Gold-ETCs Warum Xetra-Gold steuerfrei ist und bleibt

Goldbarren im Tresor des Goldhandels Pro Aurum
Goldbarren im Tresor des Goldhandels Pro Aurum
© IMAGO / photothek
Das Bundesfinanzministerium hatte erwogen, Gewinne aus Gold-ETCs der Abgeltungsteuer zu unterwerfen. Das geschieht nun doch nicht. Der Vorstoß zeigt aber, wie wichtig es für Anleger ist, auf die Steuer-Regeln von Gold-Investments zu achten

Gold-Fans trauten ihren Augen nicht: Die Bundesregierung dachte kürzlich laut darüber nach, Gewinne aus Edelmetall-Zertifikaten zu besteuern. Davon wäre vor allem Xetra-Gold betroffen gewesen. Die Schuldverschreibung, aufgelegt von der Deutschen Börse und einem Banken-Konsortium, gehört zu den beliebtesten Gold-Zertifikaten in Deutschland. Wer das Papier länger als ein Jahr im Depot hat und damit die Spekulationsfrist aussitzt, muss auf anschließende Verkaufsgewinne keine Steuern zahlen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wollte das ändern. Die Steuerfreiheit für Gewinne aus Xetra-Gold bleibt nun doch erhalten. Die Debatte darum zeigt aber, dass Anleger bei Investments in Gold-Zertifikate genau hinschauen sollten, welchen steuerlichen Regeln die Papiere unterliegen.

Xetra-Gold ist sogenannter börsengehandelter Rohstoff (Exchange-Traded Commodity, ETC). Zwar sind ETCs im Grunde Zertifikate, bergen also ein sogenanntes Emittentenrisiko. Geht der Emittent pleite, können Anleger ihr gesamtes Kapital verlieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Zertifikaten sind Gold-ETCs aber mit physischem Gold besichert. Steigt ein Anleger neu ein, kauft der ETC-Anbieter – einfach ausgedrückt – für dieselbe Summe echtes Gold und hinterlegt es bei einer Depotbank. Dieses Vorgehen verspricht eine gewisse Sicherheit.

Gold-ETCs sind vielen Anlegern nicht neu, sie erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Im Gegensatz zu Goldbarren oder Münzen versprechen sie eine hohe Liquidität und Flexibilität. In der ersten Hälfte dieses Jahres floss so viel Anlegergeld in die Produkte, dass ihre Manager laut der Lobby-Organisation World Gold Council (WGC) satte 734 Tonnen Gold kauften – ein neuer Höchstwert. „Diese Rekordzuflüsse wurden durch die globale Reaktion der Zentralbanken und Regierungen auf die Pandemie, die sich in Form von Zinssenkungen und massiven Liquiditätsspritzen äußerte, weiter angeheizt“, heißt es vom WGC.

Es ist eine Besonderheit von Gold, dass es nach der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei verkauft werden kann
Eugen Weinberg

Wer Anteile an einem Gold-ETC kauft, sollte indes darauf achten, ob der Anbieter einen Auslieferungsanspruch für das gebunkerte Gold schon ab dem ersten Gramm verbrieft. Genau der macht nämlich in steuerlicher Hinsicht den Unterschied. Die meisten Gold-ETCs, etwa der populäre iShares Physical Gold, sind zwar mit physischem Gold besichert. Anleger können es sich aber nicht ausliefern lassen. Bei Xetra-Gold und einigen wenigen anderen Produkten, etwa Eurowax-Gold von der Börse Stuttgart, können Investoren dagegen verlangen, dass der Gegenwert ihres Investments in physischem Gold an ihre Hausbank geliefert wird. Ist das Fall, sind Verkaufsgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist – anders als bei anderen Gold-ETCs – von der Abgeltungsteuer befreit. Das hat der Bundesfinanzhof im Jahr 2015 entschieden. Im Jahr 2018 ergänzten die Richter, dass die Auslieferung von Xetra-Gold-Anteilen in Form echten Goldes auch nicht der Einkommensteuer unterliegt.

Die Begründung der Richter: Der Kauf eines Xetra-Gold-Anteilsscheins ist steuerlich genauso zu bewerten wie der Kauf physischen Goldes in Form von Barren oder Münzen. Und dieses unterliegt ebenfalls nicht der Abgeltungsteuer. Auch Mehrwertsteuer fällt nicht an. „Es ist eine Besonderheit von Gold, dass es nach der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei verkauft werden kann“, sagt Eugen Weinberg, leitender Rohstoffanalyst der Commerzbank. „Bei anderen Edelmetallen wie Silber oder Platin ist das nicht der Fall.“ Logisch ist das nicht unbedingt, für Anleger aber praktisch. „Für viele Investoren dürfte die Steuerfreiheit ein Argument für Instrumente wie Xetra-Gold sein“, sagt Weinberg – ein Argument, das vorerst erhalten bleibt.

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