Bankkonto Negativzinsen für Firmenkunden: Wie Unternehmer sie umgehen

Auch einige Sparkassen erheben Strafzinsen
Auch einige Sparkassen erheben Strafzinsen
© IMAGO / Future Image
Immer mehr Banken verlangen von Firmenkunden Negativzinsen. In nur zwei Jahren hat sich ihre Zahl verdreifacht, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Besonders Handwerker und Kleinunternehmer bringt das schnell in Nöte

Frankfurt bleibt hart, zumindest vorerst: Trotz hoher Inflationsraten belassen die obersten Währungshüter um Christine Lagarde den Leitzins im Euroraum weiter auf einem Rekordtief von null Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt damit ihrer ultralockeren Geldpolitik treu, wenngleich mehrere Volkswirte Anzeichen für eine Kursänderung sehen .

Für Verbraucher bedeutet die Entscheidung dennoch, dass mittelfristig wohl noch weitere Banken Negativzinsen verlangen werden. Derzeit stellen schon mehr als ein Drittel aller 1300 Banken und Sparkassen in Deutschland ihren Privatkunden Strafzinsen in Rechnung, wenn sie über die jeweilige Freibetragsgrenze kommen.

Diese Praxis schlägt zunehmend auch bei Firmenkunden durch, wie eine aktuelle Auswertung des Finanzportals Biallo für Capital zeigt: Verlangten Anfang 2020 noch 190 Geldinstitute Strafzinsen für Handwerker und Gewerbetreibende, tun dies jetzt 583. Das sind mehr als dreimal so viele und entspricht einem Anstieg um gut 200 Prozent. Dabei müssen gerade Handwerker und Gewerbetreibene oft kurzfristig liquide sein, um laufende Ausgaben zu tätigen. Durch ihre Umsätze landen außerdem regelmäßig größere Summen auf ihrem Konto - und je mehr Geld dort liegt, desto mehr Zinsen werden fällig.

Manche Banken verlangen mehr als EZB

Alle Kreditinstitute müssen aktuell minus 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Dieses Verwahrentgelt leiten viele Häuser direkt an ihre Privat- und Firmenkunden weiter. Knapp drei Viertel der entsprechenden Banken tun dies und verlangen von ihren Geschäftskunden ebenfalls minus 0,5 Prozent Strafzinsen.

Einige Geldhäuser machen keine Angaben zum Verwahrentgelt bzw. treffen mit ihren Kunden individuelle Vereinbarungen. 19 Banken allerdings stellen Firmenkunden sogar mehr in Rechnung, als sie selbst bei der EZB zahlen müssen: Bei der genossenschaftlichen Bank 1 Saar zum Beispiel mussten Handwerker und Gewerbetreibende zeitweise minus 0,75 Prozent ab einer Summe von 10.000 Euro zahlen. Auf Nachfrage von Capital teilt das Unternehmen mit, dass das Verwahrentgelt mittlerweile auf minus 0,5 Prozent gesenkt worden sei.

Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg verlangt 0,6 Prozent ab dem ersten Euro für Neukunden, obwohl sie bei der EZB nur einen Einlagezins von minus 0,5 Prozent zahlen muss. Man werde „in Kürze Anpassungen aufgrund der aktuellen Marktentwicklung vornehmen“, so eine Sprecherin. Was das genau heißt, sagte sie nicht.

Gerade bei der Höhe der Freibeträge gibt es große Unterschiede: Die Mehrheit der von Biallo befragten Banken verlangen Strafzinsen ab 100.000 oder 50.000 Euro. Es gibt allerdings auch Institute, die sie schon ab geringen Kontobeträgen von 1 bis 10.000 Euro fordern.

So vermeiden Unternehmer Negativzinsen

Um Strafzinsen zu vermeiden, haben Unternehmerinnen und Unternehmer mehrere Möglichkeiten:

Die naheliegendste Option ist, sich ein zusätzliches Geschäftskonto anzulegen bei einer Bank, die keine Strafzinsen von ihren Kunden verlangt. Die Biallo-Finanzexperten empfehlen allerdings, für Bewegung auf dem Konto zu sorgen, etwa durch Daueraufträge oder Überweisungen. Ansonsten könnte es auch mal sein, dass die Bank nachfragt. Natürlich besteht die Gefahr, dass das neue Institut nach einiger Zeit ebenfalls Negativzinsen einführt. Oft trifft das aber vor allem Neukunden.

Eine andere Möglichkeit kann sein, überschüssiges Geld anzulegen. Dies eignet sich besonders für Unternehmen, die fortlaufend höhere Überschüsse haben. Volksbanken und Sparkassen haben mit ihren Fondsgesellschaften Union Investment und Deka Investment eigene Fondsprodukte im Portfolio. Wer Ausgabeaufschläge und mögliche Depotgebühren umgehen will, kann auch auf einen Robo-Advisor setzen. Die bieten einige Häuser nämlich nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Geschäftskunden an, so zum Beispiel Ginmon, Whitebox oder Growney.

Auch Genossenschaftsanteile können eine Option sein, wenn Firmen und Handwerker Negativzinsen umgehen wollen. Viele Genossenschaftsbanken akzeptieren laut Biallo auch juristische Personen und schütten eine Dividende aus. Beachten müsse man aber die Kündigungsfristen, denn anders als bei Konten fallen die zuweilen länger aus. Wer also schnellen Zugriff auf sein oder ihr Geld braucht, sollte besser eine der anderen Möglichkeiten wählen.

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