BilanzskandalGreensill-Fonds wollen zurückzahlen

Eingang zur geschlossenen Greensill Bank in BremenGetty Images

Für Investoren in die Greensill-Fonds des Schweizer Vermögensverwalters GAM könnte das Engagement glimpflich ausgehen. 70 Prozent ihres Geldes haben sie bereits zurückerhalten, der Rest soll in den kommenden neun Monaten fließen. So verspricht es GAM in seinem aktuellen Geschäftsbericht. Ob allerdings alles zurückgezahlt werden kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Medienberichten zufolge könnte es im Firmengeflecht von Sanjeev Gupta, einem Großkunden der zusammengebrochenen Greensill Capital zu Betrugsfällen gekommen sein. Damit würde sich auch die Frage nach der Werthaltigkeit der noch in den Fonds enthaltenen Papieren stellen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll Greensill Capital abgewickelt werden.

Die GAM-Fonds waren Anfang März beim Zusammenbruch von Greensill Capital geschlossen worden. In diesem Zusammenhang machte die deutsche Finanzaufsicht die Greensill Bank in Bremen dicht. Hier hatten viele Privatanleger, angelockt von höheren Zinsen, Geld angelegt. Während sie entschädigt wurden, verloren zahlreiche Kommunen und andere öffentliche Institutionen viel Geld.

Institutionelle Investoren wie zum Beispiel Pensionskassen oder Versicherer, aber auch Unternehmen, hatten in den „Greensill Supply Chain Finance Fund“ von GAM investiert, der aus verschiedenen Tranchen in unterschiedlichen Währungen besteht. „Das Geschäftsmodell dahinter: Greensill tätigt Handelsfinanzierungen und bündelt die Forderungen, die wiederum als Notes im GAM-Fonds landen“, schrieb das Schweizer Finanzmedium Finews.ch. Mit dem Zusammenbruch von Greensill stand die Werthaltigkeit der Wertpapiere (Notes) in Frage. GAM erklärte deshalb im März: „Alle Vermögenswerte innerhalb des Fonds haben eine Endfälligkeit von 12 Monaten oder weniger, mit einer gewichteten durchschnittlichen Laufzeit von weniger als 60 Tagen und werden in Luxemburg domizilierten Strukturen gehalten und geschützt.“

Im aktuellen Geschäftsbericht wird der Fondsanbieter nun konkreter: „Ausgehend von den Fälligkeiten der zugrunde liegenden Schuldverschreibungen werden die Zahlungen in geordneter Weise erfolgen“, schreibt GAM. „Bis jetzt haben die Investoren 70 Prozent ihres verwalteten Vermögens (berechnet per 5. März 2021) zurückerhalten; die noch ausstehenden Zahlungen erfolgen fortlaufend, sobald die zugrunde liegenden Schuldverschreibungen in den nächsten neun Monaten fällig werden.“

Die Zweifel an der Werthaltigkeit an Forderungen im GAM-Greensill-Fund waren durch einen Bericht in der „Financial Times“ entstanden. Dem Bericht zufolge könnte der Stahlunternehmer Sanjeev Gupta (Liberty Steel), ein wichtiger Kunde von Greensill Capital, Rechnungen gefälscht haben und damit Forderungen vorgegeben haben, die es gar nicht gibt. Kundenforderungen sind die Grundlage der Notes in den GAM-Fonds. Alle im GAM-Fonds enthaltenen Forderungen befinden sich nach Firmenangaben außerhalb von Liberty Steel. Ähnliche Produkte hatte die Credit Suisse aufgelegt, hier ist noch unklar ob diese in Verbindung mit Liberty Steel stehen.

GAM ordnete seinen Greensill-Fonds als geldmarktnaher Fonds ein, die Papiere haben also in der Regel eine Laufzeit von bis zu zwölf Monaten. Der Fonds wurde, so eine Sprecherin, konzipiert, „um Anlegern eine Alternative zu traditionellen Geldmarktfonds und Cash Management zu bieten, was bedeutet, dass von Natur aus eher kurzfristig orientierte Anleger in den Fonds investiert waren, wie z. B. Treasury-Kunden.“ Gestartet wurde der Fonds Im Juli 2016, er erreichte nach Firmenangaben im Sommer 2018 seinen Höchststand mit rund 3 Mrd. Dollar. Anfang 2021 waren es noch 842 Mio. Dollar bei weniger als zehn Kunden. Schon im Jahr 2019 berichtete GAM in seinen quartalsweise veröffentlichten Geschäftsberichten von Abflüssen aus dem Fonds, 2020 habe es dann wieder leichte Zuflüsse gegeben.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag vom 22. April wurde am 23. April aktualisiert

 


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