InterviewKlimaschutz-Investitionen: „Wir sind einfach viel zu langsam“

Symbolbild Windparkimago images / blickwinkel

Das ist mal eine klare Ansage auf der Website des Energiedienstleisters Kaiserwetter: „Max 1,5 Grad Celcius – Let’s FCKNG get there.“ Höflich übersetzt: „Lasst es uns anpacken, das 1,5 Grad Celsius-Klimaziel des Pariser Abkommens zu erreichen.“ Das Klimaabkommen von 2015 formuliert das Ziel, dass die weltweite Durchschnittstemperatur nur um maximal 1,5 Grad Celsius ansteigen soll. Deshalb muss die Emissionen klimaschädlicher Stoffe wie Kohlendioxid beschränkt werden. Wie der Hamburger Energiedienstleister Kaiserwetter mittels künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge dazu seinen Beitrag leisten will, erläutert im Capital-Interview Gründer und Chef Hanno Schoklitsch.

Hanno Schoklitsch

Gegründet hat Schoklitsch Kaiserwetter im Jahr 2012, „mitten in der wilden Zeit der Energiewende“, wie er rückblickend scherzt. Zuvor war der studierte Bauingenieur in der Finanzbranche tätig und hat unter anderem das Geld zahlreicher Privatanleger verwaltet, nämlich von 2005 bis 2007 als Manager des offenen Immobilienfonds „Deka Immobilien Europa“ im Volumen von seinerzeit fast 8 Mrd. Euro. Zwischen Immobilien und Anlagen im Bereich erneuerbare Energien sieht er keinen allzu großen Unterschied. „Beides sind langfristige Investments und es geht um den maximalen Ertrag für den Investor.“

Mit Kaiserwetter will er nun den „Push in die erneuerbaren Energien beschleunigen“. Dieser sei schon vereinzelt zu beobachten, aber eben „noch nicht flächendeckend“. Insbesondere mit der Umsetzung des 1,5-Prozent-Zieles hadert er. „Wir sind einfach viel zu langsam und kämpfen noch gegen die alte Welt an.“ Das Pariser Klimaziel könne jedoch „nur durch den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht werden, allerdings benötigen wir dafür nach Angaben der Weltbank bis 2030 rund 1,5 Billionen Euro an globalen Investitionen in erneuerbare Energien.“

Damit dürfte sich auch das Wachstum der Anlageklasse erneuerbare Energien – insbesondere Wind- und Solarenergie fortsetzen, in das jetzt schon viele Institutionelle ihre Mittel umschichten. „Das Kapital ist ein wesentlicher Treiber der Transformation zu einer emissionsfreien Energieerzeugung. Investoren gehen sehr bewusst in diese Richtung“, sagt Schoklitsch. Seiner Einschätzung nach werden jedoch erst dann global beträchtliche Investitionen in erneuerbare Energien getätigt, „wenn die Investitionsrisiken minimiert und die Renditen maximiert werden“. Ferner „müssen höchste Standards an Transparenz erzielt werden – insbesondere, wenn es sich um Investitionen in Schwellenländern handelt.“

An dieser Stelle setzt Kaiserwetter mit seinen Produkten an, die teils mit SAP-Software gekoppelt sind. Sie sollen Anlegern bei der Entscheidung über Investitionen in erneuerbare Energien helfen. „Unsere Kunden fragen sich, ob sie in eine Anlage investieren sollen oder nicht“, erläutert Schoklitsch. „Und wenn sie investiert haben, dann möchten sie ihre Rendite maximieren.“ Die Kaiserwetter-Tools setzen dabei auf künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge. Während über den mit dem Internet verbundenen Kühlschrank also noch weiter diskutiert wird, ist dies für Windräder längst Realität. „Wir öffnen den Blick dafür, was man mit Daten alles machen kann“, sagt Schoklitsch. „Wir nutzen alle technischen Daten aus dem operativen System, bei einem Windrad beispielsweise von der Öltemperatur bis zu Stromerzeugung.“ Daten werden teilweise direkt mittels Satelliten übertragen. Die Ergebnisse sind nicht nur wichtig für Investoren, sondern auch Banken, die ein Windrad mit Krediten finanzieren.

Und was ist an Effizienzsteigerung drin? Schoklitsch spricht von drei bis fünf Prozent, die ein Windrad oder ein Solarpark mehr an Strom erzeugen kann, wenn Kaiserwetter-Tools mit Namen wie Aristoteles oder Zulu zum Einsatz kommen. Jedes Kilowatt-Windstrom mehr verringert den Bedarf an fossiler Energie – und bringt die Menschheit dem Pariser Klimaziel „etwas FCKNG näher“.

 


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