USA vs. ChinaWie der Handelskonflikt die Weltwirtschaft belastet

Burgfrieden: US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi beim G20-Gipfel in Osaka
Burgfrieden: US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi beim G20-Gipfel in Osakadpa

Beim G20-Gipfel im japanischen Osaka am vergangenen Samstag richteten sich alle Blicke auf China und den USA. Wie würden sich die beiden Großmächte begegnen, deren Handelsstreit so viele Schlagzeilen produziert? Tatsächlich schlugen US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping versöhnliche Töne an. „Es wäre historisch, wenn wir ein faires Handelsabkommen abschließen können. Wir sind offen dafür – und Sie sind offen dafür“ sagte Trump auf dem Gipfel zu Xi. Die zerstrittenen Staaten vereinbarten einen Waffenstillstand in ihrem Handelskonflikt. Die USA wollen neue Strafzölle auf chinesische Importe vorerst aussetzen, die Verhandlungen sollen wieder aufgenommen werden. Ein endgültiger Frieden ist das freilich nicht.

Den braucht es allerdings laut einer aktuellen Studie von Flossbach von Storch, „um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Erwartungen zu erreichen“. Denn der Handelsstreit wirkt sich negativ auf die US-Wirtschaft aus, zeigt die Untersuchung des Kölner Vermögensverwalters: „Der Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe und den Dienstleistungssektor befindet sich seit Mitte 2018 im Abwärtstrend. Auch die US-Industrieproduktion und die Auftragseingänge für Investitionsgüter sind seit Ende 2018 gesunken“, schreiben die Studienautoren. Besonders schwerwiegend: Aufgrund der Unwägbarkeiten des Handelskonflikts leide das Vertrauen der US-Unternehmen in die amerikanische Wirtschaft. Das dämpft ihre Investitionsbereitschaft.

Der Handelskonflikt ist auch ein Technologiestreit

Der Konflikt wirkt weit über die Landesgrenzen der beteiligten Parteien hinaus. Der Welthandel ist seit dem Jahr 2018 ähnlich stark eingebrochen wie in vergangenen Rezessionen, beobachtet Frank Fischer, Anlagestratege bei der Shareholder Value Management. Für ihn ist klar: „Die Auswirkungen des Streits zwischen China und den USA sind in der globalen Konjunktur mittlerweile nicht mehr zu übersehen.“ Daten über die allgemeine Marktstimmung in China zeigten einen Konjunkturknick – „dies macht sich nachfrageseitig auch in Europa bemerkbar“, sagt Fischer. Ohne Einigung drohe Unternehmen eine Umsatz- und Gewinn-Rezession.

Bei dem Konflikt geht es nicht nur um Strafzölle. Der Streit zwischen China und den USA ist auch ein Technologiestreit, geschürt von der amerikanischen Angst, dass China Ideen und Technologien abgreift und kopiert. Auch bemühen sich beide Staaten um Nordkorea, immer darauf aus, den eigenen Einfluss auf die Diktatur zu stärken. Außerdem sind da noch die anhaltenden Proteste in Hongkong gegen das geplante chinesische Auslieferungsgesetz, in die sich die US-Regierung einmischt – und damit China verärgert. Und schließlich geht es um Politik: Während China Trumps Aussichten auf eine Wiederwahl als Präsident verhageln will, versucht Trump genau das Gegenteil und demonstriert Stärke. Beide Seiten zeigen sich deshalb unnachgiebig.

Eine besondere Bedeutung in dem Handelsstreit kam bisher den Zentralbanken zu. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kündigten an, bei einer Verschärfung des Handelskonflikts mit Schutzmaßnahmen reagieren zu wollen. Marktteilnehmer gehen deshalb davon aus, dass die Leitzinsen bald weiter sinken könnten. Auch weitere Anleihekäufe durch die EZB sind nach der jüngsten Ratssitzung der Notenbank im Gespräch. Anleger sollten sich jedoch nicht zu sehr auf die Zentralbanken verlassen, warnt David Riley, Chefstratege bei Bluebay Asset Management. „Zinssenkungen werden die Unsicherheit der Handelspolitik nicht ausräumen können, und die Aussicht auf das globale Wachstum bleibt fragil“, sagt er und empfiehlt: „Investoren sollten daher vorsichtig vorgehen.“