GeldanlageSo können sich Anleger für die Zinswende wappnen

EZB-Zentrale in Frankfurt
EZB-Zentrale in Frankfurtdpa

Widersprüchlicher könnten die Meldungen gar nicht sein. Auf der einen Seite betonen Großanleger und Fondsmanager allerorten, dass die Zinsen nun endlich bald wieder steigen – und das vermutlich viel schneller als gedacht. Auf der anderen Seite aber verschicken Banken an ihre Sparer derzeit Schreiben, in denen sie ihnen ankündigen, dass sie auch noch das letzte bisschen Zins in Zukunft streichen werden. Sie senken die Sparzinsen weiter ab. Selbst die letzte Bastion, nämlich die Zinsaktion der Consorsbank, die bisher einen Tagesgeldzins von einem Prozent versprach, ist gefallen. Die Bank hat das Angebot vergangene Woche auslaufen lassen und den Zins nun auf magere 0,6 Prozent zusammengestrichen. Früher war mehr Zins.

Künftig wird es auch wieder mehr sein, wenn man der europäischen Zentralbank glaubt. Die hat gerade angekündigt, ihr Anleihenkaufprogramm nun wirklich zurückzufahren und damit wieder in das Reich der geldpolitischen Normalität zurückzukehren. Bis sie den derzeitigen Nullzins aber tatsächlich wieder anhebt, wird es wohl September werden. Immerhin sind für 2019 dann drei weitere Zinsanhebungen geplant. Dabei soll der Refinanzierungssatz 0,75 Prozent und der Einlagenzins 0,25 Prozent erreichen.

Zeit wird es, denn inzwischen zahlt fast die Hälfte der Banken hierzulande, nämlich 374 von rund 800 Instituten, überhaupt keine Zinsen mehr für Spareinlagen, hat eine Auswertung des Portals Verivox ergeben. Die Sparzinsen lägen im Schnitt über alle Angebote bei 0,04 Prozent. Laut Finanzvergleich FMH liegen sie jedoch beim Tagesgeld bei 0,12 Prozent. Die spendabelsten Banken – derzeit die HSH Nordbank bieten aber auch nur noch 0,8 Prozent. Beim Festgeld ist es auch nur unwesentlich mehr, da liegt der Durchschnitt bei 0,13 und das beste Angebot für 6 Monate bei 0,85 und für drei Jahre bei 1,17 Prozent. Vorsicht bei Banken, die mehr bieten, es handelt sich oft um kleinere und unbekannte ausländische Institute, die dringend auf der Suche nach Einlagen sind, aber auch nicht immer unter die üppige hiesige Einlagensicherung fallen.

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Vom Sparen kann man bei weniger als einem Prozent Zinsen eigentlich nicht mehr sprechen, jetzt wo die Inflation diesen Wert wieder locker überschritten hat. Im Gesamtjahr 2017 lag die Teuerung bei 1,8 Prozent, im Februar diesen Jahres waren es 1,4 Prozent. Deutlich absinken wird die Inflation auch eher nicht.

Zudem ist die amerikanische Notenbank Fed mit ihrer gegenteiligen Strategie inzwischen weit vorausgeprescht. Sie hat den Leitzins erst kürzlich wieder angehoben und ihn bereits wieder auf 1,5 bis 1,75 Prozent gehievt. Somit tut sich eine immer größere Zinslücke zwischen Amerika und Europa auf. Das ist auf Dauer gefährlich, weil dadurch Geld nach Amerika abwandern könnte, wo verhältnismäßig kalkulierbare Zinsanlagen wie Staatsanleihen für Investoren deutlich mehr Ertrag abwerfen. Deshalb muss die EZB nun früher oder später handeln. Dass die Anhebung auch hierzulande nur eine Frage der Zeit ist, zeigen bereits die Bauzinsen an: Sie sind sozusagen vorauseilend bereits wieder nach oben gedreht seit Jahresbeginn. Für alle, die sich in absehbarer Zeit verschulden wollen, indem sie eine Immobilie kaufen, heißt das: Schnell sein – und nicht mehr bis zum Sommer oder gar bis September warten.