EdelmetallWarum der Handelskonflikt den Goldpreis kalt lässt

Goldbarren: Der Goldpreis profitiert bisher nicht vom Trump-Effekt
Goldbarren: Der Goldpreis profitiert bisher nicht vom Trump-EffektDeutsche Börse

Der Rückgang des Goldpreises macht Gold-Hamster aus Deutschland immer unglücklicher. Während die Notierung des Edelmetalls in der vergangenen Woche auf ein Elf-Monats-Tief bei rund 1240 Dollar gesunken ist, steht sie auf Euro-Basis in der Nähe des Sieben-Monats-Tiefs. Das ist nicht viel besser und ein Dax-Vergleich macht es noch schlimmer: Bei Kursen um die 1070 Euro je Unze liegt der Preis zudem auf dem gleichen Niveau wie im Juli 2011. Hingegen ist der Dax im gleichen Zeitraum um zwei Drittel gestiegen.


source: tradingeconomics.com

Der größte Belastungsfaktor für den Goldpreis ist seit einigen Monaten der steigende US-Dollar. „Investoren gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft einen Handelskrieg deutlich besser überstehen könnte als exportabhängige Volkswirtschaften wie China oder Deutschland“, meint Funda Sertkaya vom Edelmetallhändler Ophirum. Daher sei der Dollar praktisch bei jeder Eskalation des Handelskriegs in den vergangenen Wochen gekauft worden, was wiederum den Goldpreis belastet habe. „Denn Gold bewegt sich häufig konträr zum Greenback, da das Edelmetall in Dollar notiert und bei einem steigenden Dollar für Investoren immer teurer wird“, so Sertkaya weiter.

Anleger können über Hebelprodukte stärker von der Entwicklung des Goldpreis profitieren. Ein Beispiel ist das Zertifikat mit der WKN GM30FK und Hebel 10 und unbegrenzter Laufzeit. Etwas offensiver ist die WKN TD7DQE mit 15er Hebel. Wer auf einen fallenden Goldpreis setzen möchte, greift zum Bear GM1214.

Allerdings trüben sich durch den Handelsstreit gleichzeitig die Perspektiven für die Weltwirtschaft und damit auch für den weltweiten Aktienmarkt deutlich ein, wie Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung an der Börse Gettex, erläutert: „Zölle und alle anderen Handelshemmnisse waren empirisch immer wachstumsfeindlich. Am Ende verlieren beide Seiten, weil die internationale Wirtschaft stark vernetzt ist, und zwar auf der Produktions- wie auf der Kapitalseite. Der Handelsstreit, den Donald Trump mit China und der EU führt, trifft einige Branchen wie zum Beispiel die Automobilindustrie sofort in der Gewinn- und Verlustrechnung und es gibt Sorgen, dass sich eine negative Eskalationsspirale in Gang setzt“. Selbst von der Gefahr eines Aktienmarkteinbruchs kann Gold aktuell nicht profitieren, obwohl sich die Anzeichen einer wirtschaftlichen Abkühlung mehren.

Absturz am chinesischen Aktienmarkt

Während Dax und Dow vom Handelsstreit mit seinen ökonomischen Folgen bisher nur wenig betroffen sind, wachsen die Sorgen vor einer merklichen Abkühlung des Wachstums der chinesischen Wirtschaft, was der Kursrutsch am dortigen Aktienmarkt um rund 25 Prozent gegenüber dem Hoch vom Januar widerspiegelt. Damit notiert er auf dem tiefsten Niveau seit Januar 2017. Sollte der chinesische Wirtschaftsmotor und damit der wichtigste Antriebsmotor für die Weltwirtschaft seit der 2008er-Schuldenkrise, stärker ins Stottern kommen, würde das die Weltwirtschaft erheblich belasten.

Derzeit treibt aber auch die Krise in Brasilien, Argentinien und der Türkei keine Investoren zurück in die sicheren Arme einer Goldanlage, obwohl die kräftigen Abwertungen ihrer Währungen nicht nur die heimische Wirtschaft belasten, sondern auch die Nachfrage nach Gütern aus der Eurozone oder den USA spürbar dämpfen. Die Vorsicht vieler hiesiger Gold-Fans könnte daher erst einmal noch etwas größer werden. Viel hängt von der weiteren Entwicklung des Dollar ab und hier macht US-Präsident Trump mittelfristig wieder Hoffnung, weil er in der Vergangenheit immer ein Fürsprecher eines schwachen Greenbacks war, um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Spätestens wenn Trump die US-Währung wieder nach unten zu reden versucht und der Dollar sich abwärts drehen sollte, wird Gold als krisensichere Anlage wieder seine ganze Strahlkraft entfalten.