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Aktienindex Der Dax wächst auf 40 Werte – das sind die Neuen

Der Dax wächst von 30 auf 40 Titel
Der Dax wächst von 30 auf 40 Titel
© Gene Glover
Die zehn Dax-Aufsteiger stehen fest. Die Liste der Neuen brachte erwartungsgemäß wenig Überraschungen mit sich. Anleger sollten in den kommenden beiden Wochen bis zur Umstellung des Index allerdings nicht versuchen, auf volatile Einzelaktien zu zocken

In Deutschland gehört es selbst für Aktienmuffel zur Allgemeinbildung, dass der Dax 30 Werte enthält. Nun – dem 20. September heißt es umlernen. Ab diesem Tag wird der wichtigste deutsche Aktienindex 40 Werte enthalten. Das steht zwar schon seit vergangenem Herbst fest, aber bislang waren die zehn Aufsteiger noch nicht offiziell bekannt. Am Freitagabend war es nun soweit: Die deutsche Börse hat die Namen der zehn Neuen bekannt gegeben.

Als Dax-Konzern können sich in gut zwei Wochen bezeichnen:

Die Liste der Aufsteiger dürfte wenig überraschen. Die Mitgliedschaft im Dax richtet sich nach Marktkapitalisierung des Streubesitzes, also dem Gesamtwert der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens. Am Ende hatte es noch ein paar Rangeleien um die letzten Aufstiegsplätze gegeben, aber das war es dann auch. Denn die Daten lagen ja vor.

Der neue Dax 40 ist das sichtbarste Zeichen für die größte Reform am deutschen Aktienmarkt seit vielen Jahren. Daneben hat die Börse aus der Wirecard-Pleite vor einem Jahr und dem folgenden Aufstieg des tiefrote Zahlen schreibenden Essenlieferdienstes Delivery Hero Konsequenzen gezogen. Sie hat ihr Regelwerk angepasst: Pleitefirmen fliegen künftig sofort aus dem Dax oder anderen Indizes des Dax-Familie wie dem TecDax. Und wer in den Dax will, muss am Eingang das 1G-Zertifikat vorlegen: Gewinne machen.

Durch die Verbreiterung wird sich der Charakter des Dax ändern. Er wird weniger von der Industrie dominiert. Stattdessen wird der Gesundheitssektor an Bedeutung gewinnen. Die Hoffnung auf einen digitaleren Dax erfüllt sich hingegen nur teilweise, da einige Aufsteiger aus der Berliner Tech-Szene dem Konsum- und nicht dem Tech-Segment zugeordnet werden. Dies alles hat Konsequenzen nicht nur für Anleger, die ihr Geld gerne über einzelne Aktien investieren und nun auf der Suche nach lohnenden neuen Gelegenheiten sind – für sie hat Capital die zwölf heißesten Aufstiegskandidaten analysiert:

Aber auch für ETF-Anleger, die lieber gleich den gesamten Index kaufen, bringt die Reform Vorteile. Denn je mehr Aktien in einem Index enthalten sind, desto weniger schlagen Probleme einzelner Unternehmen durch. In der Vergangenheit hatten Branchenkrisen wie bei den Banken oder den Autoherstellern immer wieder den Dax belastet. Die Folge war, dass er etwa gegenüber den von Wachstumswerten aus der Tech-Branche dominierten US-Börsen deutlich hinterherhinkte.

Doch die Reform des Dax hat auch eine Schattenseite, insbesondere für Anleger in Nebenwerte. Die Aufsteiger entstammen alle dem MDax, der nicht nur rund die Hälfte seiner Marktkapitalisierung verliert, sondern vor allem auch viele wachstumsstarke Unternehmen. Es könnte sein, dass zunächst einmal die Zeiten vorbei sind, in denen der MDax den Dax klar abgehängt hat.

Wegen der Vergrößerung bzw. Verkleinerung werden Dax und MDax allerdings keinen Kurssprung machen bzw. deutlich abrutschen. Das liegt an der komplexen Formel zur Indexberechnung: Sie enthält Summenzeichen oberhalb und unterhalb eines Bruchs sowie Faktoren etwa zur Einberechnung von Dividendenzahlungen. Vereinfacht gesagt werden Kursänderungen von Aktien nach ihrem Gewicht im Dax aufsummiert. Am Ende entspricht der Korb an Aktien immer 100 Prozent, egal ob 30 oder 40 Werte im Dax enthalten sind.

Allerdings könnte in den kommenden zwei Wochen bei der einen oder anderen Aktie die Volatilität höher liegen. Dies dürfte insbesondere für den MDax gelten, in dem ETF-Anbieter rund die Hälfte ihres Anlagevolumens umschichten müssen. Zwar haben sich Profi-Investoren und ETF-Anbieter bereits für die Umstellung vorbereitet und positioniert, teils auch über Derivate. Aber hier und da könnte es doch klemmen, etwa bei der Liquidität kleinerer MDax-Werte. Privatanleger sollten in diesem Umfeld nicht versuchen mitzuzocken. Denn in welche Richtung Aktien ausschlagen, wenn sie es überhaupt tun, ist nicht vorherzusehen.

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