmen. Sonst nämlich verzweifelt man gleich bei der nächsten Empfehlung: Um diese zehnfache Jahreseinkommensrücklage zu erreichen müsste ein Arbeitnehmer von seinem Bruttolohn zirka 21 Prozent sparen und damit am besten schon mit 25 Jahren beginnen. Angenommen er verdient dann 2000 Euro brutto, dann müsste er 400 Euro davon monatlich zurücklegen. Bei 3000 Euro wären es schon 600 Euro. Das klingt einigermaßen utopisch. Das Gros der Bundesbürger schafft gerade einmal eine Sparrate von 150 Euro, maximal 200. Und es hieße insgesamt, dass selbst ein junger Mensch schon fast zur Hälfte für die Rente ackern würde. Schließlich führen Arbeitnehmer ja von ihrem Bruttoeinkommen auch schon rund 18 Prozent in die gesetzliche Kasse ab, also ebenfalls knapp 20 Prozent. Macht in Summe 40 Prozent Abzüge für später. Ist das einem 25-Jährigen wirklich vermittelbar?

Bei solchen Zahlen muss man sich nicht wundern, dass laut Umfragen von Banken rund 30 Prozent aller jungen Leute sagen: Ans Alter denke ich später, jetzt gebe ich mein Geld lieber erst einmal aus.

Die gute Nachricht der Investmentstudie dagegen lautet: Wer es tatsächlich schafft, zehn Jahreseinkommen zurückzulegen, der muss sich zumindest bis zum 91. Lebensjahr keine Sorgen machen, dass das Geld nicht reicht. Bis zu dieser Zeit nämlich kann er 4,6 Prozent des Kapitals jährlich entnehmen. Das sind 22.080 Euro im Jahr, also 1840 Euro im Monat extra, zusätzlich zur gesetzlichen Rente wohlgemerkt. Damit käme ein Durchschnittsrentner dann auf etwa 2800 Euro Einkünfte, eventuelle Einkünfte vom Partner kämen noch dazu. Genau an dieser Stelle ahnt man: Knapp kalkuliert ist das nicht. Die Analysten haben in der Tat recht üppige Puffer einkalkuliert. So setzen sie zum Beispiel als Zielmarke, dass der Sparer mit 67 so viel Geld für de folgenden Jahre angesammelt hat, dass es 45 Prozent seines letzten Bruttoeinkommens entspricht. Rechnet man das zum derzeitigen Rentenniveau von 48 Prozent hinzu, hätte der Rentner also 93 Prozent seines letzten Monatsbruttos weiterhin zur Verfügung. Das ist viel.