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Neue Studie zeigt Warum Unternehmen in schweren Zeiten Diversität hintenanstellen

Vielfalt im Vorstand wird in geschäftlich schwierigen Situationen offenbar nicht als Vorteil, sondern als Risiko wahrgenommen
Vielfalt im Vorstand wird in geschäftlich schwierigen Situationen offenbar nicht als Vorteil, sondern als Risiko wahrgenommen
© IMAGO / Panthermedia
Wenn Unternehmen vor geschäftlichen Schwierigkeiten stehen, leidet darunter oft die Diversität im Vorstand. Das hat eine neue Studie herausgefunden. Aber nicht alle Unternehmen sind gleichermaßen betroffen

Kaum ein Unternehmen kommt noch darum herum, sich mit dem Thema Vielfalt auseinanderzusetzen. Wenn es Unternehmen aber wirtschaftlich schlecht geht, dann wird die Diversität im Vorstand schnell hintenangestellt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Imperial College Business School. Die Forscher sammelten dafür Daten von 733 börsennotierten US-Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe über einen Zeitraum von insgesamt 15 Jahren.

Unternehmen, die gerade in Schwierigkeiten stecken, suchen demnach nach Vorstandsmitgliedern mit Fachkenntnissen, die dem Unternehmen noch fehlen – die Diversität nimmt derweil ab. Aber warum?

Die Vermutung der Forscher: In einer schwierigen Lage setzen die Vorstände eher auf einfache Kommunikation, Vertrauen und Solidarität, immerhin ist es in einer solchen Situation besonders wichtig, einen Konsens zu erzielen, und das möglichst konfliktfrei.

Und Menschen nehmen andere Menschen, die einen ähnlichen Hintergrund haben wie sie selbst, tendenziell als vertrauenswürdiger wahr, so die Forscher weiter. Also wird die Vielfalt in einer geschäftlich schwierigen Situation nicht als Vorteil, sondern als Risiko wahrgenommen.

Unterrepräsentierte Gruppen werden übersehen

„Die bestehenden Vorstandsmitglieder suchen nach jemandem, der ihnen demografisch ähnlich ist, wobei Frauen und ethnische Minderheiten übersehen werden“, sagt HeeJung Jung, einer der Studienautoren. Am Ende könne man sehen, dass die Unternehmen „im Leistungsabschwung weniger integrativ werden“.

Das liege daran, dass für gewinnorientierte Unternehmen vor allem der Profit im Vordergrund stehe – die Beibehaltung und Förderung der Diversität fällt tritt dahinter zurück.

Die Studie zeige, wie schwierig es für Frauen und ethnische Minderheiten sei, im Vorstand vertreten zu sein, obwohl immer wieder ein Wandel gefordert werde, so Jung weiter. „Da die Unternehmen diejenigen auswählen, die einen ähnlichen demografischen Hintergrund haben, das heißt häufig weiße, männliche Vorstände, werden Frauen oder ethnische Minderheiten aus dem Vorstand entfernt und nicht durch Personen mit einem ähnlichen demografischen Hintergrund ersetzt“, sagt er.

Doch nicht alle Unternehmen sind von dem Problem gleichermaßen betroffen. Gehört der oder die Vorstandsvorsitzende selbst einer unterrepräsentierten Gruppe an, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Diversität in schwierigen Zeiten leidet – im Gegenteil: Die Vielfalt wird beibehalten oder sogar weiter gefördert.


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