Euro-AustrittWirbel um Capital-Interview in Italien

Capital-Interview mit Borghi
Capital-Interview mit BorghiCapital

„Der Euro ist die falsche Währung für Italien“. Das behauptet Claudio Borghi, der Wirtschaftsberater von Lega-Chef Matteo Salvini, im Interview mit Capital. Und dabei lässt es der wirtschaftliche Vordenker der rechten Partei nicht bewenden: „Ich bin überzeugt“, legt Borghi gegenüber Capital nach,  „dass der Euro-Austritt unserem Land guttäte.“

Mit diesen Statements sorgt Borghi gerade für Aufregung in seiner Heimat – auch wenn der 49-Jährige relativiert, dass er den Austritt nur dann vollziehen würde, wenn er eine demokratische Legitimation dafür hätte oder aus Gründen der nationalen  Sicherheit dazu gezwungen würde. Kurz nachdem Capital am Mittwoch eine Pressemitteilung mit seinen Aussagen veröffentlichte, berichteten Dutzende italienische Medien, darunter der Rundfunksender Rai, die Nachrichtenagentur Ansa und die Zeitung La Repubblica, über Borghis Capital-Interview.

Es platzt hinein in den seit Tagen tobenden Machtkampf in Rom. Den hatte Borghis Lega selbst ausgelöst, als Parteichef Salvini die gemeinsame Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung für arbeitsunfähig  erklärte. Am Dienstag erklärte Premierminister Giuseppe Conte seinen Rücktritt; die Regierung ist damit zerbrochen. Nun könnte es entweder eine neue Koalition der Fünf Sterne mit der sozialdemokratischen PD geben, ein Technokratenkabinett – oder Neuwahlen. Diese würde die Lega nach dem bisherigen Stand der Umfragen deutlich gewinnen. Zuletzt lag die Rechtsaußen-Partei teils deutlich über 35 Prozent.

Angst ums Ersparte

Borghis Aussagen zum Euro könnten der Lega allerdings schaden. Um Italien künftig zu regieren, ist Salvini auf die Stimmen der Mittelklasse angewiesen. Und viele Italiener sehen ihr Erspartes in Gefahr, falls der Euro durch eine andere Währung ersetzt werden sollte. Die Lega selbst hat schon einmal eine Anti-Euro-Kampagne geführt, diese aber im Sommer 2018 bei ihrem Eintritt in die Regierung beerdigt. I

Nun fragen sich Beobachter, ob die Lega ihre alte Kampagne in der Oppositionbank oder im Wahlkampf wieder aufwärmt. Die „Huffington Post“ etwa schreibt: „Wieder gegen Europa und wieder gegen die Technokraten. Das ist die Strategie, mit der Matteo Salvini die künftige Regierung quälen wird.“

Aus der Politik greifen vor allem die Sozialdemokraten Borghis Aussagen auf – und geißeln sie.  Italiens früherere Premierminister Matteo Renzi etwa schreibt auf Facebook: „Salvini macht mich dafür verantwortlich, dass er in wenigen Stunden das Innenministerium verlassen muss. (…) Aber wenn ich lese, dass seine rechte Hand Borghi einer deutschen Zeitung sagt, dass ein Ausstieg aus dem Euro Italien gut tun würde, bin ich immer mehr von dem überzeugt, was ich getan habe.“

Die einstige „Lega Nord“ war bis vor wenigen Jahren eine separatistische Splitterpartei, die unter anderem den nördlichen Landesteil vom armen Süden abspalten wollte. Erst in den letzten Monaten hat es Salvini geschafft – unter anderem mit einem wirtschaftspolitisch gemäßigten Kurs – die neu benannte „Lega“ zur führenden Kraft im ganzen Land zu machen.

Capital hatte das Interview mit Borghi Ende Juli in Rom geführt. Damals war die Lega noch Teil der Regierung – und Borghi Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Parlament. Nach dem Platzen der Koalition stand der Politiker nicht für ein weiteres Gespräch zur Verfügung.

Reaktion auf Twitter

Als die italienischen Medien an diesem Mittwoch nun seine Aussagen aus dem Capital-Interview verbreiteten, twitterte Borghi: „Sie versuchen es noch einmal mit dem üblichen Trick: Sie nehmen mein Interview vor einem Monat, in dem ich sage, dass ich den Euro nicht mag (welch Neuigkeit!), ABER ich würde den Euro niemals verlassen, ohne eine volle demokratische Legitimation. Offensichtlich wird das ABER weggelassen und der Titel funktioniert.“

Capital weist diesen Vorwurf zurück. Die Redaktion hat gleich zu Anfang der Pressemitteilung über das Interview aufgeführt, unter welchen Bedingungen Borghi aus dem Euro austreten würde. Und in unserem Interview selbst ist dieses „Aber“ selbstverständlich auch zu finden. Hier begründet Borghi außerdem detailliert, was ihn am Euro abstößt und warum Italien seiner Meinung nach ein höheres Staatsdefizit braucht. Und er zeigt uns seine Entwürfe für so genannte „Minibots“: eine Art Parallelgeld, das die Lega einführen könnte, sollte sie demnächst die Macht in Rom übernehmen.


Das ganze Interview lesen Sie in der neuen Capital-Ausgabe, die am 22. August erscheint. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay