SmartMoney AppDas Lob des Nichtstuns bei der Geldanlage

Symbolbild Geldanlage
Symbolbild GeldanlageGetty Images

Es ist der 2. Juli 2016, Fußball-EM in Frankreich, an diesem Abend läuft das Viertelfinale Deutschland gegen Italien – ein enges Spiel, das mit Elfmeterschießen endet. Dort steht es nun 2:2, Manuel Neuer läuft wieder ins Tor, während der italienische Mittelfeldspieler Emanuele Giaccherini den Ball auf den Punkt legt. Er muss verwandeln, sonst könnte Deutschland mit dem nächsten Treffer gewinnen. Neuer hüpft auf der Linie auf und ab, Giaccherini läuft an – und noch bevor Giaccherini den Ball richtig getroffen hat, springt Neuer in die linke Ecke. Giaccherini aber kickt den Ball locker in die Mitte des Tores, dorthin, wo Neuer nun nicht mehr steht. 2:3. Vorteil Italien.

Es ist nur ein Elfmeterschießen – doch man kann aus ihm etwas für die Geldanlage lernen, über die Irrtümer und irrationalen Muster, denen der Mensch bei komplexen Entscheidungen oft folgt.

Aber – bevor es um dieses Elfmeterschießen geht, hier eine andere kurze Überlegung zum Thema Geldanlegen: Mal angenommen, Sie sind Sparer, würden monatlich schon eine gute Summe beiseitelegen – und nun versuchen, noch einmal 50 Euro mehr pro Monat zu sparen. Klingt nicht nach viel, hieße aber zum Beispiel, jeden Monat bewusst auf einen Restaurantbesuch zu verzichten – und das klingt für viele dann doch wieder nach viel. Wer versagt sich schon gern freiwillig, was er sich zuvor noch gegönnt hat? Niemand – das weiß auch die Wissenschaft. Sie kennt unsere Angst vor Verlusten. In den Wirtschaftswissenschaften spricht man auch von Verlust-Aversion.

Wie wäre es also stattdessen mit folgendem Vorschlag? Sie legen keine 50 Euro auf einmal beiseite – stattdessen wird bei jedem größeren Einkauf der zu zahlende Betrag einfach aufgerundet. Kauft man einen Pullover für 57 Euro, werden 60 Euro vom Konto abgebucht. 57 Euro bekommt der Laden, die 3 Euro fließen auf das Sparkonto.

Ein nützlicher Defekt

Zweierlei wird dabei passieren: Zum einen dürften so mehr als die angepeilten 50 Euro monatlich zusammenkommen. Zum Zweiten wird das Sparen kaum auffallen. Im Laufe eines Monats geht man essen, tanken, ins Kino und regelmäßig in den Supermarkt – jedes Mal können dabei 3, 4 Euro extra aufs Sparkonto wandern. Da hat man 50 Euro flott beisammen.

Die Methode ist dabei egal: Das Wechselgeld im Portemonnaie verstauen, mit Karte zahlen und zusätzlich eine App herunterladen, die das Aufrunden und Überweisen übernimmt (wie etwa Peaks oder Clinc) – oder das Angebot klassischer Banken nutzen, von denen manche mittlerweile eine solche Funktion beim Onlinekonto anbieten (die HVB etwa).

 


SmartMoney heißt die App, die Capital zusammen mit dem Greenhouse Innovation Lab von Gruner + Jahr entwickelt hat. In Dutzenden Audiolektionen lernen die Hörer von den Grundlagen bis zu überraschenden Kniffen alles, was man über Geldanlage wissen muss. Der vorliegende Text ist eine leicht bearbeitete Lektion aus dem ersten Modul „Aller Anfang ist mehr“. Die App bekommen Sie bei Google Play oder im App Store. Weitere Infos zur App SmartMoney erhalten Sie hier.


 

Und: Hört sich das mit den Kleinbeträgen schlimm an? Deutlich weniger jedenfalls, als 50 Euro auf einen Schlag zu sparen. Denn was uns an dieser Stelle nützt, ist ein kleiner menschlicher Defekt beim Denken: Wenn wir mehrere Ereignisse aneinanderkoppeln, in diesem Fall zwei Ausgaben, nimmt unser Kopf die größere Summe ungleich stärker wahr. Die kleinere Ausgabe fürs Aufrunden dagegen fällt ihm kaum noch auf.

Es ist einer der vielen psychologischen Kniffe, um die es in SmartMoney häufig geht. Und dass sie immer wieder Thema sind, hat einen einfachen Grund: Wir halten uns für rational handelnde Wesen, obwohl das meist gar nicht stimmt. Sehr viel häufiger kommen uns beim Denken unsere Gefühle dazwischen, gerade wenn es um Geld geht. Und das Gemeine dabei ist: Wir bemerken es oft gar nicht. Es hilft allerdings sehr, diese Mechanismen zu kennen, um nicht immer wieder in die Fallen zu laufen, die unser Gehirn für uns parat hält. Denn oft wäre das klügste Verhalten jenes, das wir intuitiv gar nicht für das richtige halten.