GeldanlageBatterien erobern die Welt

Zwei BYD-Mitarbeiter arbeiten an einer Batterie in einem Bus
Zwei BYD-Mitarbeiter arbeiten an einer Batterie in einem BusGetty Images

Thomas Edison hielt 1883 Batterien für „eine Sensation, ein Mechanismus zum Betrügen der Öffentlichkeit durch Aktiengesellschaften“. Heute ist die Batterieindustrie ein Wachstumsmarkt, der von der Elektrifizierungswelle in der Autobranche befeuert wird. Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung ist die 5-Mrd.-Dollar-Fabrik von Tesla in Nevada. Für Investoren, die vom Aufstieg der Batterie profitieren wollen, sind die Zweifel des Unternehmers aus dem 19. Jahrhunderts jedoch aktuell. Der Weg zur Profitabilität ist noch lange nicht frei.

Ihr Mobiltelefon ist mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, genau wie jedes Elektro-oder Hybrid-Auto. Der Unterschied besteht darin, dass Autos wesentlich leistungsfähigere Batterien benötigen. Die Industrie muss die Produktion von 68 Gigawattstunden Lithium-Ionen-Zellen im vergangenen Jahr auf 1.165 GWh im nächsten Jahrzehnt steigern, schätzt die Maklerfirma Berenberg.

Eine Handvoll ostasiatischer Konzerne stürzt sich auf diese Versorgungslücke. Trotz des Hypes um die Gigafactory von Tesla stellt das Unternehmen selbst keine Batterien für Autos her: Die Zellproduktion liegt in der Verantwortung des japanischen Partners Panasonic. Die anderen führenden Unternehmen auf diesem Gebiet sind LG Chem und Samsung SDI – beides börsennotierte Tochtergesellschaften der gleichnamigen koreanischen Mischkonzerne, die unter anderem Nissan, General Motors und BMW beliefern.

Den Koreanern auf den Fersen sind zwei chinesische Unternehmen, die den stark wachsenden chinesischen Markt für Elektrofahrzeuge zu beliefern: Es handelt sich um das Unternehmen BYD, an dem Berkshire Hathaway und ein Elektroauto-Hersteller zu 8,25 Prozent beteiligt sind, und um Contemporary Amperex Technology, das in den kommenden Monaten einen Börsengang in Shenzhen im Volumen von 2 Mrd. Dollar plant. Diese fünf Unternehmen und einige wenige Neueinsteiger wollen bis 2021 24 Fabriken mit einer Gesamtkapazität von 332 GWh bauen, rechnet Simon Moores vor, Chef der Beratungsfirma Benchmark Mineral Intelligence.

Kein Selbstläufer für Investoren

Anleger, die von diesem Goldrausch profitieren wollen, müssen langfristig denken. Der Kapitalbedarf ist enorm, und die zu unterzeichnenden Verträge sehen nur hauchdünne Margen vor.

Zudem sind schwierige Verhandlungen mit den Automobilherstellern zu erwarten. Außerhalb Chinas ist die Autoindustrie stark konsolidiert, und die Hersteller werden von den Umweltbehörden zur Produktion von Elektroautos gedrängt, obwohl die Kosten nicht wettbewerbsfähig sind. Die einzige Möglichkeit für die Autohersteller besteht darin, ihrerseits Druck auf die Batteriepreise auszuüben. Große neue Fabriken werden es den Zulieferern zwar ermöglichen, die Stückkosten zu senken, aber unter dem Druck der Autobauer könnten auch die Gewinne zusammenschmelzen.

Investoren sind womöglich besser beraten, sich weiter oben in der Lieferkette zu orientieren. Die wertvollste Komponente einer Batterie ist ihre Kathode, von der Lithium-Ionen beim Lade- und Entladevorgang hin- und hergeschleudert werden. Das Verfahren ist ausgereift und verspricht eine rasante Entwicklung, die den Kathodenherstellern einen gewissen Schutz vor dem Kostendruck bieten sollte. Die japanische Sumitomo Metal Mining beliefert Panasonic für Tesla, während die belgische Umicore und einige andere den Rest des Marktes abdecken.

Kommt bald der nächste Technologieschub?

Das Risiko für diese Unternehmen besteht darin, dass eine radikal neue Technologie geplante Investitionen überflüssig macht. Der 95-jährige Professor John Goodenough von der University of Texas, der als Vater der Lithium-Ionen-Batterie gilt, hat in diesem Jahr mit „Solid-State-Zellen“ einen Durchbruch erzielt. Toyota erwartet, dass Autos mit solchen Batterien ab Anfang der 2020er-Jahre verkauft werden könnten.

Die Batterieindustrie steht kurz vor einer rasanten Expansion, aber das Wachstum wird kapitalintensiv und technologisch volatil sein. Batterien sind vielleicht nicht mehr ein Trick, um Privatanleger zu betrügen, aber das heißt noch lange nicht, dass es einfach ist, mit ihnen Geld zu verdienen.

Copyright The Wall Street Journal 2017