GeldanlageWandelanleihen: Sicherheitsnetz im Corona-Crash

Börsencrash: Weltweit sind im März die Kurse an den Aktienmärkten abgestürztdpa

Als im Februar und März die Aktienkurse abstürzten, flüchteten zahlreiche Investoren in Staatsanleihen. Die unerwartete Erholung ab Ende März dürften viele von ihnen verpasst haben. Wer sich zurück an den Aktienmarkt wagt, riskiert andererseits weitere Verluste, wenn die Kurse im Zuge der Covid-19-Pandemie noch einmal fallen. Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma bietet eine vergleichsweise wenig beachtete Anlageklasse: Wandelanleihen.

Die Papiere, auch Convertible Bonds oder kurz Convertibles genannt, sind Anleihen, die sich unter bestimmten Bedingungen in Aktien des ausgebenden Unternehmens umwandeln lassen. Die Wandeloption zu ziehen lohnt sich, wenn der Aktienkurs so stark gestiegen ist, dass der Wert der Aktie den Nominalwert der Anleihe übertrifft. In Krisenzeiten ist indes für Anleger eine andere Eigenschaft der Wandler wichtiger: Sie machen – so die Faustregel – zwei Drittel der Aufwärtsbewegungen von Aktien mit, aber nur ein Drittel der Abwärtsbewegungen. Experten sprechen von einem „asymmetrischen Risikoprofil“.

Während des Corona-Crashs haben sich Wandelanleihen geradezu mustergültig verhalten, berichtet Frederik Hildner, Portfoliomanager bei der auf Convertibles spezialisierten Fondsboutique Salm-Salm und Partner. „Die Protektion nach unten hat sehr gut funktioniert“, sagt er. „Die Partizipationsrate an den Kursverlusten betrug rund ein Drittel und war daher lehrbuchartig.“ Nun profitierten die Papiere davon, dass die Volatilität an den Aktien- und Optionsmärkten nach wie vor hoch sei, sich diese hohe Volatilität aber in Wandelanleihen nicht manifestiere, sagt Hildner. Diese Differenz mache die in Convertibles eingebetteten Wandlungsrechte besonders günstig.

Wandelanleihen sind komplexe Papiere

Eine wichtige Kennzahl, um Wandelanleihen zu beurteilen, ist das sogenannte Delta. Damit bezeichnet man die Aktiensensitivität von Convertibles. Die Papiere können sich mehr wie Aktien oder mehr wie Anleihen verhalten. Im Corona-Crash hat sich gezeigt, dass sich das Delta an den Aktienmarkt anpasst: Fallen die Aktienkurse, verhalten sich Wandelanleihen automatisch mehr wie Anleihen. „Die Sensitivität steigt und fällt prozyklisch mit den zugrundeliegenden Aktien“, sagt Hildner.

Achtung: Der Delta-Automatismus hat nicht zur Folge, dass Anleger bei Wandelanleihen eine Buy-and-Hold-Strategie verfolgen können, wie sie Experten oft für Aktien- und Anleiheinvestments empfehlen. Die Papiere benötigen ganz im Gegenteil viel Aufmerksamkeit und noch mehr Kenntnisse – über Aktien, Anleihen und Optionen. „Wenn die Wandlungsoption zu weit aus dem Geld ist, partizipiert man mit den Papieren nicht wirklich an der Aktienkurserholung“, erklärt Richard Hodges, Anleihespezialist bei Nomura Asset Management. „Wir haben daher in Wandelanleihen umgeschichtet, die mehr Aufwärtspotenzial bieten.“ Der Ausdruck „aus dem Geld sein“ bedeutet, dass bei einer Option der Basiswert weniger wert ist als der Preis, zu dem man diesen Wert laut Option erwerben darf.

Wandelanleihen sind komplexe Papiere. Darüber hinaus sind sie in der Regel nur in hohen Stückelungen zu bekommen. Für Privatinvestoren bietet es sich deshalb eher an, über Fonds in die Anlageklasse zu investieren statt per Einzeltitel. Bei der Fondsauswahl sollten Anleger darauf achten, wie der Manager positioniert ist: eher aktiennah oder eher anleihenah. Auf hohe Erträge sollten Anleger so oder so allerdings nicht spekulieren. Die meisten Wandelanleihefonds konnten zwar in den vergangenen Jahren die Verluste begrenzen. Weil sie in Aufwärtsphasen hinter dem breiten Aktienmarkt zurückblieben, stehen sie aber auf lange Sicht im Schnitt etwas schlechter da als Aktienfonds. Sie eignen sich damit vor allem für Anleger, bei denen die Angst vor Verlusten größer ist als der Appetit auf hohe Kursgewinne.

 


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