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Razzia bei MH-17-Ermittler

, Jens Brambusch

In den Fall MH-17 kommt noch einmal Bewegung. Der Generalbundesanwalt hat jetzt das Haus des Privatermittlers Josef Resch nach Beweisen durchsuchen lassen. Es geht um den Verdacht auf Kriegsverbrechen

Trümmer der MH 17 auf einem Feld in der Ostukraine © Getty Images
Trümmer der MH 17 auf einem Feld in der Ostukraine

Privatermittler Josef Resch ist dieser Tage viel unterwegs. Und das nicht einmal inkognito. Jahrelang zeigte sich der 66-Jährige, wenn überhaupt, nur mit Sonnenbrille und Hut. Nun tingelt er von Interview zu Interview, gibt Zeitungen und Magazinen lange Interviews und plaudert in Fernsehshows über sein Leben. Der Mann, der jahrzehntelang ein Leben im Schatten führte, drängt nun, am Ende seiner Karriere, ans Licht der Öffentlichkeit.

Der Grund dafür ist banal. Resch hat gerade ein Buch auf den Markt gebracht. Er nennt sich selbst „Deutschlands erfahrenster Privatermittler“ und verspricht auszupacken. Über den Drogenboss Pablo Escobar, den ehemaligen Hedgefondsmanager Florian Homm und über MH-17. Die Maschine der Malaysia Airlines, die am 17. Juli 2014 über der Ukraine abgeschossen wurde. 298 Menschen starben damals.

Beweise für die Wahrheitsfindung

Das scheint einigen Leuten nicht zu schmecken. Wie dem Generalbundesanwalt. Am 15. März suchten elf teils schwer bewaffnete Beamte die Wohn- und Geschäftsräume von Resch in Lübeck auf. Aus dem Beschluss der Ermittlungsrichter vom Bundesgerichtshof, der Capital vorliegt, geht hervor, dass gegen „Unbekannt“ wegen des Verdachts eines Kriegsverbrechens ermittelt wird. Es geht um den „Abschuss der Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH 17“. Resch hatte in diesem Fall für anonyme Auftraggeber eine millionenschwere Belohnung auf Hinweise ausgesetzt. Nun scheinen sich auch die Behörden für die Hinweise zu interessieren.

Ziel der Razzia, so steht es in dem Durchsuchungsbeschluss, sei die „Sicherstellung von schriftlichen Unterlagen und Notizen mit Bezug zu dem Absturz“, von Notiz- und Adressbücher mit „Eintragungen zu möglichen Kontaktpersonen, die weitere Auskünfte über den Abschuss geben können, vorzugsweise solchen aus der Ukraine oder aus der Russischen Föderation“ sowie von Datenträgern und Computern.

Und ferner: Es sei davon auszugehen, dass sich in den Privaträumen von Resch „Unterlagen, Dokumente, Adressen oder Dateien auffinden lassen, die weitere Erkenntnisse über den Tathergang und über mögliche Tatbeteiligte an dem Abschuss (...) enthalten, „die für die Wahrheitsfindung von erheblicher Bedeutung sind“.

Privatermittler Josef Resch © Jens Bold
Privatermittler Josef Resch

Resch hatte im September 2014 zunächst 30 Mio. Euro Belohnung im Namen seiner Auftraggeber für Beweise zum Abschuss der MH-17 ausgelobt. Später erhöhte er die Summe um weitere 17 Mio. Euro für Hinweise darauf, wer die Tat vertuscht. Denn an die gängige Lesart, die auch vom deutschen Bundesnachrichtendienst verbreitet wurde, prorussische Separatisten hätten die Maschine mit einer russischen BUK abgeschossen, glaubten Reschs Auftraggeber nicht.

Im Juni vergangenen Jahres sagte Resch gegenüber Capital, seine Auftraggeber hätten die Informationen bekommen, die sie erhalten wollten. Die Belohnung sei gezahlt worden, sein Auftrag sei damit beendet. „Würde die Wahrheit an die Öffentlichkeit kommen, der Konflikt in der Ostukraine würde sehr schnell eskalieren“, sagte Resch damals, ohne die Informationen näher zu benennen.

Traut der Generalbundesanwalt dem BND nicht?

Doch nichts passierte. Als im vergangenen Oktober der niederländische Sicherheitsrat seinen Abschlussbericht vorlegten, schien der Fall endgültig abgehakt. Es wurde ruhig um MH-17. Für die internationalen Ermittler stand fest, dass eine Buk-Rakete die Maschine zerstört habe. Wer allerdings für den Abschuss verantwortlich sein könnte, ließ der Sicherheitsrat offen.

Resch, der zum Zeitpunkt der Razzia in Bayern war, wundert sich: „Wenn der Generalbundesanwalt glaubt, bei mir Beweise zu dem Abschuss zu finden, dann traut er anscheinend den Erkenntnissen des Bundesnachrichtendiensts nicht. Oder aber er befürchtet, unser Informant stammt aus dem Umfeld des BND. Und sollte bei der Razzia überführt werden.“

Zudem wundert sich Resch über das Vorgehen der Beamten. „Musste man die ganze Nachbarschaft mit diesem Aufgebot in Aufruhr versetzen? Hätte man nicht einfach mit drei Leuten klingeln können? Ich hätte sie natürlich reingelassen. Ich habe nichts zu verbergen. Auch habe ich natürlich keine brisanten Unterlagen im Haus, die unsere Informanten gefährden können.“


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