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Milliarden-Deal Elon Musks jüngstes Twitter-Manöver hat zwei mögliche Gründe

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© picture alliance / NTB | Carina Johansen
Elon Musk hatte mit Twitter eigentlich gebrochen. Kurz vor dem Prozess zum gescheiterten Milliarden-Deal macht er nun eine Kehrtwende – und will doch kaufen. Was steckt hinter dem Manöver?

Überraschende Kehrtwende in der 44 Mrd. US-Dollar teuren Übernahmeschlacht um den Kurznachrichtendienst Twitter: Nachdem Multiunternehmer Elon Musk den Kaufvertrag noch im Juli für ungültig erklärt hatte und sich eine Schlammschlacht mit dem Unternehmen lieferte, will er den Deal nun offenbar doch noch wiederbeleben.

Der Tech-Milliardär hat das Kaufangebot in einem Brief an Twitter am Montagabend erneuert, wie eine Pflichtmitteilung der US-Börsenaufsicht SEC jetzt zeigt. Demnach bietet er 54,20 US-Dollar pro Aktie, was einem Kaufpreis von rund 44 Mrd. Dollar entspricht. Das ist der ursprüngliche Preis, den Musk schon bei seinem ersten Übernahmeversuch im April aufrief. Zuerst hatte das US-Nachrichtenportal Bloomberg über Musks Brief berichtet. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat den Erhalt der Nachricht inzwischen bestätigt.

Gräben zwischen Twitter und Musk sind tief

Die Kehrtwende kommt für die meisten Beobachter überraschend. Musk hatte sich seit seinem Rückzieher einen öffentlichen Schlagabtausch mit dem Twitter-Management geliefert, der teils unter die Gürtellinie ging. Im Kern bezichtigt Musk das Unternehmen der Lüge: Man habe ihn hinsichtlich des Anteils der Fake-Konten getäuscht.

Beobachter werteten Musks Zaudern damals als Versuch, den Kaufpreis zu drücken. Durch die Gerichtsakten wurde nun deutlich: Der Unternehmer schien mehr und mehr daran zu zweifeln, dass Twitter tatsächlich ein gutes Geschäft ist. Sprich: Dass sich mit dem Kurznachrichtendienst überhaupt Geld verdienen lässt.

Das Vertrauen zwischen den beiden Parteien schien endgültig zerstört, als Twitter im Sommer eine Klage bei einem Gericht in Delaware einreichte, um den Vollzug des Kaufvertrags zu erzwingen. Der Prozess soll am 17. Oktober beginnen.

Für Musks Rückzieher vom Rückzieher so kurz vor dem Prozessauftakt gibt es zwei mögliche Gründe. Der naheliegendste: Sein Team hat offenbar erkannt, dass er den Rechtsstreit nicht gewinnen kann.

Um aus dem Kaufvertrag herauszukommen, müssten seine Anwälte Beweise vorlegen, dass Twitter ihn tatsächlich bewusst zu seinem Nachteil getäuscht hat. Laut einem Bloomberg-Bericht gibt es in Musks Anwaltsteam jedoch Zweifel, dass sich die Vorwürfe ausreichend belegen lassen. Auch die Gerichtsdokumente, die bisher öffentlich sind, liefern dazu keine starken Belege.

Neuverhandlung könnte Zeit schinden

Hinzu kommt, dass im Vorfeld des Verfahrens immer mehr pikante Details aus Musks innerem Zirkel bekannt werden. Die veröffentlichen Gerichtsdokumente umfassen bisher 151 Seiten von privaten Chatnachrichten, in denen er sich mit anderen Tech-CEOs und Investoren über den Deal austauscht. Darunter ist auch ein Nachrichtenwechsel mit Mathias Döpfner, dem Vorstandchef des deutschen Axel-Springer-Verlages. Weitere Korrespondenzen sollten eigentlich diese Woche veröffentlicht werden.

Möglich ist daher, dass Musk mit einer kurzfristigen Wiederbelebung des Deals versucht, diese Veröffentlichungen zu verzögern oder gar zu verhindern. Eine solche Aufschub-Taktik würde ihm auch mehr Zeit verschaffen, um die eigene Beweisführung zu stärken.

Falls Musk den Prozess verliert, droht ihm eine Vertragsstrafe von rund 1 Mrd. Dollar.

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