PortfolioWandelanleihen: Zwitterwesen gegen Zitterbörsen

Wandelanleihen bieten Sicherheit gegen schwankende Kurse

In diesem Jahr läuft es an den Finanzmärkten nicht mehr so glatt wie im vergangenen. Aktienanleger müssen mit höherer Volatilität rechnen, Renteninvestoren wiederum blicken angespannt auf die nächsten Schritte der Notenbanken. Selbst Profis tun sich dieser Tage schwer, zu entscheiden, wie hoch die Aktien- und die Anleihequote im Portfolio sein sollte. Die einen setzen darauf, dass die Aktienkurse dank des anhaltend soliden Wirtschaftswachstums doch noch weiter klettern. Die anderen weisen darauf hin, dass Frühindikatoren eine Konjunkturverschlechterung andeuten. Sie raten zur Vorsicht.

In diesem Umfeld könnte eine Anlageklasse ihre Stärke ausspielen, die vom Rendite-Risiko-Profil her zwischen Aktien und Anleihen angesiedelt ist: Wandelanleihen machen, so die Faustregel, zwei Drittel der Aufwärts- aber nur ein Drittel der Abwärtsbewegungen der Aktienkurse mit. Ebenso wie herkömmliche Anleihen bieten die Papiere regelmäßige Zinszahlungen. Investoren können sie zudem auf Wunsch zu einem festgelegten Zeitpunkt und Preis in Aktien desjenigen Unternehmens umwandeln, das sie ausgegeben hat – daher der Name Wandelanleihe.

Zwischen Aktie und Anleihe

Ihr asymmetrisches Risikoprofil macht Wandelanleihen angesichts höherer Aktienmarktvolatilität auf der einen und steigenden Zinsen auf der anderen Seite zu einem interessanten Investment. Darüber hinaus nehmen sie Investoren zumindest ein Stückweit die Asset-Allokation ab, sagt Tarek Saber, Leiter des Wandelanleiheteams beim Fondsanbieter NN Investment Partners (NNIP), also die strategische Entscheidung zwischen den Anlageklassen. „Wandler navigieren anstelle der Anleger zwischen Aktien und Anleihen“, erklärt er. Eine Wandelanleihe kann sich je nach Lage eher wie eine Aktie oder eher wie eine Anleihe verhalten.

Profi-Investoren sollten zwischen drei und zehn Prozent ihres Anlagevermögens in Wandelanleihen investieren, sagt Saber. Privatanlegern rät er sogar zu einem noch höheren Wandler-Anteil. Während institutionelle Investoren einzelne Wandelanleihen kaufen können, sollten Privatinvestoren über einen Fonds in die Anlageklasse investieren. Wandelanleihen sind nämlich nicht nur ein vergleichsweise komplexes Investment, sondern in der Regel auch nur in sehr großen Tranchen erhältlich.

Bei Wandelanleihefonds auf Volatilität schauen

Bei der Auswahl eines passenden Wandler-Fonds ist Sorgfalt gefragt. Im Schnitt erzielten währungsgesicherte, global investierende Wandelanleihefonds in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von fünf Prozent pro Jahr, zeigt eine Untersuchung des Hamburger Analysehauses Absolut Research. Die Unterschiede zwischen einzelnen Fonds fielen extrem hoch aus. Der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Manager in der Absolut-Research-Studie betrug 7,8 Prozentpunkte pro Jahr. „Diese Variation in den Renditen unterstreicht die Bedeutung der Managerselektion“, sagt Geschäftsführer Michael Busack.

Interessierte Anleger sollten nicht so sehr auf die frühere Wertentwicklung eines Fonds schauen, sondern vor allem auf dessen Volatilität und auf den sogenannten Maximum Drawdown. Diese Kennzahl bezeichnet den Maximalverlust innerhalb einer gewissen Zeitspanne. Auch das sogenannte Delta ist eine wichtige Größe. Diese Kennzahl gibt die Aktiensensitivität von Wandelanleihen an. Je höher das Delta eines Wandelanleihefonds, desto stärker ähnelt er vom Rendite-Risiko-Profil her einem Aktienfonds – mit dem entsprechenden Renditepotenzial, aber auch den dazugehörigen Risiken. Selbst Wandelanleihen können Anlegern eben die Entscheidung zwischen Aktien- und Anleihemarktrisiken nicht komplett abnehmen.