VG-Wort Pixel

Twitter-Übernahme Elon Musk vs. Twitter: Was bisher geschah

Elon Musk
Elon Musk will von dem Twitter-Deal nichts mehr wissen, das Unternehmen besteht dagegen auf die vertraglich vereinbarte Übernahme
© IMAGO / Political-Moments
Ab dem 17. Oktober wird die Übernahmeschlacht zwischen Elon Musk und Twitter vor Gericht verhandelt. Doch worum ging es im Kern noch mal? Eine Chronologie

Kauft er Twitter nun, oder kauft er es doch nicht? Elon Musks verkappter Übernahmeversuch hält die Tech-Welt seit Monaten in Atem. Nachdem der US-Milliardär anfangs noch von Twitter schwärmte, hat er den vertraglich bindenden Deal inzwischen „auf Eis“ gelegt. Twitter will das nicht gelten lassen. Seit ein paar Wochen ist klar: Die beiden Parteien werden ihren Streit ab dem 17. Oktober vor Gericht ausfechten.

In dem Blockbuster-Prozess geht es um insgesamt 44 Mrd. US-Dollar – und die Frage, ob Elon Musk zum Kauf von Twitter gezwungen werden kann. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Capital hat die wichtigsten Kapitel der Twitter-Übernahmeschlacht zusammengefasst:

Januar bis März 2022: Musk kauft heimlich Twitter-Anteile

Die Entscheidung, sich bei Twitter einzumischen, fällt Musk offenbar bereits zum Jahresanfang. Ende Januar kauft der Unternehmer die ersten Twitteraktien. Bis März erhöht er seinen Anteil nach und nach auf neun Prozent – und wird damit der größte Einzelaktionär von Twitter. Die Öffentlichkeit erfährt davon allerdings erst Wochen später.

Hinter den Kulissen sucht Musk den Kontakt zur Führung des Kurznachrichtendiensts. Am 26. März kontaktiert er Twitter-Gründer Jack Dorsey, um „die zukünftige Ausrichtung von Social Media“ zu besprechen. Wenige Tage später trifft sich der Verwaltungsrat. Den Twitter-Managern ist zu diesem Zeitpunkt offenbar schon bewusst, dass Musk sich aktiv bei dem Unternehmen einmischen will. Etwa zur gleichen Zeit denkt Musk auf seinem Twitter-Kanal laut darüber nach, ein neues Soziales Netzwerk aufzubauen.

Mitte April 2022: Musk startet feindlichen Übernahmeversuch

Am 4. April erscheint eine Pflichtmitteilung auf der Webseite der US-Börsenaufsicht SEC – damit wird Musks neue Rolle als größter Twitter-Teilhaber erstmals öffentlich. Twitter-Chef Parag Agrawal bietet Musk daraufhin einen Sitz im Verwaltungsrat an, offenbar um ihn zu zähmen und an strengere Regeln zu binden. Musk lehnt wenige Tage später ab.

Stattdessen unterbreitet er am 14. April ein Kaufangebot für Twitter. Musk bietet 54,20 Dollar pro Aktie für 100 Prozent der Anteile. Das entspricht einem Kaufpreis von 41,4 Mrd. Dollar. Knapp 6 Mrd. Dollar mehr, als Twitter zu diesem Zeitpunkt an der Börse wert ist.

Die SEC-Unterlagen gewähren auch Einsicht in die Motive des US-Milliardärs. Musk glaube fest daran, dass Twitter die weltweit führende Plattform für freie Meinungsäußerung werden könne. Allerdings nur, wenn er die Verantwortung übernehme. „Ohne die notwendigen Veränderungen ist es einfach kein gutes Investment. Und diese Veränderungen wird es nicht geben, wenn das Unternehmen weiter an der Börse bleibt“, so Musk in einer transkribierten Sprachnachricht an Verwaltungsratschef Bret Taylor. Er machte gleichzeitig deutlich, dass er seine Beteiligung an Twitter womöglich wieder abstoßen werde, sollte das Kaufangebot scheitern. Der Deal sei sein „bestes und letztes Angebot“.

Ende April 2022: Der Deal kommt ins Rollen

Twitter wehrt sich zunächst gegen die feindliche Übernahme mit einer sogenannten „Giftpille“, die den Aufkauf weiterer Anteile erschweren soll. Am 25. April folgt dann die Kehrwende: Twitter kündigt an, sich nun doch auf einen Deal mit Elon Musk geeinigt zu haben. Der Kaufpreis betrage 44 Mrd. US-Dollar. Etwa zur gleichen Zeit sichert sich Musk die Kreditzusagen für sein Kaufvorhaben.

Das öffentliche Schauspiel um die Übernahme hat für Twitter auch positive Seiten: Im April gibt das Unternehmen den größten Nutzerzuwachs seit Jahren bekannt.

Mai 2022: Streit um Fake-Accounts leitet Musks Rückzug ein

Elon Musk scheint kalte Füße zu bekommen. Am 3. Mai schwärmt der US-Milliardär noch von Twitters „großem Potenzial“, zum „vertrauenswürdigsten und inklusivsten Forum der Welt“ aufzusteigen. Zehn Tage später scheint er seine Meinung schon wieder geändert zu haben. Am 13. Mai schreibt Musk auf seinem Twitterkanal, der Deal sei „vorübergehend auf Eis gelegt“. Er wolle erst mehr Informationen über den Anteil von Fake- und Spam-Accounts auf der Plattform einsehen.

In den Tagen darauf streut Musk weiter Zweifel über die Authentizität von Twitters Nutzerbasis. Zudem stellt er die Zahlen infrage, die das Unternehmen ihm dazu geliefert hat. Beobachter werten Musks Zaudern als Versuch, den Kaufpreis zu drücken

Twitter-CEO Parag Agrawal
Twitter-CEO Parag Agrawal
© Kevin Dietsch/Getty Images

Mit Musks Rückzieher beginnt auch eine öffentliche Schlammschlacht. Der Schlagabtausch zwischen Agrawal und Musk erreicht ihren vorläufigen Tiefpunkt am 16. Mai, als Musk einen Beitrag des Twitter-CEOs mit einem lachenden Fäkal-Emoji kommentiert.

Juli 2022: der große Knall

Mit den Sommerferien kehrt zunächst ein wenig Ruhe ein. Am 8. Juli kommt dann der große Knall: Musk erklärt den Kaufvertrag mit Twitter für nichtig – und will seine Übernahmepläne beerdigen. Seine Anwälte argumentieren, Twitter habe Musk beim Abschluss des Kaufvertrags über die echte Zahl der Scheinkonten getäuscht, beziehungsweise nicht ausreichend informiert.

Twitters Verwaltungsrat zeigt sich von Musks Absage unbeeindruckt. Man sei immer noch fest entschlossen, den vertraglich vereinbarten Deal abzuschließen. Am 12. Juli reicht Twitter Klage bei einem Gericht in Delaware ein, um den Vollzug des Kaufvertrags zu erzwingen.

September 2022: Vorspiel für den großen Prozess

In einer außerordentlichen Hauptversammlung am 13. September stimmt die Mehrheit der Twitter-Investoren für den Verkauf an Elon Musk, trotz dessen Rücktritt von dem Deal. Gleichzeitig kommen immer mehr neue Informationen über die verkappte Twitter-Übernahme ans Licht. Beide Parteien versuchen offenbar, sich vor dem großen Prozess medial in Stellung zu bringen.

Am 9. September bringt Elon Musk etwa den Whistleblower Peiter Zatko als Zeugen ins Spiel. Der ehemalige Twitter-Sicherheitschef hatte nach seinem Abgang im Januar schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben, die unter anderem den mangelnden Schutz von Nutzerdaten und die gezielte Irreführung von Behörden und Investoren umfassen. Elon Musk führt Zatkos Schilderungen als weiteren Beweis an, dass Twitter ihm vor dem Deal signifikante Mängel verschwiegen habe.

Wie geht es weiter?

Im Oktober könnte es zum großen Showdown zwischen Twitter und Musk kommen. Am 17. Oktober soll der Prozess vor einem Gericht in Delaware starten und die Frage klären, ob der Tesla-Chef straffrei aus seinem Kaufvertrag mit Twitter aussteigen kann. Die zuständige Richterin hat dafür fünf Verhandlungstage angesetzt.

Beobachter halte es für möglich, dass Musk am Ende doch zum Kauf von Twitter gezwungen werden könnte. Für ihn stehen im schlechtesten Fall also 44 Mrd. US-Dollar auf dem Spiel – und ein Wertverfall seiner Autofirma Tesla. Experten rechnen damit, dass sich der Twitter-Kauf negativ auf den Aktienkurs des E-Autopioniers auswirken könnte. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Musk „nur“ eine Vertragsstrafe von 1 Mrd. Dollar zahlen muss. So oder so: Der Fall Twitter vs. Elon Musk ist schon jetzt einer der spektakulärsten Auseinandersetzung in der Geschichte des Silicon Valley.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel