KolumneNikola – Teslas Herausforderer

Im vergangenen Jahr stellte Nikola einen Prototypen vorNikola Motors

Nikola ist ein Start-up, das erst vor ein paar Jahren gegründet und bisher nur Prototypen produziert hat. Aber nach dem Börsengang im Juni ist der Titel aktuell mit fast 20 Mrd. Dollar bewertet und reicht damit schon an manchen klassischen Automobilbauer heran. Zum Vergleich: Der Automobilzulieferer Continental hat einen ähnlichen Börsenwert und BMW wird an der Börse mit umgerechnet knapp 40 Mrd. Dollar bewertet. Diese Performance an der Börse, ohne ein Produkt verkauft zu haben, ist sogar rasanter als die bei Tesla. Der E-Autobauer hatte bei einem solchen Börsenwert schon Fahrzeuge produziert und ausgeliefert.

Nikola Corp Aktie

Nikola Corp Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Das Thema Mobilität der Zukunft steht derzeit an den Börsen hoch im Kurs. Tesla bricht alle Bewertungsmaßstäbe und auch Wasserstoff-Titel rangieren auf den Beliebtheitsranglisten vieler spekulativer Anleger ganz oben. Wer einsteigen möchte, sollte die Entwicklung genau im Blick behalten, denn die Aktien sind schon sehr gut gelaufen.

Die Aktien von Nikola und Tesla sind ähnlich volatil, doch derzeit spricht noch einiges für den Platzhirschen. So hat Tesla für seinen Cybertruck deutlich mehr Vorbestellungen erzielen können als etwa Nikola für seinen Pick-up. Und auch bei Produkten auf die Aktien bieten die Emittenten auf Tesla eine deutlich größere Auswahl an. Neben Discount- oder Bonuszertifikaten gibt es auch zahlreiche Hebelpapiere. Auf Nikola gibt es nur Long-Hebelpapiere, um auf steigende Kurse zu setzen wie etwa der moderat gehebelte Turbo mit der WKN MA0UE4 (Morgan Stanley). Auf Tesla ist ein vergleichbar gehebeltes Papier der Turbo mit der WKN KB15JG (Citigroup).

Fokus auf den Lkw-Markt

Gemeinsam ist dagegen die Vision beider Unternehmen, nämlich umweltfreundliche Fahrzeuge herzustellen, die keine Abgase erzeugen. Doch während Tesla allein auf E-Mobilität setzt, steht bei Nikola der Wasserstoffantrieb im Fokus. Denn dieser lässt sich vor allem bei schweren Fahrzeugen effektiv nutzen, weshalb Nikola sich auf den Lkw-Markt fokussiert. Diese Fahrzeuge sind die größten Luftverschmutzer auf unseren Straßen und Nikola sieht hier die größte Möglichkeit, umweltschonend zu agieren. Das deckt sich mit den Vorstellungen der EU, die strenge Vorgaben an die Lkw-Hersteller ausgegeben hat. Bis zum Jahr 2025 sollen die CO2-Emissionen um 15 und bis 2030 sogar um 30 Prozent gesenkt werden. Das passt in den Zeitrahmen von Nikola, die 2021 die ersten Wasserstoff-Lkws auf den Markt bringen wollen.

Trevor Milton ist der Gründer von Nikola und ähnlich charismatisch wie sein Pendant bei Tesla, Elon Musk. Milton hat angekündigt, die Transportindustrie mit Wasserstoff-Lkws aufzumischen. Dazu gehört auch der Ausbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes in den USA. Kooperationspartner ist die norwegische Nel Hydrogen, ein führender Hersteller von Elektrolyse-Anlagen, die zur Erzeugung von Wasserstoff benötigt werden.

„Dadurch dass Nikola mit namhaften Herstellern der Automobilbranche zusammenarbeitet, sind die Erfolgschancen aussichtsreich“, meint Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim britischen Broker Activtrades. Neben Nel Hydrogen kooperiert das Lkw-Start-up sehr intensiv mit Bosch und mit dem italienischen Lkw-Hersteller Iveco, der eine geplante Serie von Lkw in Europa bauen wird. Bosch wird die E-Achse samt Softwaretechnik für die Wasserstoff-Brummis liefern und zusammen mit Nikola die notwendigen Brennstoffzellen herstellen. Nikola könnte mit diesem Set-up mehr sein als nur Teslas Herausforderer.

 


Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus