Bilanz Wie sich Corona in den Wirtschaftsdaten widerspiegelt

Der Handel leidet besonders stark unter der Corona-Krise. Die Verwerfungen durch die Pandemie schlagen zunehmend auch auf andere Branchen durch
Der Handel leidet besonders stark unter der Corona-Krise. Die Verwerfungen durch die Pandemie schlagen zunehmend auch auf andere Branchen durch
© Ralph Peters / IMAGO
Insolvenzen, Exporte, Tourismus. Die deutsche Wirtschaft erlebt im zweiten Corona-Quartal ein Auf und Ab. Einige Branchen liegen am Boden, andere erleben einen Aufschwung

Unternehmensinsolvenzen

Im Mai 2020 wurden 1504 Unternehmensinsolvenzen gemeldet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Somit waren das 9,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Allerdings ist diese scheinbar positive Entwicklung eine Fata Morgana. Die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen ist wegen der Corona-Krise seit dem 1. März 2020 ausgesetzt, vorerst bis 30. September. Dann ist mit einer Welle an Insolvenzanträgen zu rechnen. Außerdem lagen die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger 2020 über der Summe vom Mai 2019 (3,1 statt 2,5 Mrd. Euro). Der Grund: Jetzt waren mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen von der Pleite betroffen als im vergangenen Jahr.

In diesen Bereichen wurden im Mai 202 die meisten Unternehmen zahlungsunfähig:

  • Handel: 247 Insolvenzanträge
  • Baugewerbe: 235
  • freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen: 168
  • Gastgewerbe: 164

Exporte

Die Exporte erholen sich langsam. Sie lagen im Mai mit 80,3 Mrd. Euro 9,0 Prozent über dem Wert vom April 2020. Vom Exportvolumen vor der Krise ist Deutschland im zweiten Corona-Quartal aber noch weit entfernt. Denn die Bilanz vom Mai blieb 26,8 Prozent unter dem Niveau vor der Krise im Februar 2020 und 29,7 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

source: tradingeconomics.com

Produktion

Bei der Produktion im Produzierenden Gewerbe zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Mai-Bilanz stieg im Vergleich zum Vormonat (plus 7,8 Prozent), blieb aber weit unter dem Vorjahresmonat zurück (minus 19,5 Prozent). Im Juni betrug das Minus immer noch 11,7 Prozent.

source: tradingeconomics.com

Bauhauptgewerbe

Das Bauhauptgewerbe verzeichnet hingegen eine grundsätzlich positive Entwicklung. Schließlich belief sich der Auftragseingang im Juni auf rund 8,3 Milliarden Euro. „Er war damit nominal (nicht preisbereinigt) 9,2 Prozent höher als im Juni 2019 (7,6 Milliarden Euro) und damit der höchste jemals gemessene Wert an Aufträgen in einem Juni in Deutschland“, berichtete das Statistische Bundesamt. Der Auftragseingang lag im Juni preisbereinigt 12,4 Prozent über dem Vormonat und 1,2 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Gästeübernachtungen

In vielen Urlaubsorten waren im Sommer kurzfristig keine Hotelzimmer mehr zu bekommen. Ausbleibende Geschäftsreisende und Besucher aus dem Ausland aber sorgen in der Tourismusbranche weiterhin für eine Krise . Im Juni wurden 29,5 Millionen Gästeübernachtungen registriert. Das waren somit 41,7 Prozent weniger als im Juni 2019. Im Mai hatte das Minus zum Vorjahresmonat noch bei 74,9 Prozent gelegen. Vor allem ausländischen Gäste blieben fern. Ihre Zahl sank verglichen mit Juni 2019 um 79,0 Prozent.

Stromerzeugung

Die Stromerzeugung ist im April 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,7 Prozent gesunken . Damit waren laut Statistischem Bundesamt erstmals deutliche Auswirkungen der Corona-Krise im zweiten Quartal am Strommarkt sichtbar, die auf den geringeren Strombedarf zurückzuführen sind. Die Stromeinspeisung aus konventionellen Energieträgern sank besonders stark, nämlich um rund ein Drittel. Die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energieträgern stieg dagegen um 4,7 Prozent. Sie konnten deshalb ihren Anteil an der Gesamtstrommenge von 44,2 (April 2019) auf 55,6 (April 2020) Prozent steigern.

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