GeldanlageGold-Anleger hoffen auf das zweite Halbjahr

Goldbarren von Degussa Goldhandel
Goldbarren von Degussa GoldhandelDegussa Goldhandel

Analysten sind sich sicher: In der zweiten Hälfte dieses Jahres geht es mit dem Goldpreis endlich wieder aufwärts. Seit April hat der Preis des Edelmetalls deutlich nachgegeben. Eine Feinunze Gold kostet derzeit 1250 US-Dollar. Im Februar waren es noch rund hundert Dollar mehr. Edelmetallexperten haben mehrere Faktoren ausgemacht, die für eine baldige Erholung sprechen.

Die Kombination aus niedrigen Zinsen und anziehender Inflation sowie steigender Unsicherheit an den Märkten dürfte dem Goldpreis Rückenwind verschaffen, sagt Alexander Posthoff, Portfoliomanager beim Fondsanbieter Bantleon. Er hat deshalb in seinem Absolute-Return-Fonds Bantleon Family & Friends den Goldanteil von acht auf zehn Prozent erhöht und zudem zwei Prozent des Fondsvermögens in Silber investiert. Steigt der Goldpreis, klettert der Silberpreis nämlich in der Regel mit. Auch charttechnische Signale stimmen Posthoff optimistisch. Im Juni 2016 lag der Goldpreis bei 1375 Dollar je Feinunze. Sollte er diese Marke übertreffen, hätte er Potenzial, bis auf 1435 Dollar weiter zu klettern, erklärt der Bantleon-Mann.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart

Gold-Spezialisten berufen sich gern auf die Charttechnik. Dabei versucht man, in Preis-Charts Muster zu erkennen und daraus Prognosen abzuleiten. Charttechnik-Fans argumentieren mit Preisober- und Untergrenzen, die gerissen, getestet oder gehalten werden können. „Der Goldpreis hat im Mai den unteren Rand seiner Handelsspanne getestet“, erklärt etwa Joe Foster, Portfoliomanager beim ETF-Anbieter Van Eck. Er weist darauf hin, dass der Goldpreis, wenn er fällt, auf einem immer höheren Niveau stoppt, bevor er dann wieder steigt. Dieses „Keilmuster“ werde Anfang kommenden Jahres seinen Scheitelpunkt erreichen, der Goldpreis in der Folge ein neues Muster ausbilden, sagt Foster. Übersetzt heißt das: Auch der Van-Eck-Experte rechnet damit, dass der Goldpreis steigt.

„Gold unterliegt mittlerweile fast denselben Schwankungen wie andere Investments und reagiert zudem auf Entwicklungen an den Währungsmärkten.“

Daniel Rauch, Portfoliomanager bei LBBW Asset Management

Die einen verweisen auf Zins- und Inflationsentwicklung, die anderen auf die Charttechnik – die dritten auf das Wetter. „In Indien wird es dieses Jahr wohl eine niederschlagsreiche Monsunzeit geben. Das stimmt optimistisch für die Ernte und damit auch für den Goldpreis“, sagt Daniel Rauch, Portfoliomanager bei LBBW Asset Management. Grund: Indien fragt weltweit das meiste physische Gold nach. Rund 70 Prozent des globalen Angebots an dem Edelmetall landen in Indien, wo vor allem Schmuck daraus gefertigt wird. „Wenn die indische Landbevölkerung eine gute Ernte einfährt, ist das positiv für den Goldpreis“, erklärt Rauch.

Klassischerweise treiben auch Krisen den Preis des Edelmetalls in die Höhe. Der Zusammenhang zwischen Alarmstimmung und Goldkäufen ließ sich aber zuletzt nicht beobachten. Das laufende Jahr war bisher nicht gerade arm an politischen Brandherden, und der Goldpreis ist trotzdem gefallen. Gold sei kein so sicherer Hafen mehr wie noch vor einigen Jahren, sagt Rauch. „Es unterliegt mittlerweile fast denselben Schwankungen wie andere Investments und reagiert zudem auf Entwicklungen an den Währungsmärkten.“ So war in den vergangenen Monaten unter anderem das Erstarken des Greenbacks daran schuld, dass der Goldpreis nachgegeben hat.

Im Zuge dieser Entwicklung haben die alten Regeln für die Gold-Quote eines Portfolios an Wirksamkeit verloren, sagt der LBBW-AM-Manager. Klassischerweise raten Investmentexperten, dass Gold etwa zehn Prozent des Portfolios ausmachen sollte. „Das finde ich zu viel“, sagt Rauch. Eine so große Gold-Position habe heute eher einen spekulativen Charakter. Der Edelmetall-Experte rät zu einer Gold-Quote von rund fünf Prozent. Wer weniger Gold im Portfolio hat, kann die Chance nutzen, jetzt einzusteigen – bevor der Goldpreis in den kommenden Monaten aller Voraussicht nach steigt.