KolumneVon Dogecoin bis Ethereum - Spekulationswahnsinn am Kryptomarkt

Symbolbild Kryptowährungimago images / AFLO

Es ist nur eine Randnotiz. Aber wer in diesen Tagen im Austausch mit finanzaffinen Menschen ist, der kommt recht schnell auf das Thema Kryptowährungen zu sprechen. So ging es mir letzte Woche in einer Runde mit Menschen, von denen jeder bereits mehrere Firmen in seinem Leben gegründet hat. Wirtschaftlich erfolgreiche Investoren, die von Investments im Dogecoin berichteten. Ungläubig fragt man dann nach der Sinnhaftigkeit dieser sogenannten Investition und dann hört man als Begründung, dass der Kurs zum einen nur die Richtung aufwärts kenne und zum anderen Elon Musk am zweiten Mai-Wochenende in der Show Saturday Night Live in den USA zu Gast sei. Und womöglich etwas zu Kryptos, zum Dogecoin sagen könnte.

Nun muss man Kryptowährungen nicht so hart bewerten wie Charlie Munger, Partner von Warren Buffett, der Kryptos für „ekelhaft“ hält, da die Währungen Kidnappern und Erpressern nützlich sei. Die Ratio lassen bei Kryptos einige aber durchaus fallen. Denn beim Dogecoin geht es primär darum, jemand zu erwischen, der einen höheren Preis bezahlt als man selbst bezahlt hatte. Dies klappt bisher hervorragend, die Reise darf nur nicht rückwärts gehen. Dann dürfte sich der Marktwert von 60 Mrd. Dollar schnell in einen Bruchteil verwandeln.
Infografik: Dogecoin to the Moon? | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Doch auch abseits des Dogecoin gibt es spannende Entwicklungen und die sind schon seriöser zu betrachten. Seit Jahren gibt der Bitcoin bei den Kryptowährungen die Richtung vor. Doch der Nimbus des Platzhirschen wackelt, Ethereum gewinnt zunehmend an Bedeutung und rückt bei Profi-Investoren in den Fokus. Es gibt gute Gründe, die für ein neues Kräfteverhältnis am Kryptomarkt sprechen.

Denn Anfang Mai war es soweit: Ethereum kletterte über die runde 3000er-Schwelle und stieg auf ein Rekordhoch von mehr als 3300 Dollar. Während der Bitcoin unter dem Strich seit Wochen nur seitwärts läuft und in den vergangenen zwölf Monaten um rund 500 Prozent zulegte, zeigt Ethereum eine viel höhere Dynamik. Im gleichen Zeitraum kletterte die zweitgrößte Kryptowährung um mehr als 1500 Prozent, allein in den zurückliegenden 30 Tagen ging es um 60 Prozent aufwärts. Die Nachfrage der Anleger ist hoch, was am Zertifikatemarkt auch Vontobel merkt. Die Schweizer haben mit der WKN VQ552V ein neues Partizipationszertifikat auf Ethereum aufgelegt. Auch beim Bitcoin hat man nachgelegt, die passende WKN lautet VQ63TC.

Ethereum ist gegenüber Bitcoin immer noch unterbewertet

In Euro und Dollar gerechnet fallen die Zuwächse bereits beeindruckend aus – auch gegenüber dem Bitcoin. Auskunft darüber liefert das Ethereum/Bitcoin-Verhältnis. Anfang 2020 erhielten Anleger für Ethereum weniger als 0,02 Bitcoin. Seit Mitte März ist die Ratio von 0,03 auf 0,06 gestiegen. Mit einem Börsenwert von rund 380 Mrd. Dollar kommt Ethereum auf eine Dominanz im gesamten Kryptouniversum von rund 15 Prozent. Hingegen rutschte der Anteil des Bitcoin relativ zu anderen Münzen zuletzt von 60 auf weniger als 50 Prozent.

Langfristig betrachtet ist Ethereum im Vergleich zum Krypto-Primus weiterhin unterbewertet. So kostete Ethereum im Sommer 2017 zeitweise 0,15 Bitcoin. Übertragen auf die aktuelle Ausgangslage müsste die zweitgrößte Münze somit bei rund 8400 Dollar stehen. Wenig überraschend zieht daher auch die Nachfrage von institutioneller Seite an: In Kanada sind bereits zwei börsennotierte Ethereum-Fonds (ETFs) auf dem Markt.

Ethereum eignet sich besonders gut für DeFi- oder NFT-Geschäfte, da Transaktionen an bestimmte Bedingungen geknüpft werden können („Smart Contracts”). Schätzungen zufolge stecken bereits mehr als 65 Mrd. Dollar in DeFin-Projekten, die auf der Ethereum-Blockchain laufen. Beim Broker Etoro können aktive Anleger sogar (Krypto)-Währungen gegeneinander handeln. 101 verschiedene Paare gibt es aktuell, von Bitcoin vs. Ethereum bis zu  EOS gegen den US-Dollar.

Mitte Juli steht mit einem großen Ethereum-Update aus technischer Sicht der nächste Meilenstein bevor. Nach der sogenannten London Hard Fork verändert sich die bisher noch inflationäre Ether-Entwicklung in eine deflationäre, weil die Gebühren bei Transaktionen verbrannt werden. Mit dem sinkenden Ether-Angebot könnte es zu weiteren Preissteigerungen kommen, zumal sich Ethereum als Smart-Contract-Plattform und somit Fundament der gesamten Kryptowirtschaft immer stärker etabliert. Bitcoin erscheint als reines Zahlungsmittel bereits wie aus vergangenen Zeiten. Inzwischen kommt Ethereum auf mehr als ein Drittel des Börsenwertes von Bitcoin. Schon jetzt gibt es Spekulationen, dass die Nummer zwei nach Marktkapitalisierung die Führung übernehmen könnte. Ein solches Flippening erscheint zwar jetzt noch undenkbar. Aber gerade am Kryptomarkt sollte die Dynamik nicht unterschätzt werden.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com