EdelmetallWarum der Goldpreis trotz Krisen nicht steigt

Gold-Anleger müssen momentan Geduld haben
Gold-Anleger müssen momentan Geduld habenGetty Images

Der Handelsstreit mit den USA eskaliert, die Türkeikrise spitzt sich zu – und der Goldpreis fällt und fällt. Dabei müsste er gemäß den ungeschriebenen Kapitalmarkt-Gesetzen eigentlich steigen. Demnach flüchten sich Anleger nämlich in heiklen Marktphasen in Gold. Dieser Tage sorgen allerdings Verkäufe von institutionellen Investoren und Privatanlegern dafür, dass der Goldpreis immer weiter nachgibt.

So zogen Anleger im Juli den zweiten Monat in Folge Kapital aus Gold-ETFs ab, zeigen Zahlen des Vermögensverwalters Blackrock. Weltweit verzeichneten passive Gold-Produkte im vergangenen Monat Abflüsse in Höhe von 1,4 Mrd. US-Dollar. Das Interesse an Gold-ETFs schwanke seit Jahresbeginn, weil Anleger zwar mehr Sicherheit suchten, zugleich aber nicht unbedingt die traditionellen sicheren Häfen aufsuchten, sagt Wie Li, Anlagestrategin bei der Blackrock-Tochter iShares. Auch mehrere Hedgefonds haben zuletzt Gold verkauft und damit den Preis des Edelmetalls weiter gedrückt.

Aktuell steht der Goldpreis bei rund 1190 Dollar je Feinunze. Zu Jahresbeginn hatte eine Feinunze Gold noch 1350 Dollar gekostet. Anlageexperten bemühen sich um Erklärungen für den Sinkflug: Bei der Privatbank Berenberg sieht man die schwächelnde Goldnachfrage in Indien als Hauptauslöser. Der Online-Broker GKFX will die Aktien von Internetkonzernen wie Amazon und Apple als neue sichere Häfen ausgemacht haben. Und der ETF-Anbieter Wisdom Tree bemüht eine Eigenheit der türkischen Notenbank als Grund für die Schwäche des Edelmetalls.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart

Die türkische Zentralbank habe im vergangenen Jahr hinter ihrem russischen Pendant weltweit das meiste Gold unter allen Notenbanken gekauft, erklärt Nitesh Shah, Research-Chef bei Wisdom Tree. Überdies seien der türkischen Zentralbank im vergangenen Jahr fast 200 Tonnen Gold von Geschäftsbanken zugeflossen. In der Türkei dürfen Geschäftsbanken Gold dazu verwenden, den Reservebedarf bei der Zentralbank zu decken. Sollte sich die Krise der türkischen Lira fortsetzen, könnte die Zentralbank einen Teil ihrer Goldbestände verkaufen, sagt Shah. Das würde den Goldpreis noch stärker unter Druck setzen. Womöglich antizipierten Investoren diesen Schritt bereits, mutmaßt der Anlageexperte.

Wer kaufen will, ist mit dem aktuellen Niveau ziemlich gut bedient

Stephan Albrech

Warum der Goldpreis immer weiter fällt, kann niemand mit Gewissheit sagen. Vermutlich steckt eine Melange mehrerer Gründe dahinter. Wichtiger ist ohnehin, wie es weitergeht. Hier zeigen sich Marktbeobachter weitgehend einig: So überrascht sie vom Ausmaß des jüngsten Abschwungs waren, so sicher sind sie sich, dass es über kurz oder lang wieder aufwärts geht.

Gold reagiere oft zeitverzögert auf Krisen, erklärt Wisdom-Tree-Experte Shah. Im Dezember 2001 etwa sei sein Preis trotz der damaligen Schuldenkrise in Argentinien und den Nachwehen der Dotcom-Blase nur um ein Prozent geklettert. „Im ersten Halbjahr 2002 stieg Gold jedoch um 15 Prozent“, sagt Shah. „Das deutet darauf hin, dass es auch im Krisenfall nicht zu spät ist, eine Absicherung aufzubauen.“

Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie, sieht das ähnlich. „Als in den vergangenen Jahren die Mehrheit der Investoren kaum einen Pfifferling auf Gold gab, stieg der Goldpreis in den Monaten danach“, sagt er. Wer Gold im Depot hat, sollte sich vom aktuellen Pessimismus nicht anstecken lassen und das Edelmetall auf keinen Fall verkaufen, rät der Vermögensexperte. „Und wer kaufen will, ist mit dem aktuellen Niveau ziemlich gut bedient.“


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