KryptowährungAus Spaß wird Ernst: Dogecoin erklimmt ungeahnte Höhen

Überraschender Höhenflug. Ein Symbolbild der Digitalwährung Dogecoin.
Überraschender Höhenflug. Ein Symbolbild der Digitalwährung Dogecoin.IMAGO / AFLO

Für jeden, der immer noch glaubt, dass Dogecoin ein Witz ist, für den gibt es nun 90 Milliarden Gründe für das Gegenteil. So hoch ist der Dollar-Wert der digitalen Währung, nachdem er innerhalb von 24 Stunden bis Mittwoch um 40 Prozent gestiegen ist. Nutzlos oder nicht, der Hype um Kryptowährungen hat die Münze nach oben gespült, und das in einem Umfeld von üppigem billigen Geld der Zentralbanken. Was hier geschieht, ist der jüngste Höhepunkt in einem Jahr der spekulativen Exzesse auf einem Markt, den Nouriel Roubini einmal „die Mutter aller Blasen“ genannt hat.

Hätten Billionen Dollar schwere Konjunkturhilfen von Regierungen und Zentralbanken Anleger mit Inflationsängsten früher in Gold getrieben – und Unerschrockene in riskante Aktien –,  so strömt diesmal eine Flut von Bargeld in den aufstrebenden Kryptomarkt. Kaum ein Beispiel illustriert das besser als Dogecoin, eine im Grunde nutzlose Kryptowährung, auf die sich eine Horde von Daytradern gestürzt hat, die ihrerseits vom Internet-Buzz und einem selbst entfachten Kaufrausch angestachelt wurden.

„Ab einem gewissen Punkt ist etwas einfach real,“ sagt Sam Bankman-Fried, Geschäftsführer der Krypto-Börse FTX in Hongkong. „Wenn Dogecoin dumm und wertlos ist, sollte er nicht mit 90 Mrd. Dollar bewertet sein. Was ist mit Gold, Bitcoin oder Euro? Unsere kollektive Vorstellungskraft hat ihnen Wert gegeben, und jetzt sehen wir sie einfach als werthaltig an.“

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Preis in einer Woche verdoppelt

Der nächtliche Kursgewinn bescherte Dogecoin einen Anstieg von 129 Prozent in nur einer Woche und einen Wert von 85 Mrd. Dollar, so die Daten von CoinMarketCap.com. Das stellt sogar den größten börsengehandelten Goldfonds und Aktien wie Fedex Corp. und Snap Inc. in den Schatten. Vor einem Jahr lag die Spaßwährung noch bei nur 315 Mio. Dollar.

Der Krypto-Rausch könnte nach Meinung einiger Analysten sogar Gold schaden. Aus dem Edelmetall ist in den vergangenen Monaten Kapital abgeflossen, während eine Schwemme staatlicher Fördergelder den Wert des weltweiten Kryptomarktes auf ein Rekordhoch von 2 Billionen Dollar gehoben hat.

Der Dogecoin, der 2013 im Scherz in Anlehnung an die Hunderasse Shiba Inu gestartet wurde, könnte auch von der breiten Masse bald als Zahlungsmittel im Einzelhandel akzeptiert werden, glaubt Bankman-Fried. Bei Blockfolio, einer Firma von FTX, die Kunden bei der Verwaltung ihrer Krypto-Portfolios assistiert, steigen die Handelsumsätze mit jedem Dogecoin-Hoch – ein Zeichen dafür, dass er in dem Ökosystem nun eine zentrale Rolle spielt.

Fieberhafte Dogecoin-Käufe ließen am Dienstag erneut kurzzeitig die Handels-App von Robinhood abstürzen. Weitere Coins schossen in die Höhe, darunter Dash mit 18 Prozent in 24 Stunden bis in den europäischen Morgen am Mittwoch und Ethereum Classic mit einem Anstieg von fast 45 Prozent.

#DogeDay wurde Trend

Obwohl es schwierig ist, den Höhenflug des Dogecoin an genauen Ursachen festzumachen, gibt es doch einige Faktoren, die ihn angeheizt haben. Am 20. April, einem Tag, der auch als internationaler Kiffertag gefeiert wird, haben einige Nutzer den Hashtag #DogeDay zum Trenden gebracht, um den Preis in die Höhe zu treiben. Später sprangen auch Prominente wie Tesla-Mitbegründer Elon Musk oder der milliardenschwere Eigentümer der Dallas Mavericks, Mark Cuban, auf den Zug auf. Die Kryptobörse Gemini der Winklevoss-Zwillinge gab schließlich am Dienstag bekannt, dass sie bald den Handel mit der Münze ermöglichen wird.

„Sie wurde so lange von allen ehrenwerten Institutionen ignoriert, und jetzt taucht sie aus dem Nichts auf und überrascht den Kryptomarkt“, meint Laurent Kssis, weltweiter Leiter für börsengehandelte Produkte bei der 21shares AG im Schweizer Zug. „Alle sind eben auf den schnellen Gewinn aus.“

Mitarbeit: Yakob Peterseil

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