ZombiefirmenWas Kreditausfälle in der Corona-Krise für das Bankensystem bedeuten

Blick auf die Frankfurter Skyline in der Nacht
Die Banken sind dagegen optimistisch, die Krise auffangen zu können.imago images / Marcel Lorenz

Die Corona-Krise setzt zahlreiche Unternehmen wirtschaftlich unter Druck. Mit dem zweiten Lockdown steigt auch die Gefahr für betroffene, vor allem kleine Unternehmen, die Krise wirtschaftlich nicht mehr bewältigen können. Sie können dann möglicherweise Kredite nicht mehr zurückzahlen – und diese Kreditausfälle könnten die deutschen Banken massiv belasten. Besonders betreffen dürfte das Problem Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Sie vergeben oft Kredite an kleine Firmen, zum Beispiel aus dem Einzelhandel und der Gastronomie – Branchen, die die Corona-Krise besonders heftig getroffen hat.

Insolvenz müssen die betroffenen Unternehmen bis Ende des Jahres zwar nicht anmelden – die Bundesregierung hat die Aussetzung der Insolvenzpflicht bis Ende des Jahres verlängert. Das arbeitgebernahe Institut für Wirtschaft befürchtet dadurch allerdings eine wachsende Anzahl an Zombieunternehmen – Unternehmen also, die Verlust machen und eigentlich wirtschaftlich nicht überlebensfähig sind.

4300 Zombieunternehmen bis Ende des Jahres

Nach Berechnungen des IW und des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) könnte sich die Zahl dieser Unternehmen bis Ende des Jahres auf 4300 belaufen. „Tatsächlich erfüllt das geregelte Ausscheiden von Unternehmen, die im Wettbewerb nicht mehr mithalten können, eine wichtige Funktion: Es signalisiert Banken und Geschäftspartnern, dass sie dem betreffenden Unternehmen kein Geld mehr leihen und keine Verträge mit ihm abschließen sollten, und macht Platz für andere Firmen“, schreibt Klaus-Heiner Röhl, Senior Economist für Unternehmen am IW.

Für das deutsche Bankensystem ist die Situation gefährlich. Eine Studie des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostizierte bereits im Juli, dass die Corona-Rezession das Aus für Dutzende Banken bedeuten könnte – im besten Fall. Demnach wären in einem optimistischen Szenario, in dem Deutschland die Corona-Krise wirtschaftlich gut verkraftet, sechs Prozent der Banken in Deutschland durch Kreditausfälle gefährdet. In einem pessimistischen Szenario träfe das auf 28 Prozent der Banken zu, was Hunderten Geldhäusern entspricht.

„Das Bankensystem ist stabil“

IWH-Präsident Gropp hält daher eine Bankenkrise für wahrscheinlich. Und nicht nur das: „Die Gefahr ist ziemlich hoch, dass eine Bankenkrise eine weitere Rezession auslöst“. Denn sollte es viele Kreditausfälle geben und dadurch die Kernkapitalquote der Banken unter sechs Prozent fallen, so können die Banken keine neuen Kredite vergeben. Das könnte Gropp zufolge die ohnehin geschwächte Realwirtschaft zusätzlich stark belasten.

Die Banken sind dagegen optimistisch, die Krise auffangen zu können. Jedem sei bewusst, dass ein Teil-Lockdown Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung haben werde, sagt Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. Man sehe den kommenden Wochen auch alles andere als entspannt entgegen, sehe aber auch keinen Anlass für übertriebene Sorgen. „Das Bankensystem in Deutschland ist heute stabil – und es wird auch morgen stabil sein“, sagt Peters. Es sei klar, dass es im nächsten Jahr einen Anstieg der notleidenden Kredite geben werde. „Wir sind darauf vorbereitet. Kreditausfälle werden die Institute nicht kalt erwischen“, sagt der Bankenpräsident.

Bankenpräsident fordert Nachjustierung der Bankabgabe

Peters fordert weitere Erleichterungen – konkret spricht er sich für eine „dringend notwenige Nachjustierung bei der Bankabgabe“ aus. Die solle nicht mehr proportional mit den gedeckten Einlagen steigen, „sondern sich an der Zielausstattung von 55 Mrd. Euro orientieren“, sagt er. Damit würden den europäischen Banken zusätzliche Mittel in Höhe von etwa 15 Mrd. Euro zur Verfügung stehen, so Peters. „In der aktuellen wirtschaftlich schwierigen Lage wäre dies ein wichtiger Beitrag, um den Kreditvergabespielraum der Banken zu erweitern und das Bankensystem insgesamt zu stärken.“

Entscheidend dafür, wie lange die Banken die Krise abfedern können, ist laut Peters das erste Quartal des kommenden Jahres. „Sollte dieser Lockdown jetzt helfen, sollten wir auch in der Lage sein, die Probleme, die auf uns zukommen, abzufedern.“

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden