GeldanlageStahl-Aktien: zartes Licht am Ende des Tunnels

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg-MarxlohIMAGO / Jochen Tack

Die europäische Stahlindustrie hat in den vergangenen Jahren viele Aufs und Abs erlebt. Preisdruck, Konkurrenz aus China, Umweltauflagen, Zölle und Umsatzeinbrüche in der Coronakrise machten der Branche deutlich zu schaffen. Zuletzt belasteten die stark gestiegenen Energiepreise die Branche – insbesondere die stromintensiven Elektrostahlwerke.

Mit dem Wirtschaftsaufschwung nach den Corona-Lockdowns kam in diesem Jahr dennoch die lang erwartete Erholung. Und auf dem G20-Gipfel in Rom vergangene Woche folgte dann der nächste große Meilenstein: Die USA und die EU legen ihren Zollstreit bei. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einem Gespräch mit US-Präsident Joe Biden an. Nach jahrelangem Handelsstreit mit den USA bedeutet das für die Branche eine Erleichterung.

Zunächst hebt das Abkommen die Zölle für ein bestimmtes Kontingent an Aluminium- und Stahlexporten in die USA auf. Dieses Kontingent soll für Stahl bei 4,4 Millionen Tonnen liegen, in etwa also dem Niveau vor 2018 entsprechend. Seither lagen die Zölle bei 25 Prozent. Im Gegenzug hebt die EU ihre Sonderzölle für Harley-Davidson-Motorräder und Whisky aus den USA auf.

Große Herausforderung Klimaneutralität

Eines der größten gemeinsamen Ziele nach dem beigelegten Handelsstreit soll der Weg hin zu einer nachhaltigen Stahl- und Aluminiumproduktion sein. Im Fokus der transatlantischen Zusammenarbeit stehen saubere Arbeitsplätze in der Stahlindustrie und eine umweltfreundliche Produktion. Das Nachsehen hat bei diesem Abkommen China. Die USA wirft dem Land nämlich vor, Umweltstandards zu missachten und für unfairen Wettbewerb verantwortlich zu sein. Daher darf die EU auch nur jenen Stahl zollfrei in die USA exportieren, der nicht aus China stammt.

Die europäische Stahlindustrie begrüßt das neue transatlantische Abkommen. Gerade jetzt, wo die Stahlindustrie mit dem Ziel der Klimaneutralität vor der größten Transformation ihrer Geschichte steht, ist den Unternehmen jede Entlastung recht. Denn die gestiegenen Energiekosten machen auch diese Herausforderung derzeit nicht leichter – denn der Umstieg auf eine wasserstoffbasierte Stahlproduktion ist energieintensiv.

An den Börsen haben die Neuigkeiten zum Zollabkommen aus Rom Stahlunternehmen ebenfalls neuen Aufschwung verliehen. Die Aktien von Konzernen wie Salzgitter, Thyssenkrupp und Klöckner & Co. legten kurz nach der Ankündigung zu. Für Anleger, die auf die Stahlbranche setzen wollen, könnte also jetzt ein interessanter Zeitpunkt sein, sich Stahltitel näher anzuschauen.

Thyssenkrupp erholt sich – ein wenig

Generell war 2021 für viele Stahlhersteller ein gutes Jahr an der Börse. Der Essener Stahlriese Thyssenkrupp hatte es in den vergangenen Jahren grundsätzlich schwer, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Verglichen zum Vorjahr konnten die Titel ihren Kurs zwar verdoppeln, auf Drei-Jahres-Sicht liegt die Wertentwicklung allerdings bei minus 53,7 Prozent. Der Umbau zum klimafreundlichen Stahl ist für den Konzern nach wie vor eine große finanzielle Herausforderung. Analysten sehen dennoch – gerade wegen der Umbaubemühungen – viel Potenzial für die TKA-Titel. Sechs von elf raten zum Kauf. Aktuell liegt der Kurs bei 8,88 Euro.

ArcelorMittal, der zweitgrößte Stahlproduzent weltweit mit Hauptsitz in London, hat ein besseres Börsenjahr hinter sich. Innerhalb von einem Jahr konnten die Titel um 127 Prozent zulegen; auf drei Jahre betrachtet und trotz des Corona-Crashs immerhin um 27,7 Prozent. Derzeit liegt der Kurs bei 28 Euro. Analysten sind positiv gestimmt und erwarten angesichts der wirtschaftlichen Erholung volle Auftragsbücher für den Konzern und dementsprechend wachsende Kurse. Acht von neun raten zum Kauf.

Der deutsche Stahlkonzern Salzgitter, der nach seinem niedersächsischen Hauptsitz benannt ist, musste 2020 herbe Verluste hinnehmen. Im laufenden Jahr ging es in Sachen Umsatz allerdings bergauf: Der Konzern schreibt wieder schwarze Zahlen. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der sich seit der Schlappe im Herbst vergangenen Jahres kontinuierlich nach oben entwickelt hat – um 148 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren hat die Aktie dank einer langen Talfahrt zwischen Anfang 2019 und Herbst 2020 rund 15 Prozent zugelegt. Der aktuelle Kurs liegt bei 31 Euro. Wie sich die Aktie weiterhin entwickeln wird, machen Analysten davon abhängig, ob der Stahlpreis steigt oder fällt. Fünf von zehn raten zum Kauf.