ChemieindustrieBASF - die schwächelnde Volksaktie

BASF: Den Chemieriesen plagen mannigfaltige Problemedpa

Vermutlich hat sich Martin Brudermüller sein Amt als BASF-Chef anders vorgestellt: Kein halbes Jahr war das Eigengewächs als Vorstandschef im Amt, da brannte es im Herbst 2018 bereits lichterloh. Der Gewinn des Vorjahres? Nicht zu halten. Der Aktienkurs? Brach im Jahresverlauf um 30 Prozent ein. Die Investoren? Nervös, denn sie wollen wissen, für welche Strategie der Neue steht. Und wie er denn gedenkt, den taumelnden Aktienkurs zu stabilisieren.

Also zogen Brudermüller und seine Kollegen Ende November zu einer Roadshow los, um die Ziele zu erklären: Ludwigshafen, Frankfurt, London, München, Zürich. Verpackt in 61 Folien servierte der Vorstand hehre Pläne: Der Umsatz solle schneller wachsen als der globale Chemiemarkt. Der Vorsteuergewinn ebenfalls, um drei bis fünf Prozent pro Jahr. Und die Dividende, ohnehin üppig bei dem Konzern aus Ludwigshafen, natürlich auch – und zwar jedes Jahr. Das sind hehre Ziele für einen Dax-Riesen, der seine Versprechen normalerweise penibel hält.

Doch diesmal fielen die Ziele des Managements glatt durch. Vor der Roadshow notierte BASF bei 69 Euro. Und hinterher? Bei 64 Euro – eine Ohrfeige. Seit Anfang 2018 hat die Aktie rund ein Drittel ihres Werts verloren. Dabei müssten sich Aktionäre die Hände reiben, wenn es in Zeiten von Nullzinsen mit BASF mehr als fünf Prozent Dividendenrendite gibt.

BASF Aktie

BASF Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RTDer rasante Kursverlust innerhalb weniger Monate trifft nicht irgendein Wertpapier: BASF ist die heimliche Volksaktie, über 400.000 Privatanleger halten 30 Prozent der Aktien, ein doppelt so hoher Privatanlegeranteil wie bei der Deutschen Telekom. Ein wesentlicher Grund: Die Aktie war über Jahrzehnte eine Renditemaschine für ihre Investoren. Jeder Rückschlag war eine exzellente Kaufgelegenheit, jede Geduld in Kurstälern wurde reich belohnt. Seit 1993 musste BASF die ordentliche Dividende nur ein einziges Mal minimal kürzen. So ist der Wert der Aktie inklusive Dividenden in den vergangenen 25 Jahren um 2000 Prozent gestiegen – das ist mehr als bei jedem anderen Dax-Mitglied mit ähnlich langer Indexzugehörigkeit.

Bei den Hauptversammlungen herrscht denn auch seit Jahren beste Stimmung. Viele leitende Mitarbeiter haben mit Aktien und Optionsprogrammen ein Vermögen gemacht – davon zeugen auch ein Immobilienboom und explodierende Grundstückspreise im Dreieck zwischen Ludwigshafen, Bad Dürkheim und Neustadt an der Weinstraße.