Ukraine-Krieg Wenn eine Brautmoden-Firma plötzlich Militärnetze näht

Eine ukrainische Modefirma näht jetzt Militärnetze, Fleece-Hoodies und Schutzwesten in traditionellem Flecktarn für Soldaten und das medizinische Personal. (Symbolbild)
Eine ukrainische Modefirma näht jetzt Militärnetze, Fleece-Hoodies und Schutzwesten in traditionellem Flecktarn für Soldaten und das medizinische Personal. (Symbolbild)
© IMAGO / ZUMA Wire
Festliche Hochzeitskleider mit Spitze und Tüll sind die Spezialität der ukrainischen Modefirma Milla Nova. Jetzt nähen sie für das Militär

Die ukrainische Modefirma Milla Nova ist eigentlich für ihre dekadenten Hochzeitskleider mit Spitze und Tüll bekannt. Doch in den vergangenen Wochen werden im Westen des Landes am Hauptsitz Lwiw auch Militärnetze, Fleece-Hoodies und Schutzwesten in traditionellem Flecktarn für Soldaten und das medizinische Personal genäht. „Wir machen nicht nur Bräute auf der ganzen Welt glücklich, sondern konzentrieren uns auch darauf, unser Land zu retten“, sagte die Geschäftsführerin des Unternehmens, Uljana Kyrychuk, dem US-Fernsehsender CNN. Trotz der vielen Herausforderungen sei sie fest entschlossen, das Unternehmen während des Krieges weiterzuführen.

Durch die Zusammenarbeit mit ihrem Lieferantennetz sei die Marke auch in diesen schwierigen Zeiten in der Lage, die für die Produktion erforderlichen Materialien schnell zu beschaffen. Kyrychuk erklärte gegenüber CNN, ihre Angestellten hätten bereits 1500 Artikel hergestellt. Um die Fabrik in Lwiw zu erreichen, nähmen viele der überwiegend weiblichen Mitarbeiter nicht nur lange Fahrten in Kauf, sondern würden auch Überstunden schieben – und das alles zusätzlich zu ihrer regulären Arbeit.

Kyrychuk bestätigt CNN, dass alle Angestellten im Februar bezahlt wurden und ihr Managementteam „rund um die Uhr daran arbeitet, die Geschäftsabläufe zu organisieren und unsere Mitarbeiter zu bezahlen.“ Ihr Ziel als Geschäftsführerin sei es, ihre derzeit rund 600 Mitarbeiter zu schützen und ihre Zukunft zu sichern. Sie sei außerdem bereit, neue Mitarbeiter aus der Ostukraine einzustellen, die erst kürzlich zu Flüchtlingen geworden sind.

Gleich nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die Modefirma in Polen eine Behelfswerkstatt eingerichtet. Inzwischen arbeiten in Warschau 70 Näherinnen unter anderem auch an einer Sonderkollektion in den Farben der ukrainischen Flagge. Die Kleider in blau und gelb sollen laut Kyrychuk als NFTs verkauft und der Erlös gespendet werden.

„Kinder bemalen auch Kleider mit den Worten 'No War'“, zitiert die britische „Vogue“ Kyrychuk. „Es ist ein emotionales Ventil für Menschen, die von ihrer Umsiedlung betroffen sind.“ Neben der Sonderkollektion vervollständigen die Frauen in Polen aber auch unvollendete Brautaufträge, verschönern und verzieren sie und sind darauf bedacht, den Bedürfnissen ihrer zukünftigen Bräute gerecht zu werden, selbst inmitten der Wirren des Krieges. Das Label plant zudem die Eröffnung eines zweiten Standorts in Polen.

Etwa 450 Mitarbeiterinnen hingegen sind in Lwiw geblieben. „Wir haben Alarmsysteme, einen internen Chat und sichere Bereiche in der Fabrik“, sagt Kyrychuk. Um die Ukraine mit Vlies und Tarnnetzen zu versorgen, setzt die Marke eigene finanzielle Mittel ein. Milla Nova will die Ukraine so lange wie eben nötig weiter mit Kleidung für das Militär versorgen. Doch der Hoffnungsschimmer, schon bald auch in der Ukraine wieder Hochzeitskleider nähen zu können, bleibt. Denn für Kyrychuk sind sie ein Symbol der Einheit, der Liebe und des Feierns.

Der Beitrag ist zuerst auf ntv.de erschienen.

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