Ukraine-Krieg Warum es gerade Lieferengpässe bei Speiseöl gibt

Deutschland deckt nach Angaben des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu 94 Prozent über Importe.
Deutschland deckt nach Angaben des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu 94 Prozent über Importe.
© IMAGO / allOver
Die Ukraine gehört zu Deutschlands wichtigsten Lieferanten von Sonnenblumenöl. Durch den Krieg drohen nun auch hier Engpässe

In ersten Supermärkten war Speiseöl Berichten zufolge bereits nur noch in begrenzten Mengen zu kaufen – noch bevor Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Deutschlands wichtigsten Lieferanten für Sonnenblumenöl, gestartet hatte. So hatte Aldi Süd die Abgabe von Sonnenblumenöl seiner Eigenmarke auf höchstens vier Flaschen pro Kunde eingeschränkt.

Einem Bericht der „Lebensmittelzeitung“ zufolge waren auch Rewe und Netto von Lieferengpässen bei Speiseölen betroffen. Als Gründe wurden Missernten, Personalengpässe durch Corona und gestiegene Produktionskosten etwa durch die hohen Energiepreise genannt. Lebensmittelhändler, die die Abgabemenge bislang nicht rationierten, erhöhten den Preis für günstige Ölmarken teils drastisch.

Durch den Krieg in der Ukraine dürften sich eine Reihe von Agrarprodukten deutlich verteuern. Die Ukraine und auch das nun massiv mit Sanktionen belegte Russland sind vor allem wichtige Lieferanten von Weizen für den Weltmarkt. Sonnenblumenöl könnte zu den in Deutschland am stärksten betroffenen Lebensmitteln gehören. So sind die Ukraine mit 51 und Russland mit 27 Prozent die weltweit wichtigsten Exportländer für Sonnenblumenöl. Deutschland deckt nach Angaben des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu 94 Prozent über Importe. 

Auch Tierproduktion betroffen

„Es ist mit akuten Rohstoffengpässen und Lieferausfällen zu rechnen, die nicht ohne Weiteres aufgefangen werden können. Schließlich handelt es sich um Naturprodukte, die angebaut, gepflegt, geerntet und exportiert werden: Ein solches Volumen ist nicht ad-hoc durch andere Länder auszugleichen“, sagt Stefan Durach, Präsident des Feinkostverbandes Kulinaria Deutschland.

Schon jetzt sei eine Rohstoffverknappung für Sonnenblumenöl und Senfsaat festzustellen. Auch die Situation auf dem Stärkemarkt – ebenfalls wichtiger Grundstoff für kulinarische Produkte – sei angespannt. Diese Auswirkungen auf die Herstellung von Produkten wie Senf und Mayonnaise, aber auch von Trockenerzeugnissen sind greifbar.

Die Präsidentin des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID), Jaana Kleinschmit von Lengefeld, beobachtet bereits Einschränkungen für Produktion und Logistik von Ölsaaten in der ganzen Ukraine sowie der Schwarzmeerregion durch die russischen Angriffe, die Generalmobilmachung in der Ukraine und die beschlossenen Sanktionen. Viele Standorte von Mitgliedsunternehmen des Verbands mit insgesamt mehreren Tausend Beschäftigten seien direkt betroffen. Sollte es kurzfristig zu Engpässen bei einzelnen Rohstoffen aus der Region wie Sonnenblume, Lein und Soja kommen, sind diese nur sehr schwer zu substituieren. 

Auswirkungen dürfte der Krieg auch auf die Fleisch- und Milchproduktion in Europa haben: Denn neben Sonnenblumen und Raps stammen mehr als zwei Drittel des in Europa erzeugten Sojas aus Russland und der Ukraine. Diese Produkte sind wichtige Rohstoffe für die Futtermittelproduktion für deutsche Rinder, Schweine und Geflügel.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf ntv.de


Mehr zum Thema