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Gute Zahlen Commerzbank: Die Zinsmaschine

Gute Stimmung bei der Commerzbank: CEO Manfred Knof und Finanzvorständin Bettina Orlopp konnten gute Jahreszahlen präsentieren
Gute Stimmung bei der Commerzbank: CEO Manfred Knof und Finanzvorständin Bettina Orlopp konnten gute Jahreszahlen präsentieren
© IMAGO / Sven Simon
Die Commerzbank ist ein klarer Sieger der Zinswende. Ein bisschen etwas davon könnte in diesem Jahr auch bei den Sparkunden der Bank ankommen

Es ist derzeit attraktiver Miteigentümer der Commerzbank zu sein, als bei ihr die Spargroschen zu parken. So könnte man, gewiss ein wenig vereinfacht, die aktuelle wirtschaftliche Lage beim zweitgrößten börsennotierten Kreditinstitut Deutschlands charakterisieren. Es hat im vergangenen Jahr – insbesondere Dank der Zinswende – so viel verdient wie seit zehn Jahren nicht mehr. Aktionäre werden von einer Dividendenzahlung und geplanten Aktienrückkäufen der Zinsmaschine Commerzbank profitieren, während Sparerinnen und Sparer bislang immer noch kaum Zinsen auf ihr Erspartes gezahlt bekommen.

Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr netto 1,4 Mrd. Euro verdient. Und das sogar nach der Sonderbelastung von 1 Mrd. Euro im Polen-Geschäft der dortigen Tochter M Bank, wo viele Kreditkunden immer darunter leiden, sich zinsgünstig aber mit Währungsrisiko in Schweizer Franken verschuldet zu haben. Die polnische Regierung hat die Banken hierfür zu Schadenersatz verdonnert und könnte, wie sich abzeichnet, dafür vor europäischen Gerichten Recht bekommen.

Dass es dennoch so gut lief und am Freitag dieser Woche die Deutsche Börse wahrscheinlich die Rückkehr der Commerzbank in den Dax verkünden wird, lässt diese wieder selbstbewusst auftreten. „Die Commerzbank ist wieder da“, betonte eingangs Konzernchef Manfred Knof. Er hatte während der Pandemie das Ruder bei dem vom Kurs abgekommen Institut übernommen und trat nun erstmals in Präsenz bei einer Bilanzpressekonferenz auf. „Ich war bislang nur der virtuelle CEO“, scherzte er gut gelaunt am Rande der Veranstaltung.

„Maßgeblicher Treiber waren die Leitzinserhöhungen“

Der Gewinnanstieg – 2021 betrug der Überschuss 430 Mio. Euro – geht vor allem auf die steigenden Zinsen zurück. Während auf der Einlagenseite bislang hauptsächlich die Negativzinsen weggefallen sind, sonst aber wie bei vielen anderen Instituten Zins-Magerkost verabreicht wird, kann die Bank zu deutlich höheren Zinsen Kredite ausreichen bzw. bekommt ihre Zentralbankguthaben höher verzinst. Das Ergebnis: Der Zinsüberschuss stieg um 33,2 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro. „Maßgeblicher Treiber waren die Leitzinserhöhungen“, sagte Finanzvorständin Bettina Orlopp.

Gute Zahlen: Commerzbank: Die Zinsmaschine
© dpa Infografik

Von dem Gewinnsprung sollen die Aktionäre doppelt profitieren. Zum einen sollen 20 Cent an Dividende je Aktie im Frühjahr gezahlt werden, außerdem will die Bank – die Zustimmung der EZB-Bankenaufsicht vorausgesetzt – 122 Mio. Euro in Form von Aktienrückkäufen ausschütten. Mehr könnte noch kommen, deutete Orlopp an. Nach den jüngsten Zinserhöhungen der EZB dürfte der Zinsüberschuss bestenfalls bis auf 7,1 Mrd. Euro steigen. Für das laufende Jahr kündigte Knof ein „Ergebnis deutlich über 2022“ an. Damit wäre Geld für eine Dividendenerhöhung und ein weiteres Rückkaufprogramm da.

Die Börse feierte diese Perspektive bereits, die Aktie stieg auf ein Fünfjahreshoch von 11,40 Euro und lag damit gut zehn Prozent im Plus. Bei einem Kurs von 11 Euro beträgt die Dividendenrendite 1,8 Prozent. Wer sich zu Jahresbeginn die Commerzbank-Aktie für 8,83 Euro ins Depot gelegt hat, kann sich über einen Kursgewinn von 16 Prozent freuen und kommt sogar auf eine Dividendenrendite von 2,3 Prozent.

Von dem Kurssprung der Aktie profitierten insbesondere Anlegerinnen und Anleger in Blackrock-Fonds. Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr zu deutlich niedrigeren Kursen Positionen in Commerzbank aufgebaut und ist aktuell über verschiedene Vehikel laut Refinitiv-Daten mit rund zwölf Prozent der zweitgrößte Aktionär nach dem deutschen Staat. Dieser hält noch 15,6 Prozent. Knof sagte zu einem möglichen Ausstieg des Bundes: „Ich habe nicht den Eindruck, dass es die Bundesregierung eilig hat.“ Finanzminister Christian Lindner (FDP) sei mit der Entwicklung aber zufrieden.

Commerzbank will die höheren Zinsen weitergeben

Orlopp betonte während der Bilanzpressekonferenz, dass sie die Aktie ihres Hauses für unterbewertet halte. Sie wird mit einem Preis-Buch-Wert von 0,47 bewertet. Das heißt, 1 Euro Buchwert wird aktuell mit 47 Cent gehandelt. Dass die Aktie so „billig“ ist, sei auch ein Grund dafür, einen Teil des Gewinns über Aktienrückkäufe auszuschütten. „Wir wünschen uns irgendwann mal wieder eine Eins vor dem Komma beim Preis-Buch-Verhältnis“, ergänzte Knof. „Wenn wir die Rentabilität weiter steigern, bewegen wir uns auch in diese Richtung.“ Im vergangenen Jahr lag die Eigenkapitalrendite der Commerzbank bei 4,7 Prozent nach nur 1,0 Prozent im Jahr 2021.  Im Jahr 2024 sollen es dann 7,4 Prozent sein, so der Plan.

Im Lauf des Jahres könnten nach den Aktionären dann aber auch die Sparerinnen und Sparer bei der Commerzbank vom Zinsanstieg profitieren. Orlopp sprach davon, die Dinge seien in Bewegung und man werde die höheren Zinsen weitergeben. „Sparer können im nächsten halben Jahr mehr als einem Viertelprozentpunkt erwarten“, sagte sie. Wie viel es fürs Tagesgeld geben wird, behielt sie allerdings für sich.

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