BörsenturbulenzenDie Angst vor dem ganz großen Kurssturz

Symbolbild: Frankfurter Börse
Symbolbild: Frankfurter Börse Getty Images

Manche Begriffe muss man nicht groß erklären. Wenn etwas schon Todeskreuz heißt, dann spricht es schon genug für sich, oder? Es klingt nicht nur nach dem ultimativen Schrecken, sondern es verdeutlicht sogar mit nur einem Wort, wie groß die Gefahr ist, die dadurch droht. Und dieses Todeskreuz haben Analysten derzeit an den Börsen ausgemacht. Dieser Tage nämlich sind deren Kurse erneut stark abgesackt. Man kann auch sagen: heruntergekracht. Zum bereits dritten Mal in diesem Jahr. Und die Angst ist groß, dass es nicht nur ein erneuter kurzer Einbruch ist, sondern der Anfang einer längeren Abwärtsbewegung.

Auslöser für den Kurssturz gab es dreierlei. Sie waren zwar allesamt nicht wirklich so wichtig, dass sie den großen Abschwung markieren würden, aber man könnte auch sagen: Das gesamte Börsengefüge ist derzeit so angespannt, dass schon mehrere mittlere schlechte Nachrichten für einen großen Schreckmoment sorgen: Zum einen waren es die angekündigten weiteren Zinsanhebungen der amerikanischen Notenbank Fed für 2018. Zum Zweiten will US-Präsident Donald Trump nun gegen China einen Handelskrieg ausfechten, während er mit Strafzöllen gegen Europa erst einmal wartet. Und zum Dritten sorgte die Datenkrise des sozialen Netzwerks Facebook für einen Kursrutsch bei den fünf großen Tech-Aktien (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google) – die gemeinsam immerhin knapp elf Prozent des amerikanischen S&P500-Index ausmachen.

Kommt nun der Bärenmarkt?

Alle diese schlechten Nachrichten zusammen bewirkten, dass Dax und Dow Jones abstürzten und inzwischen wichtige Marken nach unten durchbrochen haben. Nach dem ersten Kursrutsch Ende Januar und dem zweiten Ende Februar ist das also nun die dritte Abwärtsbewegung innerhalb kurzer Zeit. Haben die Börsen damit vorläufig ihre Höchststände gesehen und kommt nun der Bärenmarkt, der nach dem ewigen Aufschwung der vergangenen Jahre ja irgendwann einsetzen musste? Skeptiker sagen: Genau so ist es. Das Todeskreuz sei schließlich aufgetaucht.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Gemeint ist damit eine charttechnische Formation, die nur höchst selten auftritt, nämlich alle paar Jahre mal: Dazu schaut man sich die 50-Tage-Durchschnittslinie und die langfristige 200-Tage-Linie an. Jüngst hat nun die kurzfristige 50-Tagelinie die 200-Tagelinie nach unten gekreuzt. Das ist in den Augen der Charttechniker das Kreuz des Todes. Denn wenn dieses Signal auftauche, verheiße es nichts weniger als den Beginn eines größeren Absturzes. Wer beim Auftauchen des Kreuzes aus dem Markt ausgestiegen wäre, der hätte sich den großen Crash nach der Pleite der Lehman-Bank erspart und somit den Markteinbruch infolge der Finanzkrise, so ergänzen sie.

Unsichere Prognosen

Letzteres ist richtig, dennoch muss man sich die Sache mit dem Kreuz genauer ansehen. Denn im Grunde kann man nur eine gesicherte Aussage an den Börsen treffen, was die Charttechnik betrifft: Immer, wenn es an den Märkten besonders turbulent wird, schicken sich besonders viele Charttechniker an, die aufgetretenen Kurven zu deuten und daraus künftige Entwicklungen zu prognostizieren. Doch während die Kursformationen meist eindeutig zu erkennen sind, so sind es die weiteren Kursverläufe damit noch lange nicht. Denn die Prognosewerte solcher Formationen sind oft bloß gering.

Natürlich ist es nie ein gutes Signal, wenn die kurzfristige Stimmung an den Börsen kippt und deutlich unter den langfristigen Durchschnitt absackt. So wie jetzt. Durchbrechen die Kurse von Aktien die langfristige 200-Tagelinie, dann sprechen Techniker gemeinhin von einem Verkaufssignal. Denn dann durchbrechen die Kurse den gleitenden Durchschnitt, was ein Zeichen dafür sei, dass sich der Trend dreht. Selbiges gilt im umgekehrten Fall beim Durchbruch nach oben, der ein Kaufsignal anzeigt. Der Haken an der Sache ist allerdings: Diese einfache Regel funktioniert nur bei eindeutigen Trends. Für Phasen, in denen die Kurse in eine längere Seitwärtsbewegung einschwenken und häufiger nach oben und unten ausschlagen, gilt die Regel nicht. In solchen Fällen produzieren die Signale eher Fehlmeldungen. Und auch derzeit stellt sich die Frage: Hat sich der große langfristige Trend schon gedreht und geht es künftig längerfristig bergab – oder war der jüngste Absturz nur die dritte kleinere Korrektur in diesem Jahr? Und wird sich das Kursniveau des deutschen Aktienindex Dax bald auf der Ebene von knapp 12.000 Punkten stabilisieren oder nicht?