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Lutz Röhmeyer „Die Schwankungen von Währungen werden oft überschätzt“

Lutz Röhmeyer
Lutz Röhmeyer ist geschäftsführender Gesellschafter der 2018 gegründeten Berliner Fondsgesellschaft Capitulum Asset Management
© PR
Die Anlage in Währungen gilt als riskant. Lutz Röhmeyer sieht das anders und investiert in über 70 Währungen weltweit. Im Interview erläutert er, warum Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung sicherer sind als Dollar-Bonds und warum der Rubel aufgewertet hat

Herr Röhmeyer, sie investieren mit ihren verschiedenen Fonds in Währungen, vor allem aus Schwellenländern. Das klingt ziemlich riskant.

LUTZ RÖHMEYER: Wir investieren weltweit in alle stabilen Währungen – außer in Euro und in Dollar. Bewusst gehen wir Risiken durch die Anlage in Fremdwährungen ein und wollen dafür durch höhere Renditen belohnt werden. Das ist eine Nische, in der wir rund 2 Mrd. Euro verwalten, und sie ergänzt das Universum traditioneller Bundesanleihen oder US-Treasuries.

Lutz Röhmeyer ist geschäftsführender Gesellschafter der 2018 gegründeten Berliner Fondsgesellschaft Capitulum Asset Management

Geht die Rechnung auf?

Durchaus. Im ersten Halbjahr hat sich unser Capitulum Sustainable Local Currency Bonds Fonds, der nachhaltig in Anleihen in lokalen Währungen anlegt, mehr oder minder konstant gehalten. Über die vergangenen Jahre haben wir meist um die sechs Prozent an unsere Anleger ausgeschüttet, berechnet auf den jeweiligen Kurswert des Fonds.

Ist es nicht viel riskanter in Schwellenländer-Währungen zu investieren als in Euro- oder Dollar-Bonds?

Die Schwankungen von Währungen werden oft überschätzt und die dafür vergüteten Zinsen unterschätzt.

Warum das?

Jedes Land mit eigener Notenbank kann immer Geld in seiner eigenen Währung quasi drucken und seine Schulden in lokaler Währung begleichen. Für Anleihen in Hartwährungen, also Dollar, Euro und britischem Pfund, müssen die Länder Kapitalzuflüsse, Exporteinnahmen oder Währungsreserven haben. Fehlen diese, könnten die Hartwährungsanleihen nicht bedient werden.

Schwellenländer haben meist schlechtere Bonitätsnoten als Industrieländer, das Risiko eines Zahlungsausfalls wird also höher eingeschätzt. Werden sie dafür angemessen mit höheren Renditen entschädigt?

Grundsätzlich investieren wir in eine Währung und nicht in ein Land. Um ihnen ein Beispiel zu geben: Wir sind in eine Anleihe der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung investiert, die in indischen Rupien begeben wurde. Es gibt viele solcher Anleihen von Förder- und Entwicklungsbanken, die deutsche KfW emittiert beispielsweise in mexikanischen Peso, südafrikanischen Rand oder ungarischen Forint. Wir nehmen also das Währungsrisiko auf uns, das diese Förderbanken oder auch deutsche Exporteure nicht eingehen wollen. Dafür erhalten wir die attraktiven Zinskupons, ohne dass wir direkt in die Emittenten Mexiko, Südafrika oder in Ungarn investiert sind.

Können die Währungsschwankungen nicht die Erträge aus den Zinsen auffressen?

Aktuell sind wir in rund 70 Währungen investiert. Erfahrungsgemäß gibt es darunter immer welche, die abwerten und wiederum andere, die aufwerten. Unser Ziel ist es, dass sich die eingegangenen Währungsrisiken im Zeitverlauf ausgleichen und wir so die Kupons der Anleihen vereinnahmen können. Das ergibt dann die Ausschüttung, von der ich bereits sprach. Wenn wir wie aktuell in eine Schwellenländer-Anleihe mit einem Kupon von zehn oder elf Prozent investieren, haben wir ohnehin bereits einen gewissen Puffer gegen Kursschwankungen.

Wie wirkt sich die Zinswende in Europa und den USA auf ihre Anlagen aus?

In der Tat erleben wir derzeit das schlechteste Rentenjahr aller Zeiten vor dem Hintergrund der stark steigenden Zinsen. Die Notenbanken hatten jahrelang den Marktmechanismus ausgeschaltet, und wenn sie ihn jetzt inflationsgetrieben wieder massiv einschalten, macht es sich am Rentenmarkt einfach bemerkbar. In vielen Schwellenländern haben die Notenbanken ihre Leitzinsen schon während des Jahres 2021 deutlich angehoben, das hat ihre Währungen geschützt, auch als die Zinswende in den USA kam.

Wie halten sie es mit dem Rubel?

Wir besitzen einige Rubelanleihen, die von Förderbanken emittiert wurden. Die Aufwertung der russischen Währung ist bemerkenswert, aber zugleich erklärlich. Viele Ausländer müssen derzeit Rubel kaufen, etwa um Energielieferungen zu bezahlen. Zugleich dürfen Inländer in Russland wegen der dortigen Sanktionen kaum ausländische Devisen erwerben, sie verkaufen also kaum Rubel.

Was ist der Effekt?

Rubel werden auf dem Markt knapp, was den Kurs nach oben treibt. In London hat sich deshalb bereits ein reger Offshore-Markt entwickelt für den Handel mit der russischen Währung außerhalb Russlands.

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