Peter Seppelfricke Warum deutsche Unternehmen häufiger auf Aktienrückkäufe setzen sollten

Dax-Unternehmen gehen zurückhaltend mit Aktienrückkäufen um
Dax-Unternehmen gehen zurückhaltend mit Aktienrückkäufen um
© IMAGO / STPP
In den USA greifen börsennotierte Unternehmen regelmäßig zum Instrument des Aktienrückkaufs, deutsche Unternehmen sind hier viel zurückhaltender. Das Umfeld für Aktienrückkäufe ist aktuell aber auch hierzulande sehr gut.

Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen Aktien des eigenen Unternehmens am Markt zurück. Der Umfang der Rückkäufe ist grundsätzlich auf zehn Prozent der bestehenden Aktien beschränkt (§ 71 AktG). Aktienrückkäufe führen damit definitiv zu einer Bilanzverkürzung und seiner Verminderung der Eigenkapitalquote des Unternehmens. Auf der Aktivseite schwindet die für den Rückkauf verwendete Liquidität und auf der Passivseite wird dieser Betrag mit dem Eigenkapital verrechnet (siehe Abbildung 1).

Peter Seppelfricke: Warum deutsche Unternehmen häufiger auf Aktienrückkäufe setzen sollten

Abbildung 1: Effekte eines Aktienrückkauf anhand eines Beispiels mit fiktiven Daten

Deutsche Unternehmen sehen Aktienrückkäufe häufig skeptisch

Die Bilanzverkürzung und das geringere Eigenkapital können sich negativ auf die Bonität eines Unternehmens auswirken. Wichtige Finanzkennzahlen wie die Eigenkapitalquote oder der dynamischer Verschuldungsgrad (z.B. Net Debt/Ebitda) trüben sich ein. Dies kann insbesondere bei Unternehmen an der Schwelle zu einem Non-Investment-Grade-Rating (Rating von BB und schlechter) zu einem deutlichen Anstieg der Fremdkapitalkosten führen. Der Entzug von Liquidität verringert zudem die Flexibilität, schnell und flexibel auf Chancen am Markt reagieren zu können.

Aufgrund der entzogenen Vermögenswerte (Liquidität wird als nicht-betriebsnotwendiges Vermögen klassifiziert) sinkt zumeist auch der Marktwert (Marktkapitalisierung) des Unternehmens und es muss eine Reduktion des Gewichts in verschiedenen Indizes hingenommen werden. Die Aktien werden von vielen Investoren (insbesondere Indexfonds) weniger nachgefragt.

Missbrauch durch das Management möglich

Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
© PR

Aktienrückkäufe führen zu einer höheren Nachfrage und zu höheren Kurse der betreffenden Aktien an der Börse. Das Instrument ist deshalb grundsätzlich anfällig dafür, vom Management für eine Selbstbereicherung missbraucht zu werden. Die erfolgsabhängige Vergütung von Managern wird regelmäßig auch an den Kursentwicklungen von Aktien ihres Unternehmens festgemacht. Aktienrückkäufe sollten deshalb von den Eigentümern auf Hauptversammlungen nur genehmigt werden, wenn die liquiden Mittel im Unternehmen nicht besser angelegt werden können. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Renditen von Investitionen ihre Kapitalkosten nicht decken können.

Bei Wachstumsunternehmen kann die Ankündigung eines Aktienrückkaufs die Stimmung deshalb auch kräftig eintrüben: Das Management signalisiert damit, dass aktuell keine aussichtsreiche Verwendung für die interne Verwendung der Liquidität gesehen wird und sich die Wachstumsphase damit dem Ende zuneigt.

Amerikanische Unternehmen sehen eher die Vorteile

Bei bonitäts- und liquiditätsstarken Unternehmen überwiegen aber zumeist die Vorteile von Aktienrückkäufen. Mithilfe der Rückkäufe können liquide Mittel – analog zu Dividenden – flexibel an die Aktionäre zurückgegeben werden. Die liquiden Mittel fließen den Aktionären jedoch nicht direkt zu, sondern sie erhöhen indirekt die Werte bzw. Kurse der restlichen Aktien. Die verminderte Aktienanzahl nach Aktienrückkäufen führt dazu, dass die Gewinne je Aktie bzw. die Dividenden je Aktie entsprechend steigen. Wichtige Bewertungsrelationen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder die Dividendenrendite der verbliebenen Aktien werden mithin positiv beeinflusst. Im Vergleich zu Dividenden müssen die Kurssteigerungen aber nicht direkt besteuert werden, sondern erst bei der Veräußerung der Aktien – es entsteht eine Steuerstundung.

Das Timing der Rückkäufe ist entscheidend

Der Vorteil gegenüber der Dividendenausschüttung wird ausgebaut, wenn die Aktien an der Börse mit einem Abschlag (Discount) auf ihren inneren Wert zurückgekauft werden. Der Abschlag verteilt sich auf die verbleibenden Aktien und erhöht entsprechend deren innere Werte (siehe Abbildung 1). Über kurz oder lang sollte sich die höheren fundamentalen Werte auch in höheren Kursen bemerkbar machen. Aktienrückkäufe werden deshalb regelmäßig in Zeiten einer Unterbewertung vorangetrieben. Die Ankündigung eines Rückkaufs wird zumeist als sehr starkes Signal gewertet, dass der Vorstand das Unternehmen aktuell für unterbewertet hält. Allein schon diese Ankündigung reicht regelmäßig aus, dass die Kurse der betreffenden Aktien deutlich anziehen. Zahlreiche empirische Studien belegen, dass es unmittelbar nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufs zumeist zu signifikanten Kursaufschlägen (ca. drei bis fünf Prozent) kommt.

Weitere Vorteile eines Aktienrückkaufs

Neben der steuergünstigen Ausschüttung und der Hebung innerer Werte können Unternehmen durch Aktienrückkäufe auch noch weitere Vorteile nutzen:

  • Optimierung der Kapitalstruktur: Aktienrückkäufe reduzieren das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote. Mithilfe von Aktienrückkäufen lässt sich mithin der Verschuldungsgrad optimieren.
  • Abwehr feindlicher Übernahmeversuche: Mit Aktienrückkäufen wird der Streubesitz um bis zu zehn Prozent der Aktien reduziert und feindliche Übernahmen – die nicht im Sinne des Managements sind – werden erschwert.
  • Reduzierung der Agency Costs: Das Management (Agent) tendiert dazu, liquide Mittel eigennützig, und nicht im Sinne seiner Eigentümer zu verwenden. Dies können zum Beispiel attraktive Firmenwagen zur Privatnutzung oder protzige Bürogebäude sein („Fringe Benefits“). Die Kosten durch die Fehlallokation finanzieller Ressourcen (Agency-Costs) lassen sich durch Aktienrückkäufe vermindern.

Fazit: Aktuell gutes Umfeld für Aktienrückkäufe

Die Bedingungen für sinnvolle Aktienrückkäufe sind bei vielen börsennotierten Unternehmen in Deutschland derzeit gegeben. Zahlreiche Unternehmen verfügen aktuell über eine sehr hohe überschüssige Liquidität und notieren gleichzeitig mit einem deutlichen Abschlag zu ihren inneren Werten. Deutsche Unternehmen sollten deshalb die amerikanischen Vorbilder nachahmen und überschüssige Liquidität künftig verstärkt in Form von Rückkäufen an die Aktionäre auskehren.

Peter Seppelfricke: Warum deutsche Unternehmen häufiger auf Aktienrückkäufe setzen sollten

Abbildung 2: Bedeutung von Aktienrückkäufen bei Unternehmen weltweit


Mehr zum Thema



Neueste Artikel