GoldpreisWird die Inflation zum Goldpreis-Treiber?

Es müssen nicht Goldbarren sein, Anleger können auch auf andere Weise in Gold investierenIMAGO / Hannelore Förster

So richtig gut läuft es in diesem Jahr für Gold-Anleger bislang nicht: Das erste Quartal war eine Katastrophe, im zweiten konnte der Preis für das Edelmetall gerade einmal die Verluste aus den Monaten Januar bis März wieder ausgleichen. Jetzt notiert der Goldpreis in etwa da, wo er das Jahr begonnen hatte, nahe der Marke von 1800 US-Dollar pro Feinunze. Ein Faktor könnte den Goldpreis allerdings mittelfristig treiben: die Inflation. „Inflationssorgen dürften den Preis bis zum Jahresende auf 2000 US-Dollar steigen lassen“, sagt Carsten Fritsch, Analyst bei der Commerzbank.

Goldpreis Rohstoff

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Kursanbieter: FXCM

Lag die Inflationsrate in den USA zu Jahresbeginn noch bei 1,4 Prozent, so stieg sie im März auf 2,6 Prozent an und schoss im April sogar auf 4,2 Prozent und im Mai auf fünf Prozent nach oben. Während die Notenbanker der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve diese Entwicklung für vorübergehend halten, werden Konsumenten allmählich nervös. Laut einer Umfrage der Universität Michigan erwarten sie für die nächsten zwölf Monate eine Inflationsrate von durchschnittlich vier Prozent, für den Zeitraum von fünf bis zehn Jahren im Schnitt 2,8 Prozent Preisauftrieb. Fritsch und sein Team rechnen derweil damit, dass die US-Inflationsrate bis in das dritte Quartal hinein auf einem hohen Niveau verharrt, sich im kommenden Jahr aber wieder nach unten einpendelt.

Gold gilt als Inflationsschutz schlechthin. Während Papiergeld bei steigenden Verbraucherpreisen an Kaufkraft verliert, bleibt der Wert des Edelmetalls bestehen. Weil viele Investoren in einem inflationären Umfeld darauf spekulieren, dass der Goldpreis steigt, wird die Wertbeständigkeit von Gold dann oft zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung. Das scheint auch jetzt wieder der Fall zu sein, jedenfalls, wenn man das wachsende Anlegerinteresse betrachtet. „Gold-ETFs verzeichneten im Mai laut World Gold Council (WGC) Zuflüsse von gut 60 Tonnen. Das sind die stärksten Monatszuflüsse seit letztem September“, sagt Fritsch. Gold-ETFs, bei denen es sich strenggenommen um ETCs, also börsengehandelte Rohstoffe, handelt, sind bei Anlegern beliebt, weil sie sich leichter kaufen und verkaufen lassen als physisches Gold, aber in vielen Fällen dieselben steuerliche Vorteile bieten.

Der Goldpreis word steigen – nur wie hoch?

Nicht nur die Nachfrage seitens westlicher Investoren hat zuletzt wieder spürbar zugenommen. „Gleiches gilt für die im letzten Jahr sehr verhaltene Goldnachfrage in den beiden wichtigsten Nachfrageländern Indien und China“, sagt Fritsch. Und auch die Zentralbanken stocken ihre Reserven auf: In einer Umfrage des WGC gab ein Fünftel der befragten Zentralbanken an, die eigenen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten erhöhen zu wollen.

Auch Gabor Vogel, Analyst bei der DZ Bank, geht davon aus, dass der Goldpreis im laufenden Jahr weiter steigen könnte. Er ist jedoch zurückhaltender als Commerzbank-Analyst Fritsch. „Wir rechnen damit, dass der Goldpreis wegen des Inflations-Rückenwindes vorerst erhöht bleibt“, sagt er zwar. Allerdings dürfte der Preis im nächsten Jahr nicht mehr so dynamisch zulegen. Auf Zwölf-Monats Sicht werde die rasante Konjunkturerholung Gold in den Hintergrund treten lassen und den Preis auf rund 1700 US-Dollar pro Feinunze drücken, schätzt Vogel. Und auch Fritsch räumt ein: Die Diskussion innerhalb der Fed über einen Ausstieg aus der ultralockeren Krisen-Geldpolitik könnte Gold über kurz oder lang unter Druck setzen.

Immerhin: Bis Jahresende dürfte es weiter aufwärts gehen beim Goldpreis. Um von dem erwarteten Anstieg zu profitieren, müssen Anleger nicht unbedingt via ETC investieren. Die Goldpreisrally im vergangenen Jahr hat auch die Aktien von Minenbetreibern beflügelt. Klettert der Preis des Edelmetalls weiter, dürfte das Unternehmen wie Barrick Gold oder der Newmont Mining Corporation zugutekommen und ihre Aktienkurse weiter unterstützen.