BundesligaWenn der Profifußball Staatshilfen braucht

Die Corona-Krise trifft auch die Fußball-Bundesliga mit voller Wucht. Einige Vereine könnten noch in eine Schieflage geratenimago images / Revierfoto

Der Plan hielt nur etwas länger als 48 Stunden. Nachdem am Samstag bekannt geworden war, dass der FC Liverpool auf ein Hilfsprogramm der britischen Regierung zur Bewältigung der Corona-Krise zurückgreifen will, legten die Clubchefs zwei Tage später eine Kehrtwende hin. Dazwischen lag ein saftiger Shitstorm: Ausgerechnet der amtierende Champions-League-Sieger, der in der Saison 2018/2019 noch mehr als 220 Mio. Pfund in Spielerkäufe investierte und einen Vorsteuergewinn von 42 Mio. Pfund verbuchte, wollte einen großen Teil seiner nicht-kickenden Mitarbeiter in die Kurzarbeit beziehungsweise in den Zwangsurlaub schicken – finanziert von der Solidargemeinschaft.

Der FC Liverpool ist nicht der einzige Premier-League-Club, der in der Corona-bedingten Krise der Fußballbranche das „Furlough“-Gesetz entdeckt hat, das der deutschen Kurzarbeitsregelung ähnelt. Andere Vereine haben ihren Kurzarbeitsplan sogar durchgezogen – darunter Norwich City, Newcastle United und Tottenham Hotspur, der Champions-League-Finalist von 2019, der für die vergangene Saison sogar einen satten Gewinn nach Steuern von fast 70 Mio. Pfund eingespielt hat.

Auch in der Bundesliga nutzen bereits zahlreiche Vereine die Möglichkeit, Mitarbeiter in die Kurzarbeit zu schicken, um die Liquidität zu schonen. Clubs wie Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC, Fortuna Düsseldorf, Union Berlin und Mainz 05 greifen auf das Instrument zurück, etwa für Verwaltungsbereiche wie das Ticketing oder Marketing. Auch in der Zweiten Bundesliga ist Kurzarbeit ein Thema. Darüber hinaus haben einige Clubs mit ihren Profis Regelungen für einen Verzicht auf Teile ihres Gehalts ausgehandelt. Bei Großvereinen wie dem FC Bayern München und Borussia Dortmund kommt auf diese Weise jeweils eine zweistellige Millionensumme zusammen.

DFL-Chef warnt vor „Existenzbedrohung“

Doch ob diese Einsparungen reichen, um alle Clubs der Ersten und Zweiten Bundesliga durch die Corona-Krise zu bringen, ist noch nicht absehbar. Entscheidend dafür wird sein, ob die laufende Saison trotz der Epidemie zu Ende gespielt werden kann – ab wann und unter welchen Bedingungen auch immer. Sollte die Spielzeit abgebrochen werden, droht den 36 Proficlubs ein Verlust von etwa einer Dreiviertelmilliarde Euro. Allein rund die Hälfte davon entfällt auf die noch ausstehende Rate aus dem Medienvertrag der Deutschen Fußball Liga (DFL). Bei einem Saisonabbruch könnten einige Vereine in eine „existenzbedrohende Situation“ geraten, warnt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Hannover-96-Chef Martin Kind: „Um zu überleben, könnten am Ende auch Fußballclubs gezwungen sein, Staatshilfe zu beantragen“ (Foto: Imago)

Angesichts der unklaren Aussichten, ob und wann der Ligabetrieb mit Geisterspielen ohne Zuschauer fortgesetzt werden kann, erwartet der erste Clubchef, dass auch manche Bundesligisten auf weitere Hilfsinstrumente des Staates zurückgreifen könnten. „Um zu überleben, könnten am Ende auch Fußballclubs gezwungen sein, Staatshilfe zu beantragen“, sagte Martin Kind, Geschäftsführer von Hannover 96, im Interview mit Capital. Dabei denkt Kind etwa an die Programme der bundeseigenen Förderbank KfW, die Unternehmen mit staatlich verbürgten Krediten stützt.

Insbesondere jene Bundesligisten, die als ausgegliederte Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen, haben grundsätzlich wie jedes mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, über ihre Hausbanken Hilfsanträge bei der KfW einzureichen. In dieser Woche hat die Bundesregierung die KfW-Hilfen noch einmal erweitert. Diese können nun auch von Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeiter beantragt werden. Damit steht dieser Weg grundsätzlich auch für kleinere Clubs offen – wobei Kredite in Millionenhöhe weiterhin erst ab einer Firmengröße von 250 Mitarbeitern möglich sind.

Auch große Traditionsclubs in Gefahr

Wie für Antragsteller aus allen anderen Branchen gilt dabei allerdings auch für Bundesliga-Unternehmen eine klare Voraussetzung: Sie dürfen „bis zum 31.12.2019 nicht in Schwierig­keiten“ gewesen sein, wie es in den Bedingungen für die Hilfsprogramme der Bundesregierung heißt. Das könnte hoch verschuldeten DFL-Mitgliedern oder Clubs mit wiederholten Jahresverlusten den Zugang zu den Hilfen verbauen.

Auf einem anderen Blatt steht dagegen, inwiefern weitergehende Staatshilfen für den Profifußball auf gesellschaftliche Akzeptanz stoßen würde. Die Pläne des FC Liverpool lösten auch deshalb so viel Empörung aus, weil sich die Premier-League-Stars bislang gegen einen eigenen Hilfsbeitrag in Form eines Gehaltsverzichts wehren.

Das ist zumindest bei vielen Bundesligaclubs anders. Darüber hinaus könnten staatliche Hilfen etwa in Form von Kreditbürgschaften nicht nur von den Fans der jeweiligen Vereine als letzte Rettung akzeptiert werden, falls es tatsächlich zum Worst-Case-Szenario eines Saisonabbruchs kommen sollte. In diesem Fall „könnte ein Teil der Vereine in die Insolvenz gehen“, sagte Hannover-96-Chef Kind. In Gefahr seien „einige kleinere Zweitligisten“, aber auch „große Traditionsvereine, die hohe Verbindlichkeiten haben“.