GeldanlageWandelanleihen als Sicherheitsnetz

Wandelanleihen bieten Sicherheit gegen schwankende Kurse

Die Erfahrung lehrt: Wenn an den Aktienmärkten Partystimmung herrscht, wird es kritisch. Dann drohen nämlich Übertreibungen, die über kurz oder lang in Korrekturen münden. Diesen Punkt sehen Analysten bald gekommen. Im vergangenen Jahr kletterten viele Aktienindizes auf neue Rekordstände, und das bei extrem niedriger Volatilität. In den kommenden Monaten könnte es ungemütlicher werden für Aktienanleger, prophezeien Investmentexperten. Mit einem Crash rechnen zwar die Wenigsten. Investoren sollten sich aber auf stärkere Kursschwankungen und eventuelle Rücksetzer einstellen.

Theoretisch ist es immer eine gute Idee, das Portfolio gegen fallende Kurse abzusichern. Das Problem ist die praktische Umsetzung. Man kann zwar einen Gutteil seines Kapitals in bonitätsstarken Anleihen parken. Damit erzielt man zurzeit aber keine nennenswerte Rendite und verpasst außerdem die Chance auf weitere Kursgewinne mit Aktien. Professionelle Absicherungsinstrumente wie Futures oder Optionen sind wiederum für die meisten Privatanleger ungeeignet und auch kaum erhältlich.

Absicherung gegen Rückschläge

Wandelanleihen könnten sich in den kommenden Monaten als interessante Alternative erweisen. Die Papiere, auch Convertible Bonds oder Convertibles genannt, werden von Unternehmen emittiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmensanleihen lassen sie sich auf Anlegerwunsch zu einem bestimmten Zeitpunkt und einem vorab festgelegten Preis in Aktien umwandeln. Das Umwandeln lohnt sich, wenn der Aktienkurs so stark gestiegen ist, dass der Wert der Aktie den Nominalwert der Anleihe übertrifft.

Diese Wandeloption ist angesichts der steigenden Aktienkurse für Anleger interessant. Noch interessanter ist allerdings das asymmetrische Risikoprofil der Wandler. Sie machen – so die Faustregel – zwei Drittel der Aufwärtsbewegungen von Aktien mit, aber nur ein Drittel der Abwärtsbewegungen. Investoren können mit Convertibles also von steigenden Aktienkursen profitieren und sich zugleich gegen Rückschläge wappnen. Ein weiterer Pluspunkt: Steigende Zinsen schlagen bei Wandelanleihen dank der Wandeloption nicht so stark ins Kontor wie bei herkömmlichen Rentenpapieren. Zinsanstiege können der Anlageklasse sogar nützen, sagt Jasper van Ingen, Portfoliomanager bei NN Investment Partners: Unternehmen dürften dann mehr Wandler emittieren, weil sie dafür üblicherweise etwas niedrigere Kupons zahlen müssen als für klassische Unternehmensanleihen. Anleger hätten in der Folge mehr Auswahl.

Wandelanleihefonds für Privatanleger

Um das Angebot auf dem Convertibles-Markt ist es heute schon gut bestellt. Anleger sollten bei der Titelauswahl allerdings genau hinschauen. „Die Spreu vom Weizen zu trennen ist grundlegend für ein ausbalanciertes Portfolio“, sagt Stephanie Zwick, Leiterin des Wandelanleihen-Teams beim Zürcher Fondsanbieter Fisch Asset Management. Das gute Marktumfeld spüle auch unattraktive Wandler mit nach oben – solche etwa, die von Firmen mit zweifelhaften Geschäftsaussichten ausgegeben wurden.

Ohnehin ist es für Privatanleger deutlich einfacher, dem Portfolio einen Wandelanleihefonds beizumischen, als einzelne Convertible Bonds zu kaufen. Die Papiere haben nämlich einen Pferdefuß: Sie sind in der Regel nur ab einer sehr hohen Mindestmenge zu haben und damit für Privatinvestoren kaum erschwinglich. Auch bei Wandler-Fonds ist allerdings Vorsicht geboten. Je nach Restlaufzeit der Papiere im Fonds verhalten sich die Produkte eher wie ein Aktien- oder eher wie ein Anleiheinvestment. Wer das asymmetrische Risikoprofil von Convertibles voll ausschöpfen will, sollte einen Fonds suchen, dessen Manager sich weder zu aktiennah noch zu defensiv positioniert.